Bahn frei für neue Fachkräfte: ÖBB investieren in Tirol

Über zehn Mio. Euro haben die ÖBB in Ausbau und Modernisierung ihrer Lehrwerkstätte für Tirol gesteckt. Der Bahn steht personell ein gewaltiger Generationenwechsel bevor.

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ÖBB-Chef Andreas Matthä (hinten) und BM Georg Willi (l.) schauten den Lehrlingen über die Schulter.
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Von Michael Domanig

Innsbruck – Die erste größere Dienstreise seit sechs Monaten führte den ÖBB-Vorstandsvorsitzenden Andreas Matthä gestern nach Innsbruck. Gemeinsam mit LHStv. Ingrid Felipe (Grüne), LA Cornelia Hagele (ÖVP) und BM Georg Willi (Grüne) nahm er die offizielle Eröffnung der neuen ÖBB-Lehrwerkstätte am Wiltenberg vor.

Bundesweit böten die ÖBB, mit über 2000 Lehrlingen der größte Ausbildungsbetrieb Österreichs im technischen Bereich, 27 Lehrberufe an, erklärte Matthä. Die Lehrlingszahlen würden steigen – und das sei auch wichtig: Denn den ÖBB stehe ein „enormer Generationenwechsel“ bevor, fast die Hälfte der Mitarbeiter werde das Unternehmen in den kommenden fünf bis sechs Jahren verlassen (Pensionierungen, Fluktuation). Allein in Tirol suche man für diesen Zeitraum über 1800 neue Mitarbeiter, betonte Matthä, man benötige also viele junge Fachkräfte. Diesen könne man eine zukunftsträchtige Beschäftigung bieten, schließlich gehe es um „öffentliche, nachhaltige und klimaneutrale Mobilität“.

Die neue ÖBB-Lehrwerkstätte für Tirol wurde seit März 2019 direkt anschließend an das Bestandsgebäude errichtet, das in einem weiteren Schritt ebenfalls umfangreich modernisiert wurde. Das Investitionsvolumen lag bei ca. 10,3 Mio. Euro. Die Zahl der Ausbildungsplätze in der Lehrwerkstätte steigt nun von 100 auf über 130, wobei insgesamt sechs Lehrberufe unterrichtet werden (s. Infobox). In Summe 4500 m2 Bruttogrundfläche stehen in drei Stockwerken plus Keller zur Verfügung: Im Erdgeschoß erfolgt die Ausbildung im Bereich Metallbearbeitung, mit modernen Dreh- und Fräsbänken, CNC-Maschinen, Schweißkabinen, aber etwa auch einer traditionellen Schmiede. Der erste Stock beherbergt u. a. Elektrolabore, PC- und Laborräume, einen Sozialraum und eine Pausenterrasse.

Mobilitätslandesrätin Felipe freut sich über ein „hochmodernes Ausbildungszentrum für technische Berufe, die wir besonders dringend brauchen“. Mit Grundwasserkühlung und Fernwärme sei neben dem Lehrangebot auch das Gebäude selbst am neuesten Stand der Technik. BM Willi sprach von einer „Perle in der Innsbrucker Ausbildungslandschaft“ und einer Lehre „mit der Sicherheit, dass das, was dort gelernt wird, am Markt auch gefragt ist“.

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ÖBB-Lehrlinge seien auch in anderen Fachbereichen begehrt, bestätigte LA Hagele, die darauf verwies, dass in Tirol aktuell 2200 offene Lehrstellen nur rund 400 Lehrstellen-Suchenden gegenüberstünden.

Gleich angrenzend an die Lehrwerkstätte bauen die ÖBB auch im Bereich der technischen Services kräftig aus – bei den Wartungseinheiten für die neuen Nahverkehrszüge sowie die Nachtzüge. Insgesamt werden am Standort somit ca. 45 Mio. Euro investiert. Unweit der Lehrwerkstätte soll zudem die – im „Tiroler Vertrag 2“ zwischen ÖBB und Land schon verankerte – neue S-Bahn-Haltestelle Wifi entstehen. Einen genauen Zeitplan gibt es hier noch nicht.


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