„Superwahltag“: Johnson erobert Labour-Hochburg, Spannung in Schottland

Erstmals seit Jahrzehnten jagte die Konservative Partei des britischen Premierministers Boris Johnson der Labour-Partei das Mandat in der Stadt Hartlepool ab. In Schottland könnte das Ergebnis der Regionalwahlen ein neues Unabhängigkeitsreferendum einläuten könnte.

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Die Tories des britischen Premierministers Boris Johnson befinden sich im Aufwind.
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London – Während viele Stimmen des "Superwahltags" in Großbritannien am Freitag noch ausgezählt wurden, hat Boris Johnson dank des Brexits bereits einen Erfolg zu verbuchen. Erstmals seit Jahrzehnten jagte die Konservative Partei des britischen Premierministers der Labour-Party das Unterhausmandat in der nordostenglischen Stadt Hartlepool ab. In Schottland war nach Auszählung der Stimmen im ersten halben Dutzend von 73 Wahlbezirken noch kein klarer Trend erkennbar.

Enges Rennen in Schottland

Die schottischen Liberaldemokraten konnten auf den Orkney-Inseln ihr Mandat sichern, die Schottische Nationalpartei SNP behauptete sich in fünf Wahlkreisen, unter anderem in Aberdeen. Die Wahlbeteiligung war zwischen fünf und zehn Prozentpunkten höher als bei der Wahl im Jahr 2016. Mit dem Endergebnis wird am Samstag gerechnet, Resultate in einigen umkämpften Wahlkreisen könnten aber noch am Freitag einen Hinweis darauf geben, ob die SNP von Regierungschefin Nicola Sturgeon eine absolute Mehrheit erreicht. Die SNP hofft, damit Druck auf London für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum ausüben zu können.

Bei der als Stimmungstest eingestuften Nachwahl in Hartlepool erhielt die konservative Kandidatin Jill Mortimer die meisten Stimmen, wie die Wahlkommission am Freitag in der Früh mitteilte. Der ehemals von Industrie und Bergbau geprägte Norden Englands ist eigentlich traditionell fest in der Hand der Sozialdemokraten - doch dort ist auch die Zustimmung zum EU-Austritt sehr hoch, und das trieb die Wähler nun offensichtlich in Scharen in die Arme der Konservativen von Brexit-Vorkämpfer Johnson.

Torys bejubeln „historisches Ergebnis“

"Das ist ein historisches Ergebnis", sagte Tory-Vizechefin Amanda Milling in einer ersten Reaktion. Premier Johnson bezeichnete den Wahlsieg als "sehr ermutigend" und als Zeichen, dass sich seine Regierung auf die Prioritäten der Menschen konzentriere und so schnell wie möglich aus der Pandemie kommen wolle.

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Für Labour-Chef Keir Starmer, der seit gut einem Jahr im Amt ist, bedeutet die Niederlage aber einen herben Rückschlag. Starmer hatte versucht, das Thema Brexit zu meiden und so die Partei für die traditionelle Anhängerschaft in Nordengland wieder wählbar zu machen. Doch diese Strategie gilt nun als gescheitert. "Wir können die Tatsache nicht verbergen, dass dies ein erschütterndes Ergebnis für Labour ist", sagte der Labour-Abgeordnete Steve Reed der BBC. Unmittelbaren Einfluss auf die Machtverhältnisse in London hat die Nachwahl nicht, weil die Konservativen im Unterhaus schon jetzt eine komfortable Mehrheit haben.

In weiten Teilen Großbritanniens wurden die Menschen am Donnerstag auf regionaler und lokaler Ebene zu den Wahlurnen gerufen. Die Auszählung der Stimmen bei der Parlamentswahl in Schottland hat unterdessen erst am Freitag in der Früh begonnen. Bei der Parlamentswahl in Wales dürfte noch am Freitag ein Ergebnis verkündet werden.

Wählerbewegung zu den Konservativen

Auch bei den Kommunalwahlen in weiten Teilen Englands zeigte sich in Gegenden, die mehrheitlich für den Brexit gestimmt hatten, eine Wählerbewegung zu den Konservativen. Damit wird ein Trend bestätigt, der bereits bei der Parlamentswahl vor zwei Jahren eingesetzt hatte und Johnson einen großartigen Sieg bescherte.

Die Labour Party verstehe sich immer noch als Partei der Arbeiterschaft, das schlage sich aber an den Wahlurnen nicht mehr nieder, sagte der Wahlexperte John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow der BBC. "Labour muss entweder eine Strategie finden, die Arbeiter trotz Brexit wiederzugewinnen oder akzeptieren, dass sie jetzt die Partei der jungen Leute, Akademiker und Sozial-Liberalen sind", so der Politikwissenschafter weiter.

Hartlepool von beiden Lagern umworben

Sowohl Johnson als auch Starmer waren im Wahlkampf mehrmals in die Nordsee-Stadt Hartlepool mit etwa 92.000 Einwohnern gereist. Die Nachwahl wurde notwendig, weil der amtierende Labour-Abgeordnete Mike Hill nach Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs zurückgetreten war. Auf die Zusammensetzung des Parlaments in London hat das Wahlergebnis keinen Einfluss. Dort haben die Konservativen bereits eine deutliche Mehrheit.

Bei der Bürgermeisterwahl in London wird mit einem deutlichen Sieg von Amtsinhaber und Labour-Politiker Sadiq Khan gerechnet. Doch die Auszählung der Stimmen dürfte sich voraussichtlich bis Sonntag hinziehen. (APA/dpa/Reuters)


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