Wissenschafter beschäftigt kurioses Studienergebnis zu Corona-Impfstoffen

Untersuchungen zur Wirksamkeit von Impfstoffen an Uni Oxford brachten überraschendes Ergebnis.

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Britische Forscher fanden heraus, dass das Ansteckungrisiko bei vielen sinkt, sobald sie einen fixen Impftermin haben.
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Wien, Innsbruck – In England lief eine groß angelegte Studie zur Wirksamkeit der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und AstraZeneca. Bei der Untersuchung waren rund 370.000 Testergebnisse im Spiel – ein Ergebnis der Studie war, dass bereits eine erste Impfdosis das Infektionsrisiko um zwei Drittel senkt.

Die Wissenschafter machten aber scheinbar beiläufig noch eine andere Beobachtung, die sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollten: Die Wahrscheinlichkeit, positiv auf das Coronavirus getestet zu werden, reduziert sich bereits drei Wochen vor dem Impftermin. Und zwar um 72 Prozent. Warum das so ist, konnten die Studienautoren nicht begründen, das Ergebnis war so gesehen nur eine kuriose Nebensache. Diese Randnotiz der Studie sorgt aber seit Tagen für Erklärungsversuche bei anderen Wissenschaftern und Medizinern. Warum das Infektionsrisiko sinkt, obwohl es noch gar nicht zum Piks gekommen ist, hat für einige Molekularbiologen damit zu tun, dass die Menschen knapp vor dem Impftermin besonders vorsichtig sind, weil sie sich nicht anstecken wollen.

Für den Innsbrucker Mediziner, Psychologen und Psychoneuroimmunologen Christian Schubert greift diese These zu kurz: „Diese Erklärung zielt sehr auf das für jedermann sichtbare Verhalten ab. Es gibt noch weitere Erklärungen, die das psychische Erleben des Menschen und seine Verbindung zum Immunsystem stärker in den Mittelpunkt rücken.“ Schubert hat sich im Rahmen einer Studie mit Auswirkungen von psychischem Stress auf das Immunsystem beschäftigt und sagt: „Wir wissen, dass vorhersehbare Ereignisse bereits zu Veränderungen im Immunsystem führen, noch bevor das Ereignis überhaupt stattgefunden hat. Die Psyche ist nicht trennbar vom Körper und sie steht mit dem Immunsystem in direkter Verbindung. So könnte es über eine psychisch verbesserte Immunantwort zu einer verringerten Ansteckungsrate bei jenen Probanden geführt haben, die vorab voll Vorfreude waren, dass sie demnächst geimpft werden.“

Was hier eintrete, sei ein Placeboeffekt: „Das ist ein unglaublich wirksamer Effekt der Selbstheilung. Jeder Arzt kennt das Phänomen. Wenn man dem Patienten viel Positives zur Wirkung eines Medikaments sagt, dann wirkt es besonders gut.“ Andersrum gesagt: „Wenn wir viel Negatives über einen Impfstoff hören, könnte das über die damit verbundene Angst vor der Impfung zu mehr Nebenwirkungen und verringerter Impfantwort führen. Wir sprechen hier vom Noceboeffekt, dem Gegenteil von Placebo. Generell bin ich der Meinung, dass Menschen, die unter starkem chronischen Stress stehen und damit verbunden eine Immunsuppression haben, sich nicht impfen lassen sollen – weil in diesem Fall die Impfantwort vermindert ist, das kann auch langfristig zu schweren Nebeneffekten führen“, so Schubert. (lipi)


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