Kupferstiche und Holzschnitte von Albrecht Dürer im Landesmuseum

Grafikschätze aus dem Depot: mit Albrecht Dürer in die Niederlande und auf romantischen Spuren durch Tirol.

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„Adam und Eva“ von Albrecht Düre­r, Kupferstrich, 1501.
© TLM

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Ralf Bormann, der Kustos für die grafischen Sammlungen des Ferdinandeums, kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er von den Schätzen auf Papier erzählt, die im landesmusealen Depot schlummern. Seit Kurzem auch rund 100 Kupferstiche und Holzschnitte von Albrecht Dürer, die das Stift Stams dem Museum als Dauerleihgabe anvertraut hat. Wie bzw. wann sie dorthin gekommen sind, ist von Mythen umrankt. Jener, dass die Blätter ein Geschenk von Kaiser Maximilian I. an das Stift sind, ist für Bormann zwar eine schöne, allerdings nicht wirklich schlüssige Geschichte, nicht zuletzt deshalb, weil die Blätter von ganz unterschiedlicher Qualität in Bezug auf ihren Druck bzw. Erhaltungszustand sind.

Ausgewählt wurden für die Präsentation der Dürer-Blätter in den der Niederländergalerie angegliederten Grafikkabinetten jene, die der Meister in dem Tagebuch erwähnt, das er auf seiner 1520 unternommenen Reise in die Niederlande geführt hat. Deren Zweck es war, Maximilians kaiserlichen Nachfolger Karl V. als neuen Mäzen zu gewinnen. Finanziert hat Dürer diese Reise durch seine Druckgrafiken als direktes Zahlungsmittel oder begehrtes Tauschobjekt.

Es sind meist religiöse Themen, die Dürer in diesen Holzschnitten oder Kupferstichen umkreist. Jedes Detail hat da seine Bedeutung, ist metaphorisch oder mit kleinen Geschichten aufgeladen. Um diese zu lesen, muss der Betrachter ganz genau hinschauen, was in der perfekten musealen Präsentation vor dunklen Wänden zum puren Vergnügen wird.

Jakob Gauermann: „Gurgler Ferner“, um 1801/05.
© TLM

In den Grafikkabinetten einen Stock höher wird es romantisch. Hölderlins Ausruf „Komm! ins Offene, Freund!“ hat der erklärte Romantikfreund Bormann als Ausstellungstitel gewählt. Außer einer bisher unbekannten Zeichnung von Philipp Otto Runge, dem neben Caspar David Friedrich bedeutendsten deutschen Romantiker, zeigt die kleine Schau fast ausschließlich Zeichnungen romantisch bewegter Tiroler. Eine fabelhafte kleine „ideale Landschaft“ des großen Josef Anton Koch genauso wie den urgewaltig daherkommenden „Gurgler Ferner“ von Jakob Gauermann. Caspar David Friedrichs „Kreidefelsen auf Rügen“ lässt hier grüßen, in der Behandlung des Himmels ist dagegen ein William Turner ganz nah.

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Wunderschön ist auch eine Reihe von Porträts, etwa Andreas Zieglers berührend zärtlich gezeichnetes „Mädchen“ von 1828 oder Johann Deglers Bildnis des Malers Josef Arnold d. J., das in seiner demaskierenden Unmittelbarkeit wie rasch hingeschrieben daherkommt.


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