„Damit sie nicht im Staub stehen“: Concordia hilft im Kosovo

Im Kosovo fehlt es vielen Familien am Nötigsten. Jedes zweite Kind lebt in Armut. In der Stadt Prizren hat die Hilfsorganisation Concordia ein Bildungszentrum übernommen.

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Besonders Roma-Familien sind von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen.
© Concordia/Karahoda

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Prizren – Im Kosovo endet die Schullaufbahn für viele bereits im Alter von elf Jahren. Sie werden von ihren Eltern aus dem Unterricht genommen, müssen arbeiten gehen. Bei Familien der Roma-Volksgruppe ist es gängige Praxis, die Töchter zu verheiraten. Söhne werden zum Betteln geschickt. Vielen Bewohnern des Balkan-Landes fehlt es am Nötigsten. Jedes zweite Kind wächst in von Armut geprägten Verhältnissen auf. Die österreichische Hilfsorganisation Concordia will die Not lindern, hat deshalb ein Bildungszentrum in der Stadt Prizren übernommen.

85.000 Einwohner leben in der Kommune im Süden des Landes – ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, die historischen Gebäude im Zentrum ziehen zahlreiche Touristen an. Es gibt allerdings auch unzählige karge Viertel. In einem davon steht die Einrichtung Tranzit – direkt an einer Autobahn, umgeben von Baracken und bewohnten Ruinen. „Die Menschen dort haben kein Essen, keine gute Kleidung, keine Ausbildung“, sagt Mirela Lavric, Länderleiterin von Concordia im Kosovo. „Alle schlafen in einem Raum, viele Kinder, die Väter und Mütter ohne Einkommen.“

Hier setzt laut Lavric das Projekt von Concordia an. Um zumindest den Heranwachsenden eine bessere Zukunft zu ermöglichen, „damit sie nicht im Staub ihrer Viertel stehen und nichts tun“. Das von Concordia Anfang diesen Jahres übernommene Zentrum für benachteiligte Kinder existiert seit 2016, wurde von deutschen Jesuiten gegründet. „50 bis 60 Buben und Mädchen besuchen uns, nachdem sie zum Unterricht gegangen sind oder bevor sie dorthin gehen. Die Kleinen lernen hier, knüpfen Kontakte, wir wollen ihnen dabei helfen, in der Schule zu bleiben. Abends gibt es eine warme Mahlzeit – ich bin mir sicher, für manche ist es die einzige des Tages.“

Das Gebäude, in dem die Einrichtung untergebracht ist, wurde im Jahr 2018 errichtet. Es gibt modern eingerichtete Lern- und Gemeinschaftsräume, ein Atelier. „Wir bieten auch Musikunterricht an, am Schlagzeug, dem Cello, der Flöte. Es gibt einen Chor und ein Orchester. Das hat eine therapeutische Wirkung, die Kinder sind stolz auf ihre Leistungen“, sagt Lavric. „Und schön ist, dass es völlig egal ist, woher sie kommen, welche Farbe ihre Haut hat, ob sie etwas dunkler ist.“ Es zähle nicht, dass sie arm seien, nur das, was sie leisten.

Das Zentrum in Prizren ist das erste Engagement von Concordia im Kosovo. Und es soll, läuft alles nach Plan, weiter ausgebaut werden. „Wir hoffen, die Lizenz für einen Kindergarten zu bekommen“, berichtet Lavric. So könne die Frühkind-Erziehung weiter ausgebaut werden. Ab Juli beginne ein Psychologe mit seiner Arbeit, um den teils traumatisierten Minderjährigen beizustehen. Sozialarbeiter gehen in die Viertel, helfen den Familien. „Die Kinder haben nicht viele Optionen“, deshalb sei das Angebot der Organisation auch so wichtig. „Werden sie nicht unterstützt, bleibt ihnen nur ein Leben in Armut.“

Die Stiftung Concordia hat ihren Sitz in Wien und finanziert sich nahezu ausschließlich über Spenden. Der heutigen Ausgabe der liegt ein Erlagschein bei, mit dem unter anderem Hilfsprojekte im Kosovo unterstützt werden können. Die Organisation verfügt auch über ein Spendenkonto mit dem Namen „Concordia Sozialprojekte Gemeinnützige Privatstiftung“,IBAN: AT28 3200 0000 1318 7893.


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