Was wird aus den Helfern? Tausende Ortskräfte in Afghanistan in Gefahr

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Bundeswehr-Helikopter wird in Leipzig ausgeladen.
© AFP/Hartmann

Von Floo Weißmann

Washington, Berlin – Amerikaner, Deutsche und andere haben mit dem Abzug aus Afghanistan begonnen. Zurück bleiben Ortskräfte, die den westlichen Soldaten als Übersetzer, Fahrer usw. gedient haben. Sie und ihre Familien könnten zum Ziel von Racheakten der Taliban werden, die ihnen Kollaboration mit dem Feind vorwerfen. Das Thema hat nun die Politik in Washington und in Berlin erreicht.

In den USA wächst der mediale und politische Druck auf die Biden-Administration, afghanische Ortskräfte zu evakuieren. Zwar gibt es bereits seit 2009 das „Special Immigrant Visa“-Programm, das bisher mehr als 20.000 Ortskräften die Auswanderung in die USA ermöglich hat. Doch Bewerber mussten ein 14-stufiges Verfahren durchlaufen, das mehrere Jahre braucht.

Nun drängt die Zeit. Laut Air Force Times gibt es einen Rückstau von 19.000 Anträgen, dazu geschätzte 50.000 Familienmitglieder. Auf einen offenen Brief von Kongresspolitikern beider Parteien hat die Biden-Administration bisher nicht reagiert, was für Empörung sorgt. „An dem Tag, an dem der letzte US-Soldat den Luftstützpunkt Bagram verlässt, haben wir diesen Leuten ein Todesurteil ausgestellt“, zitierte Politico den republikanischen Abgeordneten Michael Waltz, der selbst in Afghanistan gedient hat.

In der Debatte schwingt ein altes Trauma mit: In Vietnam gerieten nach dem Fall von Saigon 1975 Tausende ehemalige Alliierte der USA in die Gewalt der Nordvietnamesen; viele überlebten das nicht. Dies dürfe sich keinesfalls wiederholen, heißt es jetzt.

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Eine ähnliche Debatte spielt sich in Deutschland ab, wenn auch in anderer Größenordnung. Nach dpa-Informationen haben 450 afghanische Ortskräfte einen Antrag auf Schutz in Deutschland gestellt, samt Angehörigen etwa 2000 Menschen. Forscher, frühere Diplomaten und Offiziere forderten vorige Woche in einem offenen Brief eine unbürokratische Aufnahme.

Auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einer Verpflichtung Deutschlands. Details sind jedoch umstritten. Pro Asyl kritisierte, dass für Bewerbungen Büros in Afghanistan eingerichtet werden sollen. „Da müssen doch nur die Taliban (...) mit einem Fernglas ‚spotten‘, wer rein- und rausgeht“, kritisierte Geschäftsführer Günter Burkhardt. Darüber hinaus fordert Pro Asyl, den berechtigten Personenkreis auszuweiten auch auf frühere Beschäftigte und sämtliche Verwandte, die im selben Haushalt leben.


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