Die tolle Knolle mit der guten Süße: Südamerikanische Süßkartoffel in Tirol

Die südamerikanische Süßkartoffel ist in Tirol angekommen. Für die Landwirtschaft bleibt das kälteempfindliche Gemüse ein Nischenprodukt, aber Liebhaber starten jetzt im Mai mit dem Auspflanzen.

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Es geht los: Die sensiblen Süßkartoffeln vertragen keinen Frost und dürfen erst jetzt ins Freie.
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Von Andrea Wieser

Innsbruck – Grundlegendes gleich vorweg. Die Süßkartoffel ist keine Kartoffel. Zwar stammen beide Gemüsearten aus Südamerika, aber bei der klassischen Kartoffel handelt es sich um ein Nachtschattengewächs. Die Süßkartoffel, die auch Batate genannt wird, ist hingegen zur Familie der Windengewächse zu zählen.

Aber auch die süße Variante hat inzwischen in der heimischen Küche ihren Platz gefunden, wenngleich sie der Kartoffel noch lange nicht den Rang abgelaufen hat. Anerkennung hat die Süßkartoffel nun von den Tiroler Gärtnern erfahren. Aufgrund der häufigen Anfragen in den letzten Jahren, die die Kunden immer wieder stellten, ist die Sorte „Die süße Kathi“ zum Gemüse des Jahres 2021 gekürt worden. Gärtnermeister und Obmann der Tiroler Gärtner Peter Pfeifer empfiehlt die Gourmet-Süßkartoffel in Hochbeeten, großen Töpfen oder Pflanzentrögen einzusetzen, aber auch im Gartenbeet. Egal wo, viel Sonne ist für das kälteempfindliche Gemüse unabdingbar. Süßkartoffeln wachsen erst ab einer Temperatur von rund 18 Grad Celsius. Temperaturen unter 10 Grad vertragen sie hingegen nur schlecht. Da sie frostempfindlich sind, sollte man sie erst ab Mai pflanzen. Ebenso unverzichtbar ist das regelmäßige Gießen. „Sie braucht einen feuchten, aber nicht zu nassen Boden“, weiß Experte Pfeifer. Erntezeit ist dann im September und Oktober.

Gutes Ergebnis: Die Erntezeit für das orangefarbene Windengewächs ist im September und Oktober.
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Wer derzeit eine Süßkartoffel in Österreich kauft, greift also auf importierte Ware zurück. Die im heimischen Handel erhältlichen Süßkartoffeln stammen zum größten Teil aus Israel, den USA oder Spanien. China ist weltweit der stärkste Produzent.

In Österreich wird die Süßkartoffel erst seit ein paar Jahren angebaut. In Tirol wurde 2014 mit einem Feldversuch gestartet. Der Tiroler Gemüsebaureferent Fred Unmann und Josef Schirmer, damals Obmann der Tiroler Gemüsebauern, hatten drei Sorten der süßen Knolle versuchsweise angepflanzt. Nach zwei Jahren war die Bilanz durchaus positiv. Zwei Sorten wurden zum Anbau schließlich weiterempfohlen. „Wobei es sich nur um ein Nischenprodukt handelt“, merkt Unmann dazu an. Zu sensibel ist das Gemüse für die Großproduktion.

Feiner Geschmack: In der heimischen Küche werden Süßkartoffeln gerne als Beilage, zum Beispiel als Ofengemüse, zubereitet.
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Im Sortiment der Tiroler Bauernkiste, dem Direktvermarkter von Tiroler Produkten, wird die Süßkartoffel seit letztem Jahr geführt. „Es ist aber nicht der erste Anlauf“, erinnert sich Therese Fiegl von der Bauernkiste. Man hatte schon vor ein paar Jahren einen Versuch gestartet, dann musste man aber feststellen, dass die Kundenwünsche ausblieben. Da die Süßkartoffel nun nicht nur in der internationalen, sondern auch in der heimischen Küche weitgehend etabliert ist, habe man dann mit dem letzten Jahr wieder begonnen, das Gemüse mit in die Kiste zu legen. „Bei Kindern kommt die Süßkartoffel zum Beispiel sehr gut an“, weiß Fiegl. Denn wie der Name schon sagt, wird sie aufgrund des süßlichen Geschmacks von den Jüngeren besonders gerne gegessen.

Dass die Süßkartoffel nicht nur botanisch, sondern auch in der Zubereitung nicht allzu viel mit der Kartoffel gemein hat, merkt der Hobbykoch beim Schälen. Die Süßkartoffel versteckt unter ihrer trockenen Schale eine orange, manchmal fast leuchtende Frucht. Ganz blass sieht daneben die klassische, gelb-bräunliche Kartoffel aus.

Spätestens beim Kochen macht sich ein weiterer, wichtiger Unterschied bemerkbar. Je nach Sorte und Größe ist eine klassische Kartoffel nach 25 bis 30 Minuten gar. Die Süßkartoffel muss hingegen schon nach rund fünfzehn Minuten aus dem Topf, sonst wird sie viel zu weich.

Süßkartoffelpuffer

  • Zutaten:

1 kg geschälte Süßkartoffeln, in große Stücke geschnitten, 2 TL Sojasauce, 100 g Mehl, 1 TL Salz, 1/2 TL Zucker, 3 EL fein geschnittene Jungzwiebel, 1/2 TL fein gehackte rote Chili-schote, wer Schärfe mag, Butterschmalz zum Braten.

  • Zubereitung:

Süßkartoffeln dämpfen, bis sie ganz weich sind, dann mindestens 1 Stunde in einem Sieb abtropfen lassen.

In eine Schüssel geben und die restlichen Zutaten hinzufügen. Alles zu einer geschmeidigen Masse vermischen. Falls die Masse zu klebrig ist, etwas Mehl dazugeben.

Mit einem Esslöffel portionsweise kleine Küchlein in eine Pfanne mit heißem Butterschmalz geben und so lange backen (ca. 6 Minuten auf jeder Seite), bis die Puffer eine braune Kruste haben. Auf Küchenpapier ablegen.

  • Servieren:

Dazu passt ein Dip aus Naturjoghurt, Sauerrahm, Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und gehacktem Koriandergrün.

Das Rezept stammt aus der Sammlung der Bauernkiste.


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