Freundin am Balkon ausgesperrt, Geldstrafe für Verhetzung

4480 Euro Geldstrafe gab es für NS-Verhetzung auf sozialen Medien, Freisprüche zu angeklagter Freiheitsentziehung.

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Symbolbild.
© TT/Thomas Böhm

Der kalte März mitsamt Ausgangsbeschränkungen dürfte heuer an den Nerven eines Innsbruckers gezerrt haben. So konnte er Störungen durch seine Lebensgefährtin in der kleinen Wohnung scheinbar nur noch schwer ertragen. Dies äußerte sich erst durch einen unsanften Schubser ans Bett. Darauf sperrte der 49-Jährige seine Freundin jedoch an zwei Tagen hintereinander auf den Balkon. Einmal mit Absicht für eine halbe Stunde, da der Mann mit Ruhe seine Lieblings-TV-Sendung schauen wollte. Das Aussperren tags darauf erklärte der gestern am Landesgericht wegen Freiheitsentziehung Angeklagte jedoch mit einem Versehen. So sei die Frau gegen sechs Uhr zum Rauchen auf den Balkon gegangen. Wegen der Kälte habe der Frühpensionist dann die Balkontüre geschlossen, ohne die Qualmende zu bemerken, und sich wieder ins Bett gelegt. Zwei Stunden später setzte die Unterkühlte dann per Handy einen Notruf ab. „Ich hab sie doch lieb!“, beschwor der Angeklagte. „Dann verhalten Sie sich auch so. Wenn Sie noch einmal aussperren, werden Sie eingesperrt!“, konterte Richterin Helga Moser. Trotzdem fällte die Strafrichterin einen Freispruch. So konnten einstige Prellungen am Brustbein im Zweifel nicht nur vom Bett, sondern auch von einem zeitgleichen Radunfall stammen. Und wegen des Balkons war eine Freiheitsentziehung schlicht nicht erfüllt, da die Frau mit ihrem Handy jederzeit hatte Hilfe rufen können.

Mit der Situation am Arbeitsmarkt und der Nutzung von sozialen Medien war im November ein in Tirol aufhältiger Slowake nicht zu Rande gekommen. So hatte ihn die Arbeitsplatzsuche eines aus Wien stammenden Bauarbeiters über alle Maßen erregt. Aufgrund des Vornamens schloss der Slowake (für ihn) zwingend auf einen Muslim. Dieser und Tausende andere Nutzer des sozialen Mediums bekamen dann eine Schimpftirade des 41-Jährigen zu lesen, in der „Bastarde“ noch zu den feineren Begriffen zählte. Dazu pries der gestern am Landesgericht wegen Verhetzung Angeklagte den „Führer“ und empfahl, einstige Konzentrationslager für solche Leute wieder aufzusperren. Was er da geschrieben hatte, war dem Arbeiter aber bald selbst klar geworden. Geläutert meldete er sich von sozialen Medien ab und besuchte bereits zwei Konzentrationslager. 4480 Euro Strafe nahm er sofort an: „Ich hab’s verdient!“ (fell)


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