Musikalische Liebeserklärung an „Tirol, Tirol, Tirol": Portrait über Sara De Blue

Die Sängerin Sara De Blue veröffentlichte ein neues Lied mit Heimatbezug und Ohrwurmgarantie. In diesem Portrait gibt sie Einblicke in die Entstehung des Songs, in ihr Schaffen und ihre Träume.

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Wenn zwei Stimmbänder und hellblaue Augen auf einen modernen, elektronischen Akkordeon - Pop – Sound stoßen, dann spricht man von der Tiroler Sängerin Sara De Blue.
© Christina Feiersinger

Von Christina Feiersinger

Innsbruck – Bei der Osttiroler Sängerin Sara De Blue kann man sich schwer entscheiden, was schöner ist: ihre glockenhelle, klare, kraftvolle Stimme, mit der sie so einfühlsam umzugehen weiß, oder ihre strahlend blauen Augen, die ihren Künstlernamen mit nur einem Blick erklären. In einem wallenden Kleid, das natürlich ebenso blau wie ihre Augen ist, steht sie inmitten der Natur, vor einer fast schon kitschigen Bergkulisse, und singt über ihre Heimat. Selbst der Himmel, der sich gegen die weißen Bergspitzen erhebt, zeigt sich in passendem „Enzianblau“, wie Sara es in ihrem Lied ausdrückt. Die Szenerie ist von eben jener Ästhetik, wie sie die Sängerin auch mit ihrem Songtext transportieren möchte – so besingt sie etwa die Landschaft Tirols als „das schönste Bild, das ein Maler malen kann“.

Gerade jetzt, gerade in Zeiten der Krise, ist es der Künstlerin ein Bedürfnis, durch ihr Lied die Schönheit unseres Landes zu unterstreichen und eine positive Botschaft der Zuversicht, Liebe und des Zusammenhalts zu vermitteln. Sie möchte diesen Song allen Tirolerinnen und Tirolern schenken sowie jenen Menschen, die hier eine Heimat ihres Herzens gefunden haben.

Von heimlichen Hymnen

Zumindest außerhalb der Corona-Zeit bringt es das Berufsbild von professionellen Musikern mit sich, oft unterwegs zu sein, Konzerte in verschiedensten Städten zu spielen, durch internationale Auftritte womöglich die Welt zu bereisen. Viele Künstler besinnen sich dennoch gern auf ihre Wurzeln zurück oder auf besonders inspirierende Orte, die ihr Schaffen prägten. Manche widmen diesen Orten sogar Songs, verpacken ihre Gefühle in musikalische Liebeserklärungen, wobei Städte wie New York, Paris und London besonders häufig besungen werden – Frank Sinatras „New York, New York“ ist wohl eines der bekanntesten Beispiele. Auch für Österreich gibt es prominente Vertreter wie „Vienna Calling“ von Falco oder die heimliche Landeshymne „I am from Austria“ von Reinhard Fendrich. In diese beachtliche Tradition möchte sich Sara De Blue mit ihrem neuen, eingängigen Hit „Tirol, Tirol, Tirol (Lieblingsland)“ einreihen.

📽️ Video | „Tirol, Tirol, Tirol (Lieblingsland)“

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Die Grundidee für das Lied hatte Saras Freund Jack Marsina, seines Zeichens ebenfalls Sänger, Jazz-Musiker und Songwriter. „Sara, ich hab einen Song für dich geschrieben“, sagte er eines Tages. „Ich war zuerst verwundert, weil er ja eigentlich aus einem anderen Genre kommt. Doch dann hat er mir Songfragmente gezeigt und ich war von der positiven Message sofort begeistert.“ Gemeinsam schrieb das Paar den Text in nur einer Stunde fertig, zusammen komponierten sie auch die Musik.

