Flick vollendete sein Bayern-Werk: Auch der 9. Titel gibt einen "Kick"

Hansi Flick begießt seinen Münchner Abschiedstitel mit Schampus. Der Meistertag liefert große Momente. Vorm Anpfiff wird in der Kabine gejubelt, auf dem Rasen gibt‘s eine Sechs-Tore-Gala. Die Gier lässt nicht nach. Lewandowski steht vorm Tor-Rekord - Flick vorm DFB-Tor.

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So lachen die frischgebackene Meister: Coach Flock und Torjäger Lewandowski.
© EIBNER/Sascha Walther

München - Serienmeistertitel Nummer neun hat Bayern Münchens Trainer Hansi Flick am Samstag mit Schampus begossen. Das 6:0 über Borussia Mönchengladbach fiel für David Alaba und Co. stilecht aus und eröffnete Triplepacker Robert Lewandowski die große Chance, den Torrekord von Gerd Müller zu übertreffen. "Das Spiel war eines Meisters würdig", schwärmte Flick, der kurz vor dem Abschied steht.

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Weniger deswegen wurde er im Moment des Triumphs kurz nachdenklich. "Dieses Jahr war es leider nur die Meisterschaft", meinte er im Rückblick auf das Champions-League-Aus gegen Paris Saint-Germain. Wäre es den ewig hungrigen Bayern gelungen, wenn Lewandowski fit gewesen wäre? "Gerade in einer wichtigen Phase haben wichtige Spieler gefehlt", haderte Flick kurz.

Gut möglich, dass man mit Lewandowski weitergekommen wäre. Der Pole stellte seine Klasse am Samstag mit seinen Treffern 37, 38 und 39 unter Beweis und hat in den verbleibenden Partien gegen Freiburg und Augsburg zwei Chancen, den legendären 40-Tore-Rekord von Gerd Müller zu knacken. "Es hilft nicht, wenn du es zu sehr willst", sagte der Pole. Jeder aber konnte ihm zuvor auf dem Platz ansehen, wie sehr er es will.

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Diese nie versiegende Gier nach Toren, Siegen und Titeln, diese Gewinner-Mentalität macht das von Flick angeleitete Starensemble um Manuel Neuer, Lewandowski und Thomas Müller zum nationalen Dominator. "Dieses Gefühl des Gewinnens, des Besserseins als der Gegner, das gibt dir den Kick", bemerkte Müller, mit zehn Titeln gleichauf mit dem am Saisonende scheidenden Alaba Spieler-Rekordmeister.

Unter Flick-Nachfolger Julian Nagelsmann soll 2022 Meistertitel Nummer zehn en suite folgen. Der künftige Vorstandschef Oliver Kahn fachte den Hunger jedenfalls sofort neu an. So eine Serie sei "noch keiner Mannschaft auf diesem Planeten gelungen", schwelgte Ex-Titan Kahn - jedenfalls nicht in einer der großen europäischen Ligen. Ausnahme Juventus, das ebenfalls neun Serientitel am Konto hat.

Flicks Zukunft ist das andere große Thema. Das Tor zum DFB steht weit offen, auch wenn zur Nachfolge von Joachim Löw aus seiner Sicht "noch nicht alles gesagt" ist. Aber alle Aussagen zielen dahin. Im ZDF-Sportstudio berichtete DFB-Vizepräsident Rainer Koch von "guten Gesprächen". Auch Bayern wünscht sich inzwischen Flick. Mit dem DFB haben sich die Münchner sogar schon auf eine "smarte Geste" des Verbandes für einen Flick-Wechsel verständigt, wie Rummenigge verriet. Ein finanziell lukratives Spiel zwischen den Bayern und dem Nationalteam wäre wohl die Lösung.

"Es gab eine enorme Wertschätzung, enorme Loyalität, die mich antreibt. Diese Dinge sind dort gegeben, ich habe ein tiefes Vertrauen zu Oliver Bierhoff", sagte Flick. DFB-Direktor Bierhoff wählt Löws Nachfolger aus. Flick ist in Europa ein gefragter Coach, er ist in einer starken Position. Er wird sich ein Arbeitsumfeld nach seinem Gusto und mit Personen seines Vertrauens schaffen wollen.

Im Glücksgefühl des Titelgewinns schloss er nicht einmal eine spätere Rückkehr zum FC Bayern aus. Ottmar Hitzfeld oder Jupp Heynckes sind namhafte Beispiele. "Bayern München war schon immer mein Verein", bemerkte Flick. Erst war er Fan, dann Spieler, dann Trainer. "Diese zwei Jahre waren sehr wertvoll für mich", sagte er. Jetzt folgt etwas Neues. "Ich habe Lust, weiter Trainer zu sein", sagte Flick. Ob bei einem Verein oder Verband sei egal: Es müsse eine Mannschaft sein, "die in der Lage ist, Titel zu gewinnen". Das Nationalteam gehört für ihn in diese Kategorie, auch wegen der vielen Bayern-Spieler. (APA/dpa)


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