NBC will Gala nicht übertragen: Droht den Golden Globes das Aus?

Nach anhaltender Kritik am Verband, der die Golden Globes vergibt, wird US-Sender NBC die Preisgala 2022 nicht übertragen. Es geht auch um viel Geld.

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Scarlett Johansson kritisiert, dass der Golden-Globe-Verband nicht entschieden gegen sexistische Fragen bei Pressekonferenzen vorging.
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Los Angeles – Der US-Sender NBC hat am Montag angekündigt, die Verleihung der Golden Globes 2022 nicht zu übertragen. Damit reagiert das Medienunternehmen, zu dem auch das Filmstudio Universal gehört, auf die Kritik am Verband von Hollywoods Auslandskorrespondenten (HFPA), der die Film- und Fernsehpreise seit 1944 vergibt. NBC bezahlt jährlich rund 60 Millionen US-Dollar (rund 50 Mio. Euro) für die Übertragungsrechte an der Golden-Globes-Gala. Damit ist der Sender der mit Abstand wichtigste Financier der HFPA.

Kritik am Korrespondenten-Verband und seinen etwa 85 Mitgliedern gibt es seit Langem. Die Kriterien für die Aufnahme in die Vereinigung gelten als intransparent, die Entscheidungsfindung als wenig repräsentativ. Auch der Vorwurf der Käuflichkeit von Golden-Globe-Juroren steht seit Jahren im Raum. Im Vorfeld der Preisverleihung 2021 wies eine Recherche der Los Angeles Times nach, dass der HFPA derzeit keine schwarzen Journalistinnen und Journalisten angehören.

Angekündigte Reform für viele zu vage

Vergangene Woche kündigte die Vorstand des Verbandes den Beginn eines Reformprozesses an. Binnen 18 Monaten soll die Mitgliederzahl verdoppelt werden. Vielen Kritikern ist diese Absichtserklärung zu vage – und das Zeitfenster zu groß. Die Änderungen würden erst bei den Golden Globes 2023 greifen. Laut New York Times soll auch NBC auf eine entschlossenere Reaktion des Verbandes pochen. Offiziell begrüßt der Sender die Vorhaben der HFPA. Ob die Golden Globes im kommenden Jahr überhaupt vergeben werden, sei fraglich, schreibt das Blatt.

Der Unterhaltungskonzern Warner, zu dem neben dem gleichnamigen Studio auch Bezahlsender HBO und die Onlineplattform HBO+ gehören, und die Streamingdienste Netflix und Amazon haben ihre Zusammenarbeit mit der HFPA vorerst auf Eis gelegt.

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Auch mehrere namhafte Filmschaffende haben in den vergangenen Tagen damit gedroht, die Golden Globes künftig zu boykottieren. Scarlett Johansson erinnerte daran, dass sie bei von der HFPA ausgerichteten Pressekonferenzen immer wieder mit sexistischen Fragen konfrontiert wurde. Mark Ruffalo, der heuer einen Golden Globe gewann, kritisierte den mangelnden Reformwillen des Verbandes – und begrüßte, dass NBC nun zusätzlichen Druck aufbaue. Und Superstar Tom Cruise drückte seine Enttäuschung in Taten aus: Der dreimalige Golden-Globe-Preisträger schickte seine Auszeichnungen am Montag an die HFPA zurück. (jole)


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