„Der Song soll daran erinnern, was unser Land – abgesehen von den Menschen – ausmacht, die Landschaft, die Tierwelt, das Gefühl von Freiheit, wenn man auf einem Berg steht oder auf einen klaren Gebirgssee blickt“, erklärt die studierte Sängerin und Musikpädagogin. Dabei hat sie wohl Bilder ihres Lieblingsortes im Osttiroler Innergschlöß vor Augen, den Großvenediger, den kleinen Bergsee namens „Auge Gottes“. In dieser Gegend verbrachte sie unbeschwerte Sommertage gemeinsam mit ihrer Familie; noch heute verbindet Sara das Innergschlöß mit einigen ihrer schönsten Kindheitserinnerungen. „Wir durften auf einer Alm übernachten, wo es keinen Fernseher gab, keine warme Dusche. Um fünf Uhr standen wir auf, um die Kühe zu melken. Am Tag spielten wir Räuber und Gendarm, badeten in einem See und lagen danach auf den heißen Gletschersteinen, das war ein echtes Highlight. Am Abend saßen wir bei Kerzenlicht zusammen.“

Der Song soll daran erinnern, was unser Land – abgesehen von den Menschen – ausmacht, die Landschaft, die Tierwelt, das Gefühl von Freiheit, wenn man auf einem Berg steht oder auf einen klaren Gebirgssee blickt.
Sängerin Sara De Blue

Sara hält kurz inne, lächelt, hängt für einen Moment ihren Gedanken nach. „Mit meinen Liedern möchte ich Geschichten erzählen und Freude bereiten“, erklärt sie dann. „Die Macht der Musik im Allgemeinen ist es, in schwierigen Zeiten zu motivieren und Kraft zu schenken. Auch mir hat das Singen über die schwierige Zeit geholfen. Musik ist Balsam für die Seele, sorgt für die Ausschüttung von Endorphinen, kann gute Laune wiederbringen und zur Verarbeitung von Themen beitragen, die in den Songs angesprochen werden.“

Früh übt sich

Schon als Kind träumte Sara von der Musik, hatte bereits im Kindergarten Hauptrollen in Kindermusicals, mit zwölf wurde sie in einer Schülerbefragung mit den Worten „Sara – möchte Sängerin werden“ zitiert. Zuerst belächelten viele ihren Traum, in der Schule war sie sogar mit Mobbing konfrontiert – heute setzt sich Sara selbst für Anti-Mobbing-Kampagnen ein. „Aber meine Eltern haben immer an mich geglaubt, mich stets gefördert und unterstützt, dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, betont die Künstlerin. So kristallisierte sich Saras Traum bald als ihre Berufung heraus, sie sang in Bands, hatte zahlreiche Auftritte, nahm erfolgreich an Wettbewerben teil, sammelte bereits als Teenager viel Erfahrung und erhielt mit 18 einen Plattenvertrag.

Die Musikalität wurde der jungen Osttirolerin in die Wiege gelegt.
© Christina Feiersinger

„Ich wusste früh, was ich wollte, und dieses Ziel hab ich immer verfolgt.“ Die Musikalität war der Osttirolerin wohl in die Wiege gelegt. „Meine Eltern singen beide in einem Chor und mein Opa war Musikhauptschuldirektor und Chorleiter. Ich habe das große Glück, viele gute Sachen von meiner Familie geerbt zu haben. Die Musik ist ein Geschenk.“ Von ihrem zweiten Opa, der u.a. als Maler tätig war, erbte Sara De Blue wohl ihre Affinität zur Kunst – sie selbst malt auch leidenschaftlich gerne – und noch etwas anderes, das zu ihrem Markenzeichen wurde: „Viele Leute sagen, ich hab meine helle, blaue Augenfarbe von ihm“, meint sie lächelnd und mit leiser Wehmut.

Um sich ein weiteres Standbein aufzubauen, studierte Sara Musikerziehung und Englisch auf Lehramt in Innsbruck, nach ihrem Bachelor kamen noch die Lehrgänge Jazz-Gesang, improvisierte Musik, Tanz und Schauspiel am Landeskonservatorium hinzu, außerdem erlangte sie einen weiteren Bachelor in Instrumental(Gesangs)pädagogik an der Anton Bruckner Universität in Linz. Schon mit 21 begann Sara an der Musikschule zu unterrichten – eine für sie sehr erfüllende Tätigkeit, der sie bis heute nachgeht. „Ich gebe meinen Schülerinnen gerne Tipps aus der Praxis. Es ist mir wichtig, nicht nur die Technik zu vermitteln, sondern auch wertvolle Erfahrungen“, schildert die Sängerin. „Am Ende des Tages zählt für mich, den Schülerinnen eine Freude gemacht zu haben und das Geschenk der Musik mit ihnen zu teilen.“

Junge Osttirolerin will in die weite Welt hinaus

Neben ihrer vielfältigen Ausbildung setzte Sara ihren musikalischen Bilderbuchwerdegang fort, arbeitete mit vielen anderen namhaften Künstlern und Prominenten zusammen, veröffentlichte einige Singles sowie ihr erstes Album, trat in bekannten Fernsehsendungen auf und gab zahlreiche Konzerte. Wohl ein wichtiger Karriereboost war auch „The Voice of Germany“ – seither wird Sara De Blue auf der Straße erkannt und um Autogramme gebeten.

