Als Mühlen Waldsamen lieferten: Nachweise auch in Nordtirol

Es war ein Hinweis aus Südtirol, der den Sprecher der Tiroler Mühlenfreunde, Hans Glatzl, auf eine spezielle Spur bei seinen Nachforschungen brachte. In Telfs, Inzing und Prutz gab’s „Kusenroller“, „Samenklengen“ und „Tatschenmühlen“.

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Diese „Tschurtschenmühle“ bei Sterzing dürfte eine der letzten erhaltenen Anlagen sein – sie wartet auf eine Revitalisierung, sagt Glatzl.
© Brunner

Haiming – Es war ein Hinweis aus Südtirol, der den Sprecher der Tiroler Mühlenfreunde, Hans Glatzl, auf eine spezielle Spur bei seinen Nachforschungen brachte. Von dort erfuhr er nämlich von einer besonderen Art von Mühlen, die es früher gegeben hat. In diesen wurden nicht die schweren Mühlsteine zum Mahlen von Mehl oder die Wasserräder zum Bewegen großer Hämmer in den Schmieden verwendet – diese Anlagen wurden zur Gewinnung von Waldsamen genutzt. Das veranlasste den Haiminger Experten Glatzl, sich auch in Nordtirol auf die Suche zu machen. Und er wurde fündig.

In Telfs und in Inzing etwa gab es früher mehrere solcher Anlagen, die dort „Kusenroller“ oder „Samenklenge“ genannt wurden. Und in Prutz befand sich eine „Tatschenmühle“ im Ortsteil Entbruck, die vom Schwefelbach angetrieben wurde, ergaben die Recherchen. „Bis vor wenigen Wochen wusste ich auch noch nicht, was diese Namen bedeuten“, sagt Glatzl.

Von den Ortschronisten Hansjörg Hofer und Peter Schatz erhielt er die Informationen über die historischen Anlagen in Telfs und Inzing. Wie solche Samenklengen funktionierten, erfuhr Glatzl von der Inzingerin Maria Rastner. Diese betrieb 40 Jahre lang den Kusenroller ihres Großvaters bei der Kohlstatt.

In den Samenjahren wurden von Oktober bis April die Zapfen von Fichten, Lärchen, Kiefern und Latschen gesammelt. Die Zapfen wurden zuerst im Lagerraum zum Trocknen ausgebreitet, um eine Schimmelbildung zu vermeiden. Dann wurden sie im Trockenofen bei 40 bis 50 Grad einen Tag lang gedörrt.

Nach dem Dörren wurden die Zapfen in einer großen Trommel, die durch ein Wasserrad angetrieben wurde, geschüttelt. Durch die Rotation wurden die Samen herausgeschleudert. In einer kleineren Trommel erfolgte die Entfernung der Flügel und die Entstaubung. Abschließend wurde der Samen mit einer Windmühle gereinigt. Die Samen wurden an Forstgärten in ganz Mitteleuropa verkauft. Die Arbeit war mühevoll, aber einträglich.

„Diese historischen Anlagen sind fast alle verschwunden“, sagt Glatzl. Eine „Tschurtschenmühle“, wie sie in Südtirol genannt wird, steht noch in der Nähe von Sterzing. (pascal)


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