Heuer 11 Mrd. Impfdosen gegen Corona für die Welt

Insgesamt 284 verschiedene Kandidaten arbeiten an Impfstoffen. In Kundl will Novartis 250 Mio. Dosen bis Ende 2022 herstellen.

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In weniger als einem Jahr waren Covid-Impfstoffe auf dem Markt.
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Wien, Innsbruck – Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist mit der immer breiteren Durchimpfung der Bevölkerung tatsächlich immer mehr Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Normalerweise dauere es bei der Entwicklung von wirksamen und sicheren Impfstoffen bis zur Marktreife oft zehn Jahre und länger, bei Corona hätten dies Forschung und Pharmabranche in weniger als einem Jahr geschafft. Das sagte die Präsidentin des Österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller (ÖVIH) Renée Gallo-Daniel (Pfizer Austria) bei einem Online-Pressegespräch.

Weltweit gebe es derzeit 184 Covid-Impfstoff-Kandidaten, davon seien 101 schon in klinischen Studien, so Gallo-Daniel. Zulassungen hätten momentan insgesamt 14 verschiedene Impfstoffe, davon mit BioNTech, Moderna, AstraZeneca sowie Johnson & Johnson vier in der EU. Die Hersteller produzierten 24 Stunden durchgehend, sieben Tage die Woche. Bisher seien weltweit 2,2 Mrd. Impf-Dosen produziert worden, bis Jahresende geht Gallo-Daniel von über 11 Mrd. Dosen aus.

Die Forschung gehe mit Hochdruck weiter, gerade auch wegen der Virus-Mutationen sowie Impfstoffen für Kinder, Jugendliche und Schwangere. Was bei der derart raschen Entwicklung von Corona-Impfungen geholfen habe, seien umfassende Forschungsarbeiten nach SARS 2002 und MERS 2012 gewesen, sagt Gallo-Daniel.

Es gebe global einen Schulterschluss mit gut 300 Kooperationen innerhalb der Pharmabranche für die Herstellung der Impfstoffe, und das ganz ohne das Aus für den Patentschutz, lobt Gallo-Daniel. Dass US-Präsident Joe Biden das Aus für den Patentschutz verlangt habe, kann auch Novartis-Österreich-Chef Michael Kocher nicht nachvollziehen. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel habe hier lobenswerterweise sehr ablehnend reagiert, Österreichs Kanzler Sebastian Kurz sei hier nur vorsichtig geblieben.

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Der Novartis-Konzern, der 2015 aus der Impfstoff-Produktion ausgestiegen ist, sei bei den Corona-Impfstoffen „wie die Jungfrau zum Kind“ gekommen, so Kocher. Man habe aber in Kundl großes Know-how, wo man für Curevac ab Juni heuer 50 Mio. Dosen und 2022 etwa 200 Mio. Dosen Impfstoff produzieren werde. In der Schweiz produziert Novartis für BioNTech/Pfizer, in Singapur für Roche ein Covid-Medikament.

Positiv für Tirol und Europa sei angesichts der hohen Abhängigkeit von China und Indien auch die von Bund und Land geförderte Großinvestition von 150 Mio. Euro für die einzige komplette Penicillin-Herstellung der westlichen Welt. Wichtig seien aber Rahmenbedingungen wie Mengen und Preise. Eine Tagesration Penicillin sei leider billiger als ein Kaugummi.

Österreich sei „flexibel und schnell“ und damit ein starker Pharma-Standort, sagt Dietmar Katinger von Polymun. Sein Unternehmen arbeitet u. a. an der Entwicklung von Impfstoffen gegen Alzheimer und HIV. (va)


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