Für die Artenvielfalt: Ein Stück „Urwald“ am Rande Innsbrucks

Erstmals stellt die Stadt Innsbruck zwei Waldgebiete von jeder forstlichen Nutzung frei. Das soll besonders dem Erhalt der Artenvielfalt dienen.

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Vorerst zwei Naturwaldzellen werden der forstlichen Nutzung entzogen: im Bild v. l. Vize-BM Hannes Anzengruber, Amtsvorstand Andreas Wildauer und Präsident Kurt Ziegner vom Tiroler Forstverein in Mühlau.
© Domanig

Von Michael Domanig

Innsbruck – Auch die Stadt Innsbruck ist nun Teil des tirolweiten Netzwerks an „Naturwaldzellen“. Dabei handelt es sich um Waldgebiete, die aufgrund ihrer Artenvielfalt besonders schützenswert sind und daher der forstlichen Nutzung entzogen werden.

Das städtische Amt für Wald und Natur sei mit zwei passenden Zellen an den Tiroler Forstverein herangetreten, der sich seit über 30 Jahren für die Entwicklung natürlicher Waldgebiete einsetzt, erklärt Forstreferent Vize-BM Hannes Anzengruber (ÖVP).

Die größere (5,9 Hektar) befindet sich im Bereich der Sillschlucht, die zweite (4,9 ha) gleich oberhalb des Klosters Karmel in Mühlau. In beiden Fällen handelt es sich um schützenswerte Reste von Naturwäldern. „Dort wird keine Forstwirtschaft mehr betrieben“, führt Anzengruber aus, der Wald werde somit als eine Art „Urwald“ belassen.

Kurt Ziegner, Präsident des Tiroler Forstvereins, freut sich, dass die Kommune bereit ist, „so etwas in unmittelbarer Stadtnähe zuzulassen“. Man lasse den Wald hier wachsen, wie er ist. „Und wenn etwas umfällt, fällt es um.“

TT-Geburtstag: Jetzt eine von 76 Torten gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet automatisch.

Der Förster und Botaniker Manfred Hotter weise den Forstverein regelmäßig darauf hin, wenn er passende Plätze findet. „Wir sprechen dann mit den Grundbesitzern, ob es möglich ist, diese Waldzellen unentgeltlich aus der Nutzung zu entlassen.“

In Mühlau ruht der Fokus auf der Hopfenbuche, einer mehrstämmigen Haselnussverwandten mit dunkler Rinde, die vor Ort seit ca. 1860 bekannt ist. „Es handelt sich um das einzige Vorkommen in Nordtirol und das nördlichste in ganz Europa“, berichtet Hotter. Hinzu kommt ein enormer Artenreichtum: 180 Arten wurden auf nicht einmal 5 ha festgestellt, davon 29 Baum- und 24 Straucharten.

Die Zelle in der Sillschlucht (Laubmischwälder mit Winter- und Sommerlinden, Bergahorn, Bergulmen, Eschen etc.) sei „weniger artenreich, aber noch naturnäher“, mit viel Totholz. Dieses werde bewusst liegengelassen – und diene als Lebensraum für Tiere wie Spechte und Käfer sowie für Moose und Flechten.

Gerade im Hinblick auf die Klimawandelanpassung „brauchen wir viel mehr naturnahe, artenreiche Wälder“, meint Andreas Wildauer (Amt für Wald und Natur). Das Beispiel Nordkette zeige, dass sich Naherholung (viel begangene Spazier- und Wanderwege sowie Bike-Trails in unmittelbarer Nähe) gut mit naturnaher Waldwirtschaft vereinbaren lassen. Wobei in den Naturwaldzellen mit Ausnahme der ausgeschilderten Wege das Betreten nicht erlaubt ist.

Tirolweit betreue allein der Forstverein insgesamt ca. 200 ha an Naturwaldzellen in privatem und öffentlichem Besitz, bilanziert Ziegner. „Und wir suchen weiter gezielt wertvolle Waldbestände in unterschiedlichen Höhenlagen.“


Kommentieren


Schlagworte