Weniger Laster, weniger Unfälle: Abbiegeassistenten retten Leben

In den Jahren 2015 bis 2020 ereigneten sich in Tirol 704 Unfälle, an denen Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen beteiligt waren. Nun werden Lkw-Zufahrtsbeschränkungen angedacht.

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Eine Radfahrerin (31) wurde vergangene Woche in Innsbruck von einem rechts abbiegenden Laster überrollt und schwer verletzt.
© zeitungsfoto.at

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Eine 31-Jährige will mit ihrem Rad an einer Kreuzung geradeaus weiterfahren, wird dabei von einem rechts abbiegenden Laster übersehen und überrollt. Schwer verletzt muss die Frau in die Innsbrucker Klinik gebracht werden. Passiert Ende vergangener Woche auf der Amraser Straße in Innsbruck, ist dieser Unfall der aktuellste in einer langen Reihe ähnlich gelagerter. Und viele davon hätten verhindert werden können, wären alle Lastwagen mit so genannten Abbiegeassistenten ausgestattet. In Österreich ist dieses technische Hilfsmittel vergleichsweise wenig verbreitet, sagen Experten.

In den Jahren 2015 bis 2020 ereigneten sich in Tirol 704 Unfälle, an denen Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen beteiligt waren. 912 Menschen wurden dabei verletzt, 37 starben. Auch aufgrund solcher Zahlen seien „jegliche Maßnahmen, welche die Sicherheit auf unseren Straßen erhöhen, das Unfallrisiko senken und die Verkehrsflüssigkeit verbessern, zu begrüßen“, betont die grüne Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe. Das Land Tirol hat bereits bei der Hälfte der eigenen Flotte, rund 55 Laster, einen Abbiegeassistenten eingebaut. Spätestens Ende des Jahres sollen alle Fahrzeuge umgerüstet sein.

Solche Vorhaben kosten viel Geld, im Falle des Landes Tirol insgesamt rund 100.000 Euro. Um privaten Firmen diese Investition zu erleichtern, bezuschusst die Bundesregierung seit September 2019 den Einbau von Abbiegeassistenten. 440 Anträge für insgesamt 1151 Fahrzeuge sind bislang eingegangen, die vorgesehene Fördersumme nur zu 70 Prozent ausgeschöpft – 669.072 Euro von insgesamt einer Million. Ob die Initiative verlängert wird, soll entschieden werden, wenn alle Gelder weg sind, heißt es aus dem zuständigen Ministerium in Wien.

Die Förderung werde viel zu wenig wahrgenommen, kritisiert Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. „40 Prozent der Unfälle, bei den Radler von rechtsabbiegenden Fahrzeugen überrollt werden, könnten verhindert werden, wenn alle Laster einen Abbiegeassistenten hätten.“ Die technischen Hilfsmittel seien das eine, aber auch das Bewusstsein bei den Lasterfahrern gehöre mehr gestärkt, betont Robatsch. Zudem solle in den Städten weiter an der Infrastruktur gebaut werden. „Um bessere Sicht zu schaffen.“

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Diesen Weg will auch Landesrätin Felipe in Tirol gehen und sich auch für verzögerte Ampelschaltungen oder Abbiegeverbote einsetzen. „Das grundsätzliche Ziel sollte allerdings sein, so wenig Laster wie möglich in die Stadtzentren fahren zu lassen.“


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