Corona-Pandemie bremste 2020 auch den Anti-Doping-Kampf ein

Nach einem drastischen Rückgang im ersten Lockdown laufen die Kontrollen mittlerweile aber wieder auf hohem Niveau. Im Gegensatz zu den auch in der Pandemie relativ hoch gebliebenen Testzahlen sei die Präventionsarbeit 2020 "erschreckend" betroffen gewesen.

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Symbolbild.
© GEPA pictures/ Patrick Steiner

Wien - Die Corona-Pandemie hat im Vorjahr auch den Anti-Doping-Testbetrieb stark eingebremst. Nach einem drastischen Rückgang im ersten Lockdown und einer folgenden Erholung laufen die Kontrollen mittlerweile aber wieder auf hohem Niveau, wie die NADA am Dienstag bei der Vorstellung ihres Jahresberichtes 2020 angab. Für heuer erwartet man aufgrund der Konstellation von zwei Olympischen Spielen im Sommer in Tokio und im Winter in Peking sogar Rekordtestwerte.

Im Vorjahr gab es aufgrund der Corona-Einschränkungen aber einen deutlichen Rückgang. Das ist hauptsächlich auf die weggefallenen Wettkampfkontrollen zurückzuführen, da von März bis in den Sommer und auch darüber hinaus kaum Wettkämpfe stattgefunden haben.

25 Prozent weniger Tests als noch 2019

So wurden im nationalen Testprogramm mit 1.746 Kontrollen um 25 Prozent weniger als 2019 durchgeführt. Bezüglich der bei der NADA von anderen Sportorganisationen bestellten Tests betrug der Rückgang sogar fast 40 Prozent auf 367. Insgesamt 2.122 NADA-Tests waren es im Vorjahr, 2019 waren es noch 2.942 und damit um rund 28 Prozent mehr gewesen.

Michael Cepic, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), sprach von einem schwierigen Jahr mit "gravierenden Auswirkungen" der Pandemie auf das Kontrollsystem. Cepic glaubt aber nicht, dass die entstandenen Lücken im System von Sportlern verstärkt ausgenützt worden sind. Schließlich hätten die Einschränkungen aller Lebensbereiche auch die Planung und Durchführung von Dopingaktivitäten erschwert. "Der Lockdown hat Doping nicht ausgeschlossen, aber ich bin der Meinung, dass man verstärkte Dopingaktivitäten ausschließen kann", so Cepic.

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Freilich sei davon auszugehen, dass auch während des Lockdowns gedopt worden sei, die Zahl hält Cepic aber für minimal. "Ich gehe davon aus, dass die, die vorher nicht gedopt haben, auch nicht während des Lockdowns begonnen haben." Schließlich sei das Kontrollsystem ja nicht völlig zum Erliegen gekommen, man habe bei spezifischen Verdachtsfällen gezielt weiterkontrolliert.

Kontrollen nicht überall so streng wie in Österreich

Und bereits im Mai sei der Betrieb bereits wieder angelaufen. Das gelte aber leider nicht für alle anderen Länder, wo es zeitweise gar keine Kontrollen gegeben habe. In diesem Zusammenhang stößt Cepic sauer auf, dass österreichische Sportler immer wieder gegen Mitbewerber antreten müssen, "die kaum oder gar nicht getestet werden".

Hierzulande hat man sich hinsichtlich der Testzahlen hingegen wieder auf Vor-Pandemie-Niveau eingependelt. Für 2021 erwartet Cepic sogar Rekordwerte. "Ich glaube, dass ich nicht zu viel verspreche, wenn ich sage, 2021 werden wir so viele Kontrollen haben wie in keinem Jahr zuvor." Das liege auch an der einmaligen Konstellation mit zwei Olympischen Spielen innerhalb weniger Monate.

Präventionsarbeit hat gelitten

Im Gegensatz zu den auch in der Pandemie relativ hoch gebliebenen Testzahlen sei die Präventionsarbeit 2020 "erschreckend" betroffen gewesen. Man habe nur 137 diesbezügliche Vorträge halten können, 2019 waren es mit 353 noch über 60 Prozent mehr gewesen.

Die Präventionsarbeit ist auch etwas, das im mit 1. Jänner novellierten Anti-Doping-Bundesgesetz schärfer geregelt ist. Demnach muss das gesamte Personal sämtlicher Verbände verpflichtend Präventionsschulungen durchlaufen.

Auf die Bedeutung der Vorbeugung wies auch Sportminister Werner Kogler (Grüne) hin. Hierbei und auch bei weiteren gegenüber dem Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) noch verschärften Regularien wie dem Whistleblower-Schutz könne sich Österreich als Vorreiter betrachten, betonte Kogler. Auch die nun deutlicher festgelegte Unterscheidung zwischen Freizeit- und Spitzensportlern erwähnte der Vizekanzler als besonders wichtige Neuerung.

Fälle der Operation Aderlass so gut wie abgeschlossen

Bezüglich der Anzahl an im Vorjahr von der NADA erwischten Dopingsünder gab es einen Rückgang von fünf (2019) auf lediglich zwei Fälle. Bei den sogenannten nicht-analystischen waren es sieben, 2019 hatte man noch 19 verzeichnet. Diese waren hauptsächlich eine Folge der Polizeiaktion "Operation Aderlass", die bei der Nordischen WM 2019 in Seefeld zur Überführung von mehreren österreichischen Sportlern geführt hatte.

Die daraus resultierenden Fälle um die Langläufer Max Hauke, Dominik Baldauf und Johannes Dürr sowie der Radprofis Georg Preidler und Stefan Denifl sind laut Cepic sportrechtlich mehrheitlich abgeschlossen. Man erhalte aber nach wie vor Akten der Ermittlungsbehörden, aus denen sich weitere Fälle ergeben könnten. Strafrechtlich sind in Innsbruck noch einige Aderlass-Berufsentscheidungen offen. (APA)


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