Jazz Gitti ist auch mit 75 noch immer „A Wunda“

Sängerin, Tänzerin und Autorin Martha Butbul, besser bekannt als Jazz Gitti, feiert heute ihren 75. Geburtstag. An die Pension denkt sie aber noch lange nicht – Proben für Konzerte laufen.

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Jazz Gitti machte vergangenes Jahr auch bei der „Wiener Wiesn dahoam“ mit.
© (c) Kurt Piles / Imago / Wien vi

Wien – Als Wirtin eroberte Martha Butbul einst die Herzen ihrer Gäste, mit ihrer Schlagermusik begeistert sie als Jazz Gitti seit Jahrzehnten ihre Fans und als Dancing Star mauserte sich die „Swing-Maus“ zum Publikumsliebling. Egal was die Entertainerin auch machte, sie blieb immer authentisch und selbstbewusst wie eh und je. Heute feiert Butbul ihren 75. Geburtstag und kann auf ein ereignisreiches Leben zurückblicken. Die Künstlerin hat aber auch noch einiges vor.

Mit Hits wie „A Wunda“ oder „Kränk di net“ Anfang der 1990er-Jahre höchst erfolgreich, liegt ihr bisher letztes Album „Gib net auf!“ schon wieder fünf Jahre zurück. In die Pension hat sich die Jubilarin aber trotzdem noch nicht verabschiedet.

Zuletzt hatte die Musikerin und Tänzerin coronabedingt freilich keine Gelegenheit für Auftritte vor Publikum – sehr zu ihrem Bedauern. „Ich brauche die Menschen zum Singen, Schmähführen und Unterhalten. Das ist mein Lebenselixier. Auf der Bühne fühle ich mich wie fünfzehn“, verriet sie in einem Interview.

An einem Comeback mit ihren „Discokillers“ wird aber – auch, wenn es noch keine konkreten Konzerttermine gibt – offenbar schon fleißig gearbeitet: „Wir fangen wieder mit Konzertproben an, spielen alte und neue Hits, und i werd Gschichtln drucken.“

Nicht auf den Mund gefallen

Auf den Mund gefallen war die am 13. Mai 1946 als Martha Bohdal in Wien geborene Sympathieträgerin sowieso nie. Bereits mit 16 Jahren gewann sie einen Jugendwettbewerb mit dem Lied „Lulila“. Ein Album war in Planung, allerdings kam ein Verwandtenbesuch in Israel und die Liebe dazwischen.

Die Sängerin heiratete und lebte bis 1971 in Haifa, wo sie 1965 auch ihre Tochter Shlomit zur Welt brachte. Nach der Rückkehr nach Österreich arbeitete sie zunächst als Kellnerin in einem Jazz-Club, bevor sie selbst als Gastronomin tätig wurde und 1973 das „Cafe Zuckerl“ gründete.

Zwei Jahre später sollte der erste Wiener Jazz-Heurige folgen, dem sie auch ihren damaligen Spitz- und heutigen Künstlernamen zu verdanken hat.

Erste musikalische Schritte in der heimischen Konzertlandschaft unternahm sie Anfang der 1980er-Jahre mit den österreichischen Bühnen-Berserkern von Drahdiwaberl.

Mit ihrer eigenen Band, den Discokillers, tourte sie in den darauffolgenden Jahren mit einer Mischung aus Jazz-und Blues-Standards sowie Schlager-Songs durch ganz Österreich und Deutschland.

1990 kam der Durchbruch

1990 folgte schließlich das „Wunda“ und der Durchbruch, für 190.000 verkaufte Exemplare der Hitsingle „Kränk die net“ erhielt sie u.a. 1991 einen „World Music Award“. Bis heute hat sie insgesamt 15 Studioalben veröffentlicht, die teils Gold- und Platin-Status erlangten. Vom „Standard“ im Vorjahr gefragt, ob es in ihrem Oeuvre ein Lieblingslied gibt, meinte sie: „Na, mir taug‘n alle. Aber eins geht so: ‚Es gibt so vü Trotteln auf da Wöd‘, das lieben die Leute, und warum? Weil‘s wahr ist!“

Obwohl die Musik das fixe Standbein der stattlichen Sängerin ist, wagte Jazz Gitti immer wieder auch kleinere Ausflüge ins Theaterfach, trat in Musicals auf und war Anfang der 1990er-Jahre Teil des ORF-Satireformats „Tohuwabohu“. Ebenfalls Fernsehauftritte bescherten ihr eine Rolle im „Kaisermühlen Blues“ oder das Ratequiz „Was gibt es Neues“.

„Dancing Stars“ hatte Nachspiel

2016 tanzte sie sich bei der ORF-Show „Dancing Stars“ in die Herzen des Publikums und erreichte den fünften Platz. Ihre Teilnahme am Erfolgsformat hatte allerdings ein gerichtliches Nachspiel: Künstleragentin Marika Lichter klagte Jazz Gitti auf Honorarzahlung, da diese aufgrund Lichters Vermittlungstätigkeit erst Kandidatin geworden sei. Die Klage wurde allerdings abgewiesen.

Aus ihrem Herzen hat die extrovertierte Entertainerin nie eine Mördergrube gemacht. So unübersehbar sie in ihrer Körperfülle war, so direkt war ihr Ton – auf der Bühne und auch in den vielen Interviews.

Politisch hat sie nie einen Hehl daraus gemacht, „eine Rote“ zu sein und diverse Angebote für einen Quereinstieg ausgeschlagen zu haben – denn: „Ich bin österreichweit eine beliebte Person, also warum soll ich mich unbeliebt machen?“

Gesundheitlich war es für Jazz Gitti auch nicht immer einfach. Sie berichtete von Knieoperationen, Herzproblemen, Depressionen und Diabetes – was dazu geführt habe, dass sie ihre Lebensweise radikal umgestellt und schon vor einigen Jahren von 120 auf 75 Kilo abgespeckt hat.

Derart erschlankt, landete sie 2019 im Bett mit Liedermacher Voodoo Jürgens – im Video von „‘S klane Glücksspiel“ des gleichnamigen Albums. Auch ihre Stimme ist im Song zu hören, was ihr wohl auch beim jungen Publikum abseits des Schlagerpops einige Lässigkeitspunkte einbrachte. (APA)


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