Birgit Minichmayr veröffentlicht erste CD: Shakespeare, fesch vertont

Schauspielerin Birgit Minichmayr hat schon öfter gesangliches Talent bewiesen. Nun legt sie ihre erste CD vor, mit textlichen Vorlagen eines alten Meisters.

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Birgit Minichmayr, geboren 1977 in Linz, kehrte mit der Spielzeit 2019/20 in das Ensemble des Wiener Burgtheaters zurück.
© Burgtheater

Von Markus Schramek

Innsbruck – Bei den Sonetten von William Shakespeare (1564–1616) kommen Anglistikstudenten mit schöner Regelmäßigkeit ins Schwitzen. Ganz alte Schule, keine Frage, aber so was von tiefschürfend, rhythmisch und wohlklingend!

Wer sich zumindest Fragmente dieser Kleinode in Versform merken kann, wird sie sein Leben lang nicht mehr vergessen. Ist ein Nachweis hierfür erwünscht? Bitte sehr: „Shall I compare thee to a summer’s day? Thou art more lovely and more temperate ...“ So beginnt das Sonett Nummer 18, eines der bekanntesten aus der Reihe von insgesamt 154 Shakespeare-Sonetten.

Birgit Minichmayr wird es nicht viel anders gehen. Auch sie wird manche der schmucken Verse mittlerweile und pro futuro im Schlaf aufsagen können. Sie mühte sich auch redlich ab, um neun der Sonette einzustudieren. Sie tat das nicht etwa zum Zeitvertreib, unendlich langer Kultur-Lockdown und so, sondern um ein aktuelles Musikprojekt zur Vollreife zu bringen.

Und da ist es: Am morgigen Freitag veröffentlicht die ins Ensemble des Burgtheaters zurückgekehrte Schauspielerin ihre erste CD als Sängerin. Besagte neun Shakespeare-Sonette, gesungen und gespielt. Wie Shakespeares Sonett Nummer 23 heißt auch Minichmayrs Langrille Nummer 1: „As An Unperfect Actor“. Ein augenzwinkernder Verweis auf den eigentlichen Brotberuf der Sängerin, von wegen „fehlerbehafteter Schauspieler“ („unperfect actor“).

© ACT Music

Minichmayr konnte sich vollends dem anspruchsvollen Quellenstudium widmen. Als treibende Kraft und Mastermind der gesamten Produktion erwies sich Pianist Bernd Lhotzky. Er ersann musikalische Arrangements, um neun lyrische Klassiker zum Klingen zu bringen. Und diese Übung darf man ohne Umschweife als geglückt bezeichnen.

Lhotzky und das Musikergeviert Quadro Nuevo entwickelten einen lässigen, tiefenentspannten Sound, eine Melange aus Jazz, Tango und Chanson. Ideal für Minichmayr. Für sie bedeutet Gesang ja auch nicht Neuland. Im Duett mit Tote-Hosen-Capo Campino griff sie schon vor ein paar Jahren selbstbewusst zum Mikro. Das Crossover aus Punk und Hochkultur wurde damals zum Hinschauer und allseits gefeiert, es gab Plattenangebote, die aber, bis jetzt, ohne Folgen blieben.

William Shakespeare in Wort und Musik

Am Freitag (28. Mai) erscheint das Debütalbum von Birgit Minichmayr und Musiker-Kollegen.

Shakespeare, gesungen: Birgit Minichmayr, Quadro Nuevo/Bernd Lhotzky: As An Unperfect Actor (Nine Shakespeare Sonnets).

Nun also Shakespeare. Dessen schmachtende, vor Gefühl überbordende Verse umhüllt Minichmayr mit rauchiger, geheimnisvoller Stimme, wie stets einer schönen Erinnerung nachträumend. Keck kleidet die gebürtige Oberösterreicherin das jahrhundertealte Original sprachlich in moderneres Gewand. Nur manchmal klingt durch, dass hier kein „Native Speaker“ zu Werke geht. Hut ab.

Musik wie diese drängt sich förmlich auf für Live-Auftritte in Clubs und Bars. Termine dafür müssen sich erst noch ergeben. Denn nach dem Wiederaufsperren der Kultur sind die Künstler nun im Nachhol-Stress.

Minichmayr zieht es zurück ins angestammte Bühnenfach: Die Salzburger Festspiele rufen. Auf der Halleiner Perner-Insel steigt am 14. August die Premiere von Schillers Drama „Maria Stuart“ – mit der Teilzeit-Sängerin in der Titelrolle. Regie führt Burgtheaterchef Martin Kušej. Dieses Schauspiel war schon 2020 im Salzburger Sommer eingeplant. Aus den sattsam bekannten Gründen kann es erst heuer über die Bühne gehen.


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