Pünktliche Eisheilige: Wetterumschwung im Mai, aber kein Frost

Der Volksmund sagt: Die erste Liebe und der Mai, gehen selten ohne Frost vorbei. Ersteres mag stimmen, zweiteres zumindest in diesem Jahr nicht. Kalt und regnerisch wird es aber trotzdem – und das auch noch den ganzen Mai.

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Wolken verdunkeln den Himmel über Tirol. Und sie bleiben zumindest bis zum Ende des Monats. Die Eisheiligen lassen grüßen!
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Innsbruck – Apropos Volksmund: Der ist Mitte Mai besonders redefreudig und auch altbewährt. Zumindest gehören die berühmten Eisheiligen Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie vom 12. bis 15. Mai zu den verlässlicheren Bauernregeln. Eine kleine Auswahl:

Bauernregeln rund um die Eisheiligen:

  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
  • Pankraz, Servaz und Bonifatius bringen oft Kälte und Verdruss.
  • Pflanze nie vor der Kalten Sophie.
  • Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie.

Die Eisheiligen sollen die letzten möglichen frostigen Tage im Frühling markieren. Früher waren diese Kälteeinbrüche für die landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft oftmals lebensbedrohlich, Stichwort Ernteausfälle. Diese Dramatik haben die Tage heute verloren. Doch nach wie vor dienen sie (Obst)-Bauern und (Hobby)-Gärtnern zur Orientierung und als Merksatz: Auch im Mai muss noch mit Frost gerechnet werden. Zumindest heuer ist diese Sorge aber unbegründet. Die Eisheiligen machen trotzdem von sich reden.

Temperatursturz von bis zu 20 Grad

Das frühsommerliche Intermezzo am Wochenende war nur von kurzer Dauer. Am Mittwoch erfasste eine Kaltfront mit Regen und auffrischendem West- bis Nordwestwind ganz Österreich. „Tagsüber erreichen die Temperaturen nur noch 9 Grad entlang der Nordalpen und 19 Grad im Osten", weiß Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale. „Im Vergleich zu den sommerlichen Höchstwerten der Vortage entspricht dies einen Temperaturrückgang von 10 bis 15 Grad, in den nördlichen Voralpen auch bis zu 20 Grad“, so der Experte.

Es bleibt unbeständig

Das unbeständige Wetter ist gekommen, um zu bleiben. Im Laufe der zweiten Wochenhälfte verbleibt Österreich unter anhaltendem Tiefdruckeinfluss. Zwar sind flächendeckend große Regenmengen nicht mehr in Sicht, vor allem im Bergland muss man aber bis zum Wochenende täglich mit Regengüssen rechnen. Dazu bleiben die Tageshöchstwerte gedämpft und kommen meist nicht über 14 bis 19 Grad hinaus. Die Eisheilige bringen heuer somit unterkühltes Wetter, für eine starke nächtliche Abkühlung bleiben die Wetterverhältnisse aber landesweit zu wechselhaft. „Die Grundvoraussetzungen für Frost sind nicht gegeben“ erklärt der Experte. „Im 21. Jahrhundert ist aber selbst Bodenfrost im Mai im Flachland äußerst selten geworden“. Dafür wird immer früher die 30 Grad-Marke geknackt.

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Erster „30er" immer früher

Die 30-Grad-Marke wird mittlerweile um durchschnittlich elf Tage früher erreicht als noch vor einigen Jahrzehnten, wie eine Auswertung der ZAMG zeigt.

„In den letzten 30 Jahren, in der Klimaperiode 1991-2020, wurde in Österreich der erste 30er im Durchschnitt am 19. Mai erreicht, wobei die typische Schwankungsbreite von Anfang Mai bis Anfang Juni reichte“, sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „In der Klimaperiode 1961-1990 wurde die 30 Grad-Marke im Durchschnitt am 30. Mai erreicht, mit einer typischen Schwankung von Mitte Mai bis Mitte Juni.“

2018 gab es mit dem 20. April den zweitfrühesten 30er in der Messgeschichte. 1989 gab es den spätesten: Erst am 22. Juli kletterte das Thermometer auf 30 Grad.

