Neue CD von Attwenger: Olle damlaung eine Gnackwatschn

Mundartmusik ist ein weites Feld. Attwenger beackern dieses auf neuer CD wortreich originell.

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Aufgestellt vor heimischem Rübengewächs. Hans-Peter Falkner (l.) und Markus Binder alias Attwenger fühlen sich der heimischen Scholle nicht nur plakativ verbunden.
© Lotus Records/Tim Hupfauer

Von Markus Schramek

Innsbruck – Die 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das war die Zeit, als Hubert von Goisern mit „Koa Hiatamadl“ die Charts toppte und dicke Wadln zum anatomischen Idealtypus erklärte.

Oberösterreich war damals überhaupt schwer angesagt in der heimischen Musikszene. Aus den Untiefen von Linz und Umgebung tauchte die Zwei-Mann-Band Attwenger auf. Diese gab sich rustikal angehaucht und in breitester Mundart dahersingend, so wie der Goiserer. Zum Mitträllern waren Attwenger aber gänzlich ungeeignet. Musikkritiker rauften sich das (verbliebene) Haupthaar: Wie sollte man diesen Sound bloß beschreiben? „Neue Volksmusik“ griff viel zu kurz.

Irgendjemand gebar dann die glorreiche Idee, Attwengers künstlerisches Treiben zu verbalisieren: Attwenger attwengern seither. Keine passende Schablone oder Schublade verfügbar – damals wie heute. Schlagzeug von und mit Markus Binder, Hans-Peter Falkners mit Strom verstärkte Knopfharmonika sowie beider Herren Sprechgesang (im Highspeed-Stakkato) formen Attwengers Klang-Nukleus. Bass, elektronisches Gerät, Bläser oder ganze Kapellen kommen fallweise dazu. Es darf rockig zugehen, bisweilen punkig, und die raunzige Gstanzl-Tradition ob der Enns blitzt auf; bis zum Blues ist es kein kleiner Schritt, aber auch der wird geschafft.

Attwenger experimentieren und changieren, und doch braucht es bis zum Wiedererkennen keine fünf Takte. Nach längerer Pause hat das OÖ-Duo nämlich mit gestrigem Tage ein neues Album losgelassen: „drum“ ist erst die neunte Studioproduktion.

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Ein Crash-Kurs in Oberösterreichisch wäre der Mühe wert, denn die zwei Attwengers sind Schmähbrüder mit sauberem Tiefgang. Sie rappen hin und witzeln her, sie verpassen „olle damlaung““ (= immer wieder) verbale Gnackwatschn, besitzen sie doch ein gutes Äugerl für manches Zeichen der Zeit.

Das sinnentleerte Hickhack eines Paares, das sich im Streiten übt, wird im Auftaktstück „erso & sieso“ herzhaft süffisant aufs Korn genommen. In „kredit“ und „schuidn“ klingen – erraten – Konsum- und Kapitalismuskritik an, aber stopp, wir sind ja in Österreich, wo es viel (folgenloses) „gelaber“ gibt, weil letztlich eh alles „völlig wurscht“ ist (wie zwei weitere Tracks betitelt wurden).

Einige ausgewählte Tiroler- Innen dürfen auch mitwirken an dieser originären und originellen Produktion: „olle de i kenn“ entstand in Zusammenarbeit mit der Swarovski Musik Wattens und in einem Arrangement von Knoedel-Chef Christof Dienz. Das ist noch so einer, der wie Attwenger seit 30 Jahren plus Beiträge leistet zu einer Musik, die ihre heimischen Wurzeln nicht leugnet und dennoch offen bleibt für Neues.

Rundum-Crossover Attwenger: drum. Lotus Records.


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