Der König der italienischen Berge: 3479,9 Kilometer und 47.000 Höhenmeter warten

Der 104. Giro d’Italia (ab Samstag) steht heuer ganz im Zeichen der berüchtigten Pässe: Das Feld rund um den Kolumbianer Egan Bernal ist dabei an 21 Tagen über 47.000 Höhenmeter bis zum letzten Tag gefordert.

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Der Kolumbianer Egan Bernal ist der große Gejagte beim Giro d’Italia, der den Rad-Profis heuer alles abverlangen wird.
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Von Roman Stelzl

Turin – Nichts für schwache Nerven und noch weniger was für schwache Beine ist die 104. Auflage des Giro d’Italia (ab Samstag). Auf den 3479,9 Kilometern warten rund 47.000 Höhenmeter verteilt auf 21 Etappen an 23 Tagen. Der erste der drei Grand-Tour-Bewerbe steht dabei zwar wieder im Zeichen der Corona-Pandemie, anders als im Vorjahr, als die im Oktober ausgetragene Italien-Rundfahrt vor dem Aus stand, soll heuer alles glatt über die Bühne gehen.

Favoriten: Spätestens seit Simon Yates im April in Feichten im Kaunertal bei der Tour of the Alps die Arme in die Höhe riss, zählt der Brite zum absoluten Favoritenkreis auf den Giro-Sieg. Für den 28-jährigen Vuelta-Sieger von 2018 war der spätere Gesamtsieg eine gelungene Generalprobe. Der große Gejagte ist aber nicht Yates, sondern Egan Bernal. Der 24-jährige Kolumbianer, der 2019 die Tour de France gewann, bereitete sich punktgenau auf den Giro vor. Als Kapitän der Top-Equipe Ineos darf er auf die Hilfe der Lokalmatadadore Filippo Gana, Gianni Moscon und Salvatore Puccio vertrauen. Vorjahres-Sieger Tao Geoghegan Hart aus Großbritannien fehlt. Daneben sind Dan Martin (Israel Start-up Nation) oder der Franzose Romain Bardet (Team DSM) sowie der Spanier Mikel Landa (Bahrain) Teil der langen Liste der ersten Verfolger.

Comeback: Mit Spannung erwartet wird das Grand-Tour-Debüt von Rad-Jungstar Remco Evenepoel. Und das aus mehreren Gründen: Einerseits deshalb, weil der 21-jährige Vize-Weltmeister aus Belgien schon ein ums andere Mal zu verblüffen wusste. Andererseits ist es für Evenepoel der erste Einsatz nach seinem schweren Sturz im Vorjahr, als er sich in der Lombardei einen Beckenbruch zugezogen hatte, ohne ein einziges Vorbereitungs-Rennen. „Ich bin glücklich, nach so einer langen Zeit wieder Rennen fahren zu können. Ich habe hart gearbeitet, um für meine erste Grand Tour bereit zu sein. Wir schauen von Tag zu Tag“, sagte Evenepoel.

Österreicher: In der Startliste tauchen mit dem Oberösterreicher Felix Großschartner (Bora hansgrohe) und dem Vorarlberger Matthias Brändle (Israel Start-up Nation) heuer nur zwei ÖRV-Fahrer auf. Während Brändle vorrangig Helfer-Dienste verrichten wird, kann sich Großschartner im deutschen Rennstall rund um Emanuel Buchmann durchaus auch in Szene setzen. Die beiden Tiroler Rad-Profis Patrick Gamper (Bora), der im Vorjahr seine Giro-Premiere feiern durfte, und Felix Gall (Team DSM) kamen nicht zum Zug.

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Strecke: Es geht zur Sache bei der heurigen Ausgabe des Giro d’Italia. 47.000 Höhenmeter verteilt auf 21 Etappen ergibt einen Schnitt von über 2200 hm pro Etappe. Dass es dabei nur zwei Zeitfahren über gut 40 Kilometer gibt, ist fast schon eine Randnotiz. Die Königsetappe führt heuer auf dem 16. Teilstück über drei berühmte Dolomiten-Pässe (Passo Fedaia, Passo Pordoi, Passo Giau) und 212 Kilometer sowie fast 6000 Höhenmeter nach Cortina d’Ampezzo, den Ski-WM-Ort von 2021. Zwei Tage davor könnte ein berüchtigter Berg schon frühzeitig den Giro-Sieger küren: Der Monte Zoncolan (1740 m) zählt zu den schwierigsten und herausforderndsten Rennrad-Bergen. Durchhalten müssen die Athleten wirklich bis ganz zum Schluss: Am vorletzten Tag warten neben dem San Bernardino Pass noch zwei weitere harte Anstiege bis zur Bergankunft auf der Alpe Motta. Den Abschluss bildet zum Drüberstreuen ein Zeitfahren. Spannung bis zum Schluss also.

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Corona: Bei 184 Startern und rund 450 Betreuern wird strengstens auf das Covid-19-Protokoll geachtet. Die finale Test-Reihe fand gestern statt, die Ergebnisse soll es heute geben. An den beiden Ruhetagen wird noch einmal durchgetestet. Im Vorjahr war unter anderem Simon Yates positiv, sein Team verließ daraufhin den Giro.


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