Plus

Mut zur Gegenreaktion: TT-Leitartikel zum Umgang mit Weißrussland

Weißrussland schüchtert Journalisten ein und brüskiert den Westen. Die EU muss auf Alexander Lukaschenkos Eskalationsmodus mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln reagieren, wenn sie noch ernst genommen werden will.

  • Artikel
  • Diskussion
Carmen Baumgartner-Pötz

Leitartikel

Von Carmen Baumgartner-Pötz

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert regiert Alexander Lukaschenko Weißrussland mit autoritärer Hand. Eingepfercht zwischen West und Ost macht „der letzte Diktator Europas“, wie ihn seine Gegner nennen, was er will. So ist auch die durch ihn veranlasste Flugzeugentführung – denn nichts anderes war die „Umleitung“ einer Ryanair-Maschine nach Minsk – zu sehen: als angsteinflößende Machtdemonstration nicht nur gegenüber oppositionellen Kräften, sondern auch gegenüber dem Westen. Das unmissverständliche Signal an kritische Journalisten, NGOs, Oppositionspolitiker lautet: Egal, wo ihr gerade seid, irgendwann kriegen wir euch. Sicherheit gibt es nicht. Auch nicht, wenn ihr von einer EU-Hauptstadt in eine andere fliegt. Die Vorstellung, auf einem vermeintlich harmlosen innereuropäischen Flug zur Landung gezwungen zu werden, weil ein Diktator einen unliebsamen Journalisten aus der Maschine herausfischen will, war bis vor Kurzem denkunmöglich. Nun hat Lukaschenko eine weitere rote Linie überschritten. Überraschend kommt das nicht: Monatelange Massenproteste gegen das sehr wahrscheinlich gefälschte Wahlergebnis vom vergangenen Sommer wurden niedergeschlagen, Zehntausende Menschen festgenommen. Menschenrechtsorganisationen berichten von Folter und Todesfällen.


Kommentieren


Schlagworte