Feiernde stürzten in Innsbrucker Sillschlucht von einer Felskante

Zwei Männer fielen Sonntagfrüh in der Innsbrucker Sillschlucht zehn Meter tief und wurden dabei schwer verletzt. In Tulfes sprengte die Polizei eine Party in einem verlassenen Hotel.

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Der Verletzen wurden mit einer Lok der ÖBB antransportiert.
© zeitungsfoto.at/BR Innsbruck

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Tulfes – Vom Zustieg zur Schlucht, etwa 500 Meter der Sill entlang, unterhalb des Bergiseltunnels bei Innsbruck liegt die Felskante, von der Sonntagfrüh binnen einer Stunde zwei junge Männer stürzten. Zirka zehn Meter tief fielen sie, schlugen auf einer Sandbank auf und wurden dabei schwer verletzt. Zu diesem Zeitpunkt feierten Dutzende Menschen in dem Gelände. Auch die Verunfallten – ein 31 und ein 25 Jahre alter Deutscher – dürften zu den Partygästen gehört haben. Ob sie betrunken waren oder unter dem Einfluss von Drogen standen, ist noch unklar.

Kurz nach 1.30 Uhr ging gestern der erste Notruf ein. „Wir sind in die Sillschlucht rein. Erst war es ruhig, dunkel und plötzlich standen überall Leute herum“, sagt Bruno Berloffa, Leiter der Innsbrucker Bergrettung. Zumindest 100 Menschen hätten sich dort aufgehalten, schätzt er. Wie eine organisierte Fete habe es allerdings nicht gewirkt. „Der Verletzte lag unterhalb einer schroffen und steilen Stelle.“ Dabei handelte es sich um den 31-jährigen Deutschen.

„Er war nicht ansprechbar, bewusstlos. Die Bergung gestaltete sich schwierig. Wir mussten ihn über einen Hang hinauf zu den Zuggleisen ziehen.“ Dort wartete eine von den Österreichischen Bundesbahnen bereitgestellte Lokomotive. Mit dieser wurde der im Bereich des Kopfes und der Wirbelsäule Verletzte erst zum Innsbrucker Hauptbahnhof und schließlich in die Klinik gebracht.

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Noch während der Einsatz lief, wurden die Retter ein weiteres Mal gerufen. An derselben Stelle wie der 31-Jährige zuvor war ein 25-Jähriger über die Felswand gestürzt. Auch er verletzt, mit Frakturen an der Wirbelsäule und dem linken Arm. „Ihn brachten wir ebenfalls zu den Gleisen und von dort per Lok in die Stadt“, berichtet Berloffa. Für die Dauer der Aktion – und weil viele Leute aus der Sillschlucht strömten – wurde die Zugstrecke gesperrt. „Um fünf Uhr in der Früh war alles vorbei.“ Warum die beiden jungen Deutschen an der gleichen Stelle in die Tiefe stürzten, weiß der Bergretter nicht. In dem Bereich sei es jedoch matschig gewesen. „Die Tage zuvor hat es geregnet, in der Schlucht war es noch nicht trocken.“

Die Bergung der Verletzten war aufwändig.
© zeitungsfoto.at/BR Innsbruck

Inzwischen haben Beamte des Kriminalreferates des Stadtpolizeikommandos Innsbruck Untersuchungen gestartet. „Nach Fremdverschulden sieht es vorerst eher nicht aus“, sagt Ermittler Michael Kröll. Wie es zu den Unfällen kam, war auch nach einem Lokalaugenschein gestern Vormittag unklar. „Dort ist es abschüssig, der Bereich oberhalb der Felskante schmal. Wir fragen uns selbst, wie die beiden sich in dieses Gebiet verirren konnten.“ Ob die Deutschen Alkohol oder Drogen konsumiert hatten, müsse erst erhoben, Zeugen noch befragt werden, berichtet Kröll. „Augenscheinlich wurde dort gefeiert. Von Anzeigen wegen Missachtung der Ausgangssperre ist mir nichts bekannt.“

Mit einer Strafe rechnen müssen allerdings 25 Männer und Frauen aus Österreich, Deutschland und der Dominikanischen Republik im Alter zwischen 18 und 27 Jahren. Wenige Stunden vor den Ereignissen in Innsbruck wurden sie bei einer illegalen Party in einem verlassenen Hotel im Tulfer Ortsteil Volderwald angetroffen. Die Beamten der Polizei waren eigentlich dorthin gefahren, weil ein möglicher Einbruch gemeldet wurde. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass es sich um eine Feier handelte. „Musik und Geschrei konnte bis zur Straße wahrgenommen werden“, berichtet die Exekutive in einer Aussendung. Als die Beamten das „desolate und abrisswürdige“ Gebäude betraten, flüchteten die Anwesenden – keiner trug Maske. Mit einem Diensthund wurden Haus und umliegendes Gelände durchsucht. Dabei fand die Polizei eine geringe Menge Crystal Meth. Die Drogen seien, wie es heißt, wohl kurz zuvor vom Balkon geworfen worden. Wem sie gehörten, wird derzeit ermittelt.


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