Schlechter fischökologischer Zustand: Lech ist unter Wasser wie „tot“

Ein auf Jahre ausgelegtes Projekt soll eine sich selbst erhaltende Wildfischpopulation ermöglichen. Zubringer und Seitengerinne sollen besser an den Lech angebunden werden.

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Zubringer und Seitengerinne sollen besser an den Lech angebunden werden, damit ein autochthoner Fischbestand wachsen kann.
© Mittermayr

Reutte – Mit dem Glanz des Vorzeigewildflusses Lech ist es schnell vorbei, wenn der Blick unter die Wasseroberfläche fällt. Dort herrscht Leere. Zwei Studien von 2015 und 2020 zeigen, dass das Leben unter Wasser in schlechtem Zustand ist. Fische können sich immer schwerer halten und Bestände bestehen mehr oder weniger fast nur aus dem alljährlichen Besatz. Die Wissenschaft hat bisher keine Antwort auf das Phänomen.

Gemessen wird das Leben unter Wasser anhand der Biomasse pro Hektar, also des Gewichts der Lebewesen im Wasser. Dieser Wert liegt im Lech bei durchschnittlich 20 kg pro Hektar. Das gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie definierte K.-o.-Kriterium ist mindestens 50 kg pro Hektar. Der fischökologische Zustand des Lechs ist daher als „schlecht“ eingestuft.

Die ein Jahr alte ALLFA-Gewässerstudie in Nord-, Ost- und Südtirol bescheinigt dem Lech zwar einen guten Zustand in Bereichen wie Gewässermorphologie, Umland und Umlandnutzung. „Sie bestätigt aber auch den schlechten Zustand des Lebens unter Wasser“, sagt Zacharias Schähle vom Tiroler Fischereiverband. Er hofft, dass im Rahmen des in Ausarbeitung befindlichen Managementplans für den Naturpark Tiroler Lech Maßnahmen definiert werden, die das Leben im Lech selbst fördern. Insbesondere geht es ihm darum, dass zahlreiche Zubringer und Seitengerinne wieder an das Lechsystem angeschlossen werden. Diese Zubringer seien für Koppe und Äsche oft nicht passierbar. Von Vils bis Steeg nennt er 15 Gewässer mit Optimierungsspielraum. Der Aufwand dafür sei oft gering. Das Wasserbauamt habe auf die Vorschläge entgegenkommend reagiert.

Einen Hoffnungsschimmer sieht Schähle im kürzlich erfolgten Zusammenschluss von Naturfreunden, die sich zum Ziel gesetzt haben, eine sich selbst erhaltende Wildfischpopulation im Lech zu reaktivieren. Dies soll durch lebensraumerhaltende Maßnahmen (Stichwort: Laichhabitate), schonende Befischung, Schutz der Äsche sowie Auswilderung sehr junger (Ur-)Forellen und sehr junger heimischer Äschen in kleinen Zuflüssen erreicht werden. Der übliche Fischbesatz mit älteren Fischen aus Fischzuchten wird daher im Lech nicht mehr praktiziert. Erste Erfolge sollen in fünf bis sieben Jahren zu sehen sein. Dem Vorhaben haben sich inzwischen zahlreiche Pächter und Bewirtschafter angeschlossen. Die neuen Standards gelten schon auf einer Strecke von 35 km zwischen Pflach und Elbigenalp. (hm)

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