Innsbrucker Festwochen der Alten Musik: Heuer soll es das volle Programm sein

Die Festwochen der Alten Musik planen insgesamt 55 Veranstaltungen. Intendant De Marchi bleibt nur noch bis zur Saison 2023.

  • Artikel
  • Diskussion
Intendant Alessandro De Marchi verlässt die Festwochen mit August 2023, Innsbruck bleibt er aber verbunden.
© Rudy De Moor

Von Markus Schramek

Innsbruck – Eine Programmpräsentation ist, rein journalistisch betrachtet, eine Herausforderung: Ein Strom an Information ergießt sich über die Berichterstatter; was sich hinter den Kulissen tut, erfährt man hingegen erst auf beharrliche Nachfrage.

So auch gestern, als die Führungsriege der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik vollzählig vor der Presse auftrat. Die 45. Auflage des Festivals (13. Juli bis 29. August) wurde in vielen Details vermittelt. Intendant Alessandro De Marchi denkt allerdings schon viel weiter voraus als bis zum kommenden Sommer: Sein Vertrag endet im August 2023 – und dies ersatzlos. „Ich strebe keine Verlängerung an“, gestand der Römer, der seit 2010 die Festwochen leitet. Im Herbst 2023 kommt es damit zum Wechsel an der Spitze (fast zeitgleich übrigens auch im Landestheater, siehe Kasten).

Drei Sommer bleiben dem Italiener in Innsbruck noch, und heuer wird, nach dem reduzierten Corona-Programm 2020, alles aufgeboten.

De Marchi strich die drei geplanten (Barock-)Opern hervor. Bei „Idalma“ von Bernardo Pasquini, einer lange gehegten „Herzensangelegenheit“ De Marchis, steht er selbst am Dirigentenpult. „Boris Goudenow“ von Johann Mattheson und Georg Philipp Telemanns „Pastorelle en Musique“ ergänzen das Musiktheater-Programm.

Aufführungsstätte ist heuer das Haus der Musik (samt Zusatztribüne), denn das Große Haus des Landestheaters wird über den Sommer umgebaut. Corona-Regeln – nur jeder zweite Platz besetzt, Maskenpflicht, Tests – gelten.

Ein reichliches Angebot, vieles davon gratis, wird auf insgesamt 30 Spielorte verteilt. Neues wird versucht, wie Konzerte auf der Seegrube und der Arzler Alm. Beim Konzert „A prima vista“ bestimmen die Zuseher, was die Musiker spielen.

Finanziell steht die Veranstaltung auf recht soliden Beinen, trotz entgangener Einnahmen im pandemischen Vorjahr. Die Förderung des Landes müsse nicht erhöht werden, betonte Kulturlandesrätin Beate Palfrader. Innsbrucks BM Georg Willi, der zweite maßgebliche Fördergeber, beschied den Journalisten, sich keine Sorgen über die Festwochen zu machen. Das Schlusswort lag bei De Marchi: „Bitte kommen!“

Doppelter Abgang im Sommer 2023

Innsbruck – Das (nicht mehr allzu ferne) Ende der Intendanz von Alessandro De Marchi bei den Festwochen der Alten Musik hat sich abgezeichnet. Sein Vertrag war zuletzt nur um zwei Jahre bis August 2023 verlängert worden. De Marchi will sich künftig verstärkt dem Werkekanon abseits des Barock widmen, Opern von Verdi oder Rossini beispielsweise. Gastspiele in Innsbruck bleiben weiterhin möglich.

Land Tirol und Stadt Innsbruck sind nun erneut zum Headhunting aufgerufen, denn auch Landestheaterchef Johannes Reitmeier verabschiedet sich im Sommer 2023. Sein Posten wurde bereits ausgeschrieben. Für die Nachfolge De Marchis ist keine Ausschreibung nötig, weil dieser mit Werkvertrag arbeitet. Kulturlandesrätin Beate Palfrader will dennoch eine Fachjury zu Rate ziehen, um die Spitze der Festwochen fristgerecht neu zu besetzen. (mark)


Kommentieren


Schlagworte