„McCartney III Imagined“: Fast noch besser als das Original

Paul McCartney ließ sein neues Soloalbum von einer Schar namhafter Gesangsstars covern – mit exzellenten Ergebnissen.

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Paul McCartney legte seine Musik in die Hände anderer.
© Universal

Von Markus Schramek

Innsbruck – Paul McCartney ist ein Sir von der Sohle bis zum grau gewordenen Scheitel, nicht nur weil Britanniens Queen ihn in den Ritterstand erhob, lange ist es her. Der Ex-Beatle zählt aktuell 78 Jahresringe und macht noch immer Musik, sehr gute sogar, wie sein erst ein paar Monate altes Solo „McCartney III“ eindrücklich ins Gehör ruft: die Stimme etwas dünner, die Höhen tiefer, aber so was von Ausdruck und Charisma!

Was tut ein Fast-alles-Könner nach getaner Arbeit? Er nimmt sich selbst zurück und lässt, unter des Meisters wohlwollender Obhut, jüngeres Volk ans Werk, um das fast noch neue Album „McCartney III“ gleich noch einmal neu zu vermessen, zu mischen, zu verdichten und zu vertonen. Motto: Lieber die eigenen Songs selbst covern, bevor es andere tun.

Et voilà – fertig ist das nächste Prachtstück: „McCartney III Imagined“ klingt wie der Zwilling seines Vorgängers im modernen, tanzfreudigen, spacigen Gewand. Paul McCartney himself übernimmt nur phasenweise den Gesang. Oft schweigt er und genießt (mutmaßlich) den Vortrag von Größen wie Beck, St. Vincent, Damon Albarn und Co.

Getrost kann man auf „zufällige Wiedergabe“ drücken, denn es ist egal, mit welchem Track man sich dieser Sammlung grandioser Remixes nähert: sei es das sphärische „Deep Down“ in der Version von Blood Orange, das neckisch-verspielte „Lavatory Lil“ mit Josh Homme vor dem Mikro oder das schnuckelige Co-Work von McCartney und Anderson Paak bei „When Winter Comes“.

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Zum persönlichen Favoriten des 50-Minüters taugt Phoebe Bridgers mit ihrer elfenhaften, bezaubernden Wiedergabe von „Seize the Day“ – eine glatte Einladung zum Träumen. Einzig das krachende, fast punkige (huch!) „Slidin’“ in der Umarbeitung durch EOB mag zarter Besaitete irritieren. Paul wird sich dabei wohl an rotzige Beatles-Hadern à la „Helter Skelter“ erinnert fühlen. Härterer Rock damals und heute.

Fans von „Macca“ könnten nun darüber schwadronieren, welche der beiden Scheiben, jene mit den Originalen oder die mit den Covers, die bessere sei. Müßiges Gehirntraining. Ein Abend ist lang genug für beide.

📽️ Video | „Seize the Day“:


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