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TT-Analyse zu Integration im Fußball: Wie eine Großchance liegen gelassen wird

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Von Benedikt Mair

Der letzte Gegenspieler ist umdribbelt, nur noch wenige Meter, frei vor dem Tor. Maß nehmen, Schuss, verzogen – der Ball segelt irgendwo ins Nirgendwo, weit am Ziel vorbei. Wer den nicht macht, ist selber schuld. So lässt sich die Rolle des Amateurfußballs bei der Integration von Menschen aus anderen Ländern, mit anderem kulturellen Hintergrund und anderer Muttersprachen beschreiben.

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Dass schon vor dem Einstieg in den organisierten Sport erste Hürden warten, zeigt eine europaweite Studie. Trainer von Mannschaften aus 22 Staaten wurden per E-Mail kontaktiert, der fiktive Absender bat, zum Vorspielen vorbeikommen zu dürfen. War das Schreiben mit einem ausländisch klingenden Namen gezeichnet, wurde weniger oft geantwortet – besonders deutlich war dieser Unterschied in Österreich. Die heimischen Verbände beteuern, Diskriminierung und ihre Folgen seien während der Trainerausbildung immer wieder Thema. Offensichtlich mit wenig Konsequenz. Hier gilt es nachzubessern. Schließlich entscheiden die Übungsleiter, wer mitmachen darf. Und wer nicht.

Auf den Rasen dieses Landes sind rassistische Gesten und Beschimpfungen keine Seltenheit. Noch weniger Zurückhaltung gibt es in den Zuschauerrängen. Hier fehlt schlicht das Wissen darüber, welchen Schaden solche Aussagen anrichten, wie verletzend sie sind. Dass die Betroffenen vielleicht sogar dazu gedrängt werden, ihre Fußballschuhe enttäuscht und permanent an den Nagel zu hängen. Dabei ist vor allem Mannschaftssport ideal für jegliche Bemühungen, jemanden in eine neue Umgebung einzugliedern. Jemand muss sich, um das gemeinsame Ziel, den Sieg, zu erreichen, verständigen, die deutsche Sprache lernen, Kontakte knüpfen.

Vereine stellen mit ihren Netzwerken und Infrastrukturen die Basis. Damit der Sport ein Volltreffer für die Integration wird, bedarf es bei vielen noch des Bewusstseins, dass alles Menschen gleich sind. Um das breit auszubilden, fehlt das Geld. Die Bundesregierung will für solche Projekte jetzt zwei Millionen Euro bereitstellen. Das darf nur der Anstoß sein.


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