HG Pharma: Prozess gegen Herwig wegen Herzproblemen abberaumt

Der rund um angeblich fehlerhafte PCR-Tests in die Kritik geratene Urologe Ralf Herwig ist nicht zu einem Gerichtstermin in Wien erschienen. Die Polizei traf den Mann zuhause nicht an, seine Anwältin legte eine Krankenbestätigung vor. In dem Prozess geht es um Körperverletzung mit Dauerfolgen und schweren Betrug.

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Ralf Herwig, Chef bzw. Gründer der Firma HG Pharma.
© Thomas Böhm

Wien, Innsbruck – Der im Zuge der Abwicklung von PCR-Tests für das Land Tirol unter Beschuss geratene Chef bzw. Gründer der Firma HG Pharma, Ralf Herwig, hätte sich morgen, Freitag, in Wien wegen Körperverletzung mit Dauerfolgen und schweren Betrugs vor Gericht zu verantworten gehabt. Die Verhandlung wurde allerdings Donnerstagmittag abberaumt. "Der Angeklagte hat eine offizielle Krankenbestätigung vorgelegt", gab die Sprecherin des Landesgerichts für Strafsachen, Christina Salzborn, bekannt.

Polizei traf Herwig in Tirol nicht an

Herwig soll sich derzeit mit angeblichen Herzproblemen in einem Spital in Deutschland befinden. Dem Vernehmen nach hatte seine Pflichtverteidigerin am Mittwoch das Wiener Gericht informell verständigt, dass der 56-Jährige krank sei. Daraufhin wollte der zuständige Richter das Befinden des Facharztes für Urologie und Andrologie von einem medizinischen Sachverständigen auf eine mögliche Verhandlungsunfähigkeit überprüfen lassen. Die Polizei, die sich an Herwigs Wohnadresse in Tirol sowie an seine Firmenanschrift begab, um den Termin zu koordinieren, traf diesen aber nicht an. Nun rätselt man in der Bundeshauptstadt, von welchem Ort aus Herwig die Interviews gegeben hat, die am Donnerstag in mehreren Medien erschienen sind.

Prozess wegen Verdachts auf Pfusch bei Diagnosen und Eingriffen

Was das Wiener Strafverfahren betrifft, steht Herwig im Verdacht, zwischen 2013 und 2017 fünf Männer, die sich wegen Erektionsproblemen zu ihm in Behandlung begeben hatten, "verpfuscht" zu haben. Die Anklage wirft ihm vor, die Patienten falsch diagnostiziert und gefäßchirurgischer Eingriffe unterzogen zu haben, die weder indiziert waren noch dem Stand der Wissenschaft entsprachen. Der Staatsanwaltschaft zufolge fügte er vier Männern, denen er ein – tatsächlich nicht vorhandenes – venöses Leck in einer Penisvene diagnostiziert hatte, eine dauerhafte erektile Dysfunktion zu. Der fünfte Patient litt nach der OP laut Anklageschrift an einer "wesentlichen Veränderung seines Penis". Zwei Betroffene nahmen sich im Jänner 2014 bzw. im Mai 2015 das Leben.

Ein neuer Termin für die abberaumte Verhandlung steht nicht fest. Es ist davon auszugehen, dass das Landesgericht die behaupteten gesundheitlichen Beschwerden Herwigs zeitnahe von einem ausgewiesenen gerichtlichen Sachverständigen überprüfen lassen wird. (APA, TT.com)

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