Tiroler Symphonieorchester: Die unerträgliche Leichtigkeit des (Verliebt-)Seins

Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck meldet sich in bester Spiellaune mit Wagner, Berg und Brahms aus dem Lockdown zurück.

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Zu Gast beim Symphoniekonzert in Innsbruck mit Liedern von Alban Berg: Staatsopernsängerin Margaret Plummer.
© Chó/wefeel.art

Von Markus Schramek

Innsbruck – Nummerisch ist es das 7. Symphoniekonzert. Tatsächlich ist es aber erst das zweite symphonische Happening der Saison 2020/21, das auch wirklich stattfindet. Corona, was sonst.

Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck (TSOI) blickt freudestrahlend in Richtung Zuhörerschaft im Saal Tirol. Dass diese zurücklächelt, darf angenommen werden, sehen kann man es nicht: FFP2-Masken-Pflicht.

Chefdirigent Kerem Hasan schickt sich an, erstmals den Taktstock an diesem Mittwochabend zu erheben, wie um das Ende des Kulturlockdowns endgültig zu verkünden. Da klingelt im Saal ein Handy. Schön, dass Konzerte wieder live vor Publikum stattfinden dürfen. Ungebetene Begleitmusik wie diese anfängliche gehört irgendwie ja auch dazu.

Das TSOI hat die lange Absenz von der Live-Bühne ausgiebig genutzt. Mehrere Konzerte wurden vor leerem Haus aufgezeichnet und wenigstens online unters Volk gebracht. Entsprechend harmonisch und bestens eingespielt geht das klangliche Team zu Werke, keine Spur eines etwaigen Fremdelns.

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Mit einem Elan, der Hoffnung macht, eröffnet das Orchester den Abend. Richard Wagners Vorspiel zum 3. Akt von „Lohengrin“ kommt da gerade recht als schmetternder Anheizer.

Dann tritt Staatsopernsängerin Margaret Plummer in Erscheinung, ganz dem Wortsinne nach: Eindrucksvoll ist die Bühnenpräsenz der australischen Mezzosopranistin, einnehmend ihr leidenschaftlicher Vortrag.

Komponist Alban Berg hat seiner Angebeteten Anfang des 20. Jahrhunderts „Sieben frühe Lieder“ gewidmet. Amouröse Irrungen und Wirrungen in Musikform, ein Rausch der Gefühle, Verlustängste, kurz: die unerträgliche Leichtigkeit des (Verliebt-)Seins. Frau Plummer interpretiert Berg mit Hingabe und großem Gespür für diese Hochschaubahn der Sinne. Wie passend, schließlich befinden wir uns, zumindest kalendarisch, tief im Wonnemonat Mai.

Zum Abschluss des ersehnten Wiedersehens serviert das TSOI Johannes Brahms’ 3. Symphonie in F-Dur. Der Verfasser selbst bezeichnete sein viersätziges Werk von 1883 als „Symphoniechen“. Für konzerthungrige Zuhörer tut sich hingegen ein Ohrenschmaus auf: schönste Soli aus den Reihen der Bläser, symphonischer Raumklang. Herz, was willst du mehr.


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