Eine gute Ausbildung und ein gewisses musikalisches Niveau sind wichtig, aber wenn du wie ich aus Osttirol kommst und in die große weite Welt hinaus willst, brauchst du eine Plattform, um dich präsentieren zu können.
Sängerin Sara De Blue

Rückblickend sieht die Sängerin ihre Teilnahme an der bekannten Show als förderlich für ihren weiteren Werdegang: „Eine gute Ausbildung und ein gewisses musikalisches Niveau sind wichtig, aber wenn du wie ich aus Osttirol kommst und in die große weite Welt hinaus willst, brauchst du eine Plattform, um dich präsentieren zu können. Du benötigst Kontakte und Referenzen. Eine TV-Show ist ein guter Weg, um ein gewisses Maß an Bekanntheit zu erlangen.“ Letzteres wiederum braucht es, um in der Musikbranche langfristig Fuß fassen und jene Musik machen zu können, die man möchte – in Saras Fall: Feel-good-Musik, die erfreut und berührt.

Zurück zu den Wurzeln

Mit ihrer herausragenden Stimme, ihrem zauberhaften Auftreten und ihrer gleichwohl sympathischen, bodenständigen Art ist Sara De Blue auch international erfolgreich. 2019 etwa gewann sie mit ihrem eigenen, virtuos vorgetragenen Lied den Song Contest „Golden Stag“ in Rumänien. Dann kam Corona und damit eine neue, ungeahnte Wendung ihrer musikalischen Laufbahn.

Sara beim Videodreh zu „Tirol, Tirol, Tirol (Lieblingsland)“.
© Christina Feiersinger

Wie auch andere heimische Künstler gab Sara im März des Vorjahres Balkonkonzerte und begab sich dabei auf ungewohnteres Terrain – sie wagte sich nämlich an deutsche Texte. Zuerst sang sie Fendrichs „I am from Austria“, dann eine eigene Cover-Version von Silbermonds „Symphonie“, die sie auf die Corona-Thematik adaptierte und mit passenden, hoffnungsvollen Zeilen spickte. Damit trat sie eine Welle los, der Zuspruch auf Social Media war enorm, innerhalb kürzester Zeit bekamen ihre Videos 100.000 Aufrufe, tief berührte Fans schrieben ihr, sie möge doch weiterhin auf Deutsch singen.

Dieser Zuspruch gab Sara den nötigen Aufwind, um der Krise mit kreativer Energie zu trotzen. Sie machte sich ihr Lieblingszitat zum neuen Lebensmotto: „Die Kunst zu leben besteht darin, im Regen zu tanzen, anstatt auf die Sonne zu warten“ – und Sara tanzte nicht nur durch den strömenden Regen, sie sang vor allem. In der Musik fand sie ein Ventil zur Verarbeitung des Erlebten, einen Lichtblick inmitten all der schlechten Nachrichten und düsteren Prognosen, sie verschanzte sich zu Hause im Studio, schrieb und produzierte viele Songs, von denen der erste nun veröffentlicht wurde. Der Wunsch ihrer Fans fand Gehör, ihre neuen Lieder sind tatsächlich auf Deutsch. Sara De Blues besonderer Herzenssong „Tirol, Tirol, Tirol (Lieblingsland)“ ist damit nicht nur eine Liebeserklärung an ihre Heimat, sondern auch an ihre Fans.

Wenn man Künstler danach fragt, wovon sie träumen, haben die genannten Wünsche zumeist mit ihrer jeweiligen großen Passion, mit ihrer Kunst zu tun, sie wünschen sich oft Anerkennung und Erfolg. Bei Sara De Blue ist das anders. Natürlich möchte sie bald wieder Konzerte geben können – „weil es eines der schönsten Gefühle ist, die eigenen Songs vor Publikum zu spielen“, doch abgesehen davon ist ihr größter Wunsch: „Dass alle gesund bleiben, meine Familie und meine Freunde, und dass ich glücklich sein darf, mit allem, was ich mache. Gesund zu sein und sich selbst zu finden, das ist wahres Glück.“


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