Causa HG Pharma: Land stellt Testsystem neu auf, Aufklärung wird zum Härtetest

Land beendet Zusammenarbeit mit Chef des Test-Labors "Lab Truck". Ralf Herwig kündigt ohnehin an, sich operativ zurückzuziehen.

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Ralf Herwig zieht sich aus dem operativen Geschäft bei seinem Test-Labor "Lab Truck" zurück, das Land kappt die Zusammenarbeit mit ihm.
© Thomas Böhm

Von Peter Nindler

Innsbruck ‒ Wie es jetzt weitergeht, soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Der "Lab Truck" war seit dem Herbst das Rückgrat bei den PCR-Testungen im Land. Mehr als 220.000 Corona-Tests wurden durchgeführt. Wegen der Vorwürfe gegenüber Firmenchef Ralf Herwig ist die Zusammenarbeit aber nicht mehr möglich, begründete LH Günther Platter diesen Schritt. "Die Optik ist schief." Eine weitere Verunsicherung kann sich das Land, das die Leistungen ohne Ausschreibung um rund acht Mio. Euro vergeben hat, nämlich nicht mehr leisten.

"Wir werden die Laborbefundungen neu aufstellen", kündigte Platter an. Überlegt wird u. a. eine Kooperationslösung unter Führung anderer Labors. Derzeit werden die Laborleistungen ohnehin neu ausgeschrieben, deshalb wurde der Vertrag mit "Lab Truck" bis 30. Juni verlängert. Zum Härtetest wird allerdings die Aufarbeitung. Wie konnte der Vertrag mit einem derart umstrittenen Firmenchef, der sich bereits mehrmals vor Gericht verantworten musste, überhaupt geschlossen werden? Das Justiziariat im Land wird die Prüfung vornehmen.

"Lab Truck" hat auch Ende Dezember in Wien um eine Betriebsbewilligung angesucht, aber dann auf einen übermittelten ausführlichen Fragebogen der Stadt Wien nicht reagiert. Damit war für die Stadt Wien die Angelegenheit erledigt. Detail am Rande: Das Unternehmen hatte sich direkt an Bürgermeister Michael Ludwig gewandt.

Im ehemaligen Kitzbüheler Krankenhaus, dem heutigen Gesundheitszentrum, hat die HG Pharma Räumlichkeiten für ein Labor angemietet. Die Stadt Kitzbühel denkt derzeit nicht an die Auflösung des Mietvertrags. "Die Stadt hat Einnahmen aus der Vermietung erzielt. Der Nutzen für die Bevölkerung durch schnelle Tests lag auf der Hand. Medizinisch war die Stadt nie involviert", teilt Bürgermeister Klaus Winkler (VP) mit.

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HG-Pharma-Geschäftsführer Ralf Herwig hatte im ehemaligen Krankenhaus gearbeitet. Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider ortet vor allem im Umfeld von Kitzbühel "Freunderlwirtschaft". "Es ist der erste notwendige Schritt in die richtige Richtung, dass die Zusammenarbeit mit der HG Pharma beendet wird. Nicht ersetzt wird dadurch die Notwendigkeit, dass ÖVP-Landeshauptmann Platter volle Aufklärung leisten muss", sagt Haselwanter-Schneider.

Für den grünen Klubchef Gebi Mair war das Vertrauen in Ralf Herwig angesichts der Begleitumstände nicht mehr gegeben. "Wir erwarten weiterhin volle Kooperation und Transparenz bei der Aufklärung der aufgetretenen Fragen. Mit unserer Forderung nach einem 'Plan B'für die PCR-Testungen im Land Tirol sehen wir uns damit auf dem richtigen Weg."

Im September präsentierte Ralf Herwig Tirols LH Günther Platter den „Lab Truck“.
© Land Tirol/Berger


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