Tiroler Impfplan schwächelt: Erste Ärzte steigen verärgert aus

Niedergelassener Bereich erhält kommende Woche erneut keine Dosen für Erstimpfungen. Auch Impfzentren des Landes sind auf „Sparflamme“.

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Tirol impft? Nicht ganz. Im niedergelassenen Bereich gibt es kommende Woche wieder keine Erstimpfungen.
© Böhm

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Für den 26. Mai hätte der Allgemeinmediziner Klaus Schweitzer in seiner Praxis in Tulfes einen großen Impftag geplant. Bis zu 250 Impfwillige hätten dann den ersehnten ersten Stich gegen das Coronavirus bekommen sollen. Bestellt hat der Sprecher der Landärzte in der Ärztekammer Tirol die Dosen beim Land bereits am 3. Mai. Auch das Personal galt es für diesen Tag aufzustocken. Die Hiobsbotschaft traf erst vergangenen Dienstagabend ein: Bestellorder abgelehnt. Einen Tag später dann die nächste: Für die gesamte kommende Woche werde er keinen Impfstoff für Erstimpfungen bekommen. „Es reicht“, macht Schweitzer nun in einem offenen Brief (er liegt der TT vor) an LH Günther Platter, Gesundheitslandesrätin Annette Leja und Gesundheitsdirektor Thomas Pollak seinem Ärger Luft. Eine Zusammenarbeit mit dem Land und damit auch eine ordentliche Abarbeitung seiner rund 700 Impf-Vormerkungen sei unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich. Schweitzer lässt sich und seine Praxis von der Impfliste streichen. Die notwendigen Zweitimpfungen seiner Patienten werde er noch durchführen.

Wie sollen wir unsere Impflisten abarbeiten, wenn man bis zuletzt hingehalten wird und dann wieder keinen Impfstoff bekommt?
Klaus Schweitzer (Allgemeinmediziner)

Schweitzer ist nicht der Einzige, der das Handtuch wirft. Auch Alfred Doblinger, Hausarzt in Oberperfuss und Vizepräsident der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin, denkt scharf darüber nach. Er berichtet von einer Handvoll Kollegen, die es bereits getan haben. Auch Doblinger hat Erstimpfdosen für kommende Woche angefordert und ist leer ausgegangen. Was ihn besonders ärgert, ist, dass in den Impfstraßen/ -zentren des Landes bereits unter 50-Jährige geimpft würden. Von solchen Fällen höre er immer wieder. Auch der TT liegen Fälle vor. In Doblingers Praxis würden indes noch gut 50 Patienten über 50 Jahre darauf warten. Also jene Zielgruppe, die es aktuell prioritär zu impfen gelte.

Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger ist ob dieser Zustände sauer: „Will das Land jetzt, dass niedergelassene Ärzte impfen, oder nicht?“ Wenn ja, müssten die Ärzte auch mit ausreichend Impfdosen versorgt werden. Wechselberger hegt den Verdacht, dass die Impfstoff-Umleitung auf die Impfzentren System habe. Detail am Rande: Noch während des gestrigen Telefonats mit der TT erhielt auch Wechselberger die Impfdosen-Absage. Für kommenden Dienstag hätte er 35 Patienten zur Impfung eingeladen – nun muss er über Pfingsten allen wieder absagen.

Der Verdacht liegt nahe, dass das System hat. Die Gefahr ist da, dass jetzt viele Ärzte auch den Hut draufhauen.
Artur Wechselberger (Präsident Ärztekammer)

Von Seiten des Landes will man die Kritik so nicht stehen lassen. In den vergangenen Wochen hätte der niedergelassene Bereich bis zu 70 Prozent des wöchentlichen Impfstoffkontingents bekommen, hieß es gestern auf TT-Anfrage. Was aber stimme, sei, dass Ärzte in der kommenden Woche nicht mit Erstimpfstoffdosen ausgerüstet werden können. Die Begründung schießt Gesundheitsdirektor Thomas Pollak hinterher: „Mit jenen Impfdosen, die uns in den nächsten zwei Wochen zur Verfügung stehen, müssen wir sicherstellen, dass die Zweitimpfungen im vorgegebenen Zeitraum durchgeführt werden.“ Wobei: Das betreffe nicht nur die Ärzte, sondern auch acht von zehn Landes-Impfzentren. Auch diese werden nur auf Sparflamme fahren. Lediglich jene in Innsbruck und Lienz könnten vom 28. bis 30. Mai auch Erstimpfungen durchführen. Weil dort Moderna zum Einsatz komme. Dieser Impfstoff dürfe nicht an den niedergelassenen Bereich geliefert werden, verweist das Land auf das Gesundheitsministerium. Wie viele der 600 Impf-Ärzte bereits aus dem Programm ausgestiegen sind, konnte nicht beantwortet werden.

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Der Bedarf ist größer als das Angebot. Aktuell müssen vor allem die Zweitimpfungen sichergestellt werden.
Thomas Pollak (Landes-Gesundheitsdirektor)

Betriebe stehen den Ärzten nicht nach. Wie Recheis in Hall. Dort hatte man 91 von 150 Mitarbeitern zur betrieblichen Impfung gemeldet. Weniger als die Hälfte an Dosen habe man aber am Donnerstag vom Land zugesagt bekommen, so GF Martin Terzer. Die Priorisierungen hätte der Betrieb in Folge selbst vornehmen sollen. „So geht es einfach nicht“, sagt Terzer.

Große Handelsketten indes, so heißt es, würden ihre Impfdosen-Kontingente derzeit vom Bund zugeteilt bekommen. Und das nicht zu knapp bemessen.


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