Tirol vor der Öffnung: „Die Testerei muss sich einfach einspielen“

Das Corona-Testprozedere stellt Tirols Hotellerie vor eine große Herausforderung. In der Gastronomie werden Zutrittstestungen vor Ort die Ausnahme bleiben.

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Letzte Vorbereitungen: Hotellerie, Gastronomie, Sportstätten und Kultureinrichtungen öffnen am 19. Mai. In einem ersten Schritt stehen 360.000 Testkits für Zutrittstestungen in Tirol zur Verfügung, die an die Betriebe ausgegeben werden.
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Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Tirols Hotellerie kann sich freuen: „Viele Hotels sind für Pfingsten gut gebucht“, sagt Mario Gerber, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer. Dass der Start nicht einfach wird, ist allen bewusst: „Das Testprozedere stellt die 5000 Betriebe vor eine riesige organisatorische wie wirtschaftliche Herausforderung. Bei z. B. 150 Gästen müssen drei Mitarbeiter einen ganzen Vormittag für die Testungen abgestellt werden. Aber wir schaffen das, die Testerei muss sich einfach einspielen.“

Auch wenn der eine oder andere Hotelier über die Vorgaben schimpft, sieht Gerber die Testungen als einzige Möglichkeit, grünes Licht für den Tourismus zu geben. „Wir haben hier eine Verantwortung. Und wie sollte man den Tirolern erklären, dass sie testen müssen und ein Tourist nicht?“ Gäste, die in Tirol nächtigen, müssen ab dem Alter von 10 Jahren geimpft, genesen oder negativ getestet anreisen oder sich im Beherbergungsbetrieb testen. „Es gibt die Möglichkeit des selbstdokumentierten Antigentests. Den kann der Gast z. B. im Zimmer machen und er ist 24 Stunden gültig.“

Die Tiroler Verordnung sieht – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – eine zweite Variante vor. „Der Antigen-Test, der 48 Stunden gilt, muss unter Beobachtung einer Führungskraft oder des Covid-Beauftragten des Hotels durchgeführt werden.“ Vereinzelte und nur sehr große Betriebe werden laut Gerber PCR-Tests anbieten, „die 72 Stunden gültig sind“. Egal, welchen Test der Gast macht, mit allen Varianten ist er zudem berechtigt, Freizeiteinrichtungen außerhalb des Hotels wie Schwimmbäder zu besuchen. „360.000 Antigen-Testungen stehen in einem ersten Schritt für alle Zutrittstestungen in Tirol zur Verfügung, die in enger Zusammenarbeit zwischen Bund und Land sowie Bundesheer, Wirtschaftskammer und Tourismusverbänden an die Betriebe ausgegeben werden“, erklärt Maximilian Brandhuber von der Pressestelle des Landes.

In der Gastronomie hofft man, dass die Gäste bereits mit gültigen Zutrittstests kommen. Dass alle 6100 Gastronomiebetriebe „Teststationen einrichten, wird nicht möglich sein. Testen vor Ort ist die Notlösung und als absolute Ausnahme vorgesehen“, sagt Thomas Geiger, Fachgruppenobmann in der Tiroler Wirtschaftskammer. „Zutrittstests dieser komplexen Verordnung überprüfen, nebenbei die Gästeregistrierung vornehmen und Ausweise kontrollieren, wird sich in der Praxis nicht spielen. Dafür hat man die personellen Kapazitäten nicht“, so Geiger. Dass die Zutrittstests noch länger obligat sind, ist sich Gerber sicher: „Ich gehe davon aus, dass das jedenfalls bis 1. Juli so bleibt.“

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Das Kletterzentrum KI darf auch indoor öffnen.
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Reinhold Scherer (Geschäftsführer, Kletterzentrum KI Innsbruck)

„Unseren Außenbereich haben wir bereits zwei Wochen offen. Jetzt geht es um den Innenbereich und da bin ich am Hin- und Hertelefonieren u. a. mit dem Sportministerium, weil es noch um Detailfragen geht. Wie wird z. B. die 20-Quadratmeter-Regel gerechnet, weil bei uns der Sportbereich ja an der Kletterwand in die Höhe geht? Installiert haben wir drei Drehkreuze, um die Bereiche Outdoor, Vorstieg und Bouldern zu trennen. Damit wissen wir, wie viele Kletterer im jeweiligen Bereich sind und können diese Informationen auf die Homepage stellen. Ist die Halle voll, werden nummerierte Zettel verteilt und man muss halt draußen warten. Vom letzten Mal haben wir Erfahrungen mitgenommen und, wo Probleme waren, Maßnahmen verfeinert.“

FFP2-Pflicht gilt auch auf den Sitzplätzen.
© Brunner

Christoph Brunner (Leitung Kommunikation, Landestheater, Haus der Musik, Tiroler Symphoniekonzerte)

„Wir hatten diesen Freitag eine große Einschulung für alle Mitarbeiter, in der es darum ging, was sich im Gegensatz zum letzten Herbst geändert hat. Neu ist u. a. die FFP2-Maskenpflicht auch auf den Sitzplätzen und die 2-Meter-Abstandsregel. Die Zutrittstests sind schon eine Herausforderung, denn wir müssen schauen, ob die Menschen wirklich diejenigen sind, auf die die Tests ausgestellt sind. Da benötigen wir an den Einlässen mehr Leute, die wir nun in unserem Pool an Aushilfskräften suchen, damit die Kontrollen schneller gehen. Zudem wird es vor jeder Vorstellung kurze Mitarbeiterbesprechungen geben und für die Besucher gegenüber dem Herbst erweiterte Durchsagen zu allen Regelungen. Auch in den einzelnen Bereichen – wie Toiletten und Garderoben – machen wir die Besucher auf die Abstandsregeln aufmerksam. Viele Vorstellungen versuchen wir ohne Pause durchzuspielen. Wo Künstler eine Pause brauchen oder wo ein Umbau ansteht, werden die Pausen kurz gehalten.“

Im Metropolkino müssen nur noch Kleinigkeiten für den Re-Start adaptiert werden.
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Christian Hofer (Geschäftsführer Metropol Innsbruck)

„Wir werden in einer Sitzung unsere 30 Mitarbeiter mit den Corona-Regelungen noch einmal vertraut machen. Im vergangenen Jahr haben wir bereits Vorkehrungen getroffen, wie das Aufstellen von Hygienespendern. Neu ist für uns nicht, dass Besuchergruppen auf den Sitzplätzen getrennt werden, dass also nur bestimmte Karten verkauft werden. Die Zutrittstests werden vom Personal beim Einlass in den Kinosaal überprüft. Neu geklebt werden müssen die Bodenmarkierungen, denn jetzt gilt die 2-Meter-Abstandsregel und nicht mehr die 1-Meter-Regel.“


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