Jetzt zu den guten Neuigkeiten: Trockenheit wird gelindert

Wer sich über Regen und unterdurchschnittliche Temperaturen freut, ist die Natur. Denn bislang verlief das Frühjahr in weiten Teilen des Landes viel zu trocken. Vor allem im zentralen Bergland und im Nordosten beträgt das Niederschlagsdefizit in den ersten viereinhalb Monaten des Jahres etwa 50 Prozent. Das Manko wird hier durch den Regen der kommenden Tage nur teilweise gelindert, doch allein das kühle Wetter hilft, denn bei niedrigeren Temperaturen geben die Böden dank verringerter Verdunstung deutlich weniger Wasser an die Atmosphäre zurück.

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Die Ursprünge der Eisheiligen, deren Gedenktage zwischen dem 12. und 15. Mai liegen, werden im Mittelalter vermutet. Frost ist im Mai aber selten, das zeigen die Zahlen der ZAMG. „In den letzten zwanzig Jahren gab es in den meisten Landeshauptstädten ganz wenige Tage mit Bodenfrost," erklärt ZAMG-Klimatologin Hildegard Kaufmann.

Wer hinter den Eisheiligen steckt:

Pankratius wurde 290 in der heutigen Türkei geboren. Er starb um 304 den Märtyrertod in Rom. Sein Name bedeutet „Der Alles Besiegende“. Auf Darstellungen ist er des öfteren in feinen Kleidern oder auch in einer Ritterrüstung zu sehen.

Servatius war Legenden zufolge Bischof im heutigen Belgien. Er lebte von 340 bis 384 nach Christus. Er soll den Hunneneinfall in Europa vorhergesagt haben, der tatsächlich um 450 stattfand. Angeblich wurde er mit einem Holzschuh erschlagen. Üblicherweise wird bei Frostschäden um seinen Beistand gebeten.

Bonifatius wurde in Rom geboren und starb um 306 in der heutigen Türkei. Aus Empathie zu den dort verfolgten Christen ließ er sich ebenso taufen. Aufgrund seines Glaubens wurde er durch siedendes Pech hingerichtet. Sein Name bedeutet so viel wie „der gutes Geschick verheißende“.

Sophia von Rom, auch bekannt als Kalte Sophie, ist die letzte der fünf Eisheiligen. Sie starb um 304 nach Christus als frühchristliche jungfräuliche Märtyrerin. Die heilige Sophia von Rom wird oftmals bei Spätfrost oder für gute Ernte angerufen.

Auch interessant: Betrachtet man den Verlauf der mittleren Tagestemperatur im Mai in den letzten 50 Jahren, dann erkennt man tatsächlich einen gehäuften Temperatureinbruch. Der findet aber nicht zu den Eisheiligen, sondern zwischen 20. und 25. Mai statt, also zehn Tage später. Grund dafür ist nicht der Klimawandel, auch haben sich unsere Vorfahren nicht im Datum geirrt, als sie zum ersten Mal von den Eisheiligen sprachen. Vielmehr liegt der Grund in einer Kalenderreform im 16. Jahrhundert. Damals wechselte man vom julianischen Kalender auf den gregorianischen. Zehn Tage wurden einfach ausgelassen. Damit haben sich auch die Eisheiligen auf dem Kalender zehn Tage von ihrem tatsächlichen metereologischen Eintreffen entfernt. Das bedeutet: Auch wenn die Eisheiligen heuer äußerst pünktlich wirken, tatsächlich sind sie circa zehn Tage früher dran als im langjährigen Durchschnitt.

Die Eisheiligen sorgen zwar oft für Kälteeinbrüche, selten aber für Frost.
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Nicht so einfach zu erklären ist jedoch, warum es zwischen dem 20. und 25. Mai tatsächlich auffällig oft sehr kalt wird. „Möglicherweise haben unsere Vorfahren das Wetter sehr gut beobachtet und eine meteorologische Besonderheit entdeckt," meint Hildegard Kaufmann von der ZAMG, „denn im Mai heizt sich der europäische Kontinent deutlich schneller auf als das umgebende Meer. An der Grenze der warmen und kalten Luftmassen entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Kaltluft bis Mitteleuropa bringen können. Es ist gut möglich, dass auf Grund von konstanten Faktoren wie Sonnenstand und der Land-Meer-Verteilung dieser Mechanismus gehäuft zu Kaltlufteinbrüchen in der zweiten Maihälfte führt." (TT.com/foidi)


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