Betrugsprozess in Wien: Ehe mit um 44 Jahre älterer Witwe erschlichen

Ein 38-Jähriger soll sich an fremdem Vermögen vergriffen haben. Die Staatsanwältin legte ihm zahlreiche betrügerische Handlungen mit einem inkriminierten Schaden von 1,9 Millionen Euro zur Last. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld: „Mein bester Freund ist Priester. Ich mache keine kriminellen Sachen."

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© TT/Thomas Böhm

Wien – Weil er sich das Vertrauen einer leichtgläubigen älteren Dame erschlichen, die Verwaltung ihres Vermögens übernommen und die zu diesem Zeitpunkt 79-Jährige 2017 geheiratet haben soll, um endgültig Zugriff auf ihr Eigentum zu bekommen, hatte ein 38 Jahre alter Mann am Donnerstag am Wiener Landesgericht Erklärungsbedarf. Die Staatsanwältin legte ihm zahlreiche betrügerische Handlungen, Unterschlagung und Untreue mit einem inkriminierten Schaden von 1,9 Millionen Euro zur Last.

Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld: "Ich lüge keinen an. Ich bin katholisch erzogen. Mein bester Freund ist Priester. Ich mache keine kriminellen Sachen. Ich bin kein Verbrecher." Er habe seine Frau 2012 kennengelernt und zunächst als ihr Berater fungiert: "Wir sind uns mit den Jahren näher gekommen. Man baut eine Beziehung auf zu jemandem. Wir waren wie eine Familie." Die Witwe eines Bankdirektors habe ihn gebeten, ihr zu helfen: "Sie wollte ein aktives Leben führen." Er habe daher seine berufliche Tätigkeit aufgegeben, um sich voll und ganz auf diese neue Aufgabe konzentrieren zu können. "Ich liebe sie", betonte der Angeklagte. Es handle sich "aber um ein Mutter-Sohn-Verhältnis", präzisierte er.

"Er hat versucht, ihr den Lebensabend zu verschönern"

Nachdem der Versuch gescheitert war, sich von der vermögenden Witwe adoptieren zu lassen, heiratete er die um 44 Jahre ältere Frau. "Weil wir drei Jahre schikaniert worden sind", wie der 38-Jährige dazu einem Schöffensenat (Vorsitz: Thomas Spreitzer) erklärte. Die Behörden hätten ihrer Beziehung Steine in den Weg gelegt, der Erwachsenenvertreter der Witwe habe dieser monatlich läppische 470 Euro ausbezahlt. Das habe zum Leben nicht mehr ausgereicht, daher habe ihr Mandant eingegriffen, legte Verteidigerin Elisabeth Mace nach: "Er hat sich wirklich aufopfernd um sie gekümmert. Er hat versucht, ihr den Lebensabend zu verschönern. Er hat es nicht auf ihr Vermögen abgesehen gehabt."

Die zuständigen Behörden hatten die Pensionistin, die monatlich 8000 bis 10.000 an Mieteinnahmen aus mehreren Immobilien und Pensionszahlungen zur Verfügung hatte, für nicht mehr geschäftsfähig angesehen und ihr deshalb einen Vertreter in finanziellen Angelegenheiten zur Seite gestellt. 2018 wurde der Witwe eine leichtgradige Demenz bescheinigt, der Zustand der mittlerweile 82-Jährigen soll sich seither zusehends verschlechtert haben. Ihr Ehemann stellte das vor Gericht in Abrede. Erst nach dem plötzlichen Tod ihres Sohnes im Vorjahr sei sie "ein bisserl vergesslicher" geworden. Bis dahin habe sie alles Finanzielle mit ihm "beim Abendessen, beim Fernsehen besprochen. Es war nie meine Entscheidung".

Einkünfte der 82-Jährigen teilweise "verschleudert"

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Ihrer Darstellung zufolge soll der Angeklagte gezielte Schritte gesetzt haben, um sich zunächst als Vermögensverwalter und dann als Ehemann zulasten der 82-Jährigen zu bereichern. Ihre Einkünfte habe er teilweise "verschleudert", meinte die Staatsanwältin im Grauen Haus.

Doch der Mann soll nicht nur die Witwe geschädigt haben, indem er sich eine ihrer Wohnungen übertragen ließ, ihr unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Geld herauslockte und sie zum Abschluss eines Darlehensvertrages brachte. Auch mehrere Mieter der Frau dürfte der 38-Jährige über den Tisch gezogen haben, indem er den Mietzins in bar abkassierte und für sich behielt oder sich gleich auf sein eigenes Konto überweisen ließ. In einem Fall ließ er laut Anklage sogar die Türschlösser eines Mieters auswechseln und brachte sich in den Besitz dessen in der Wohnung befindlicher Wertsachen.

"Die ganze Anklage ist eine Fantasie"

Mit Fortdauer der Verhandlung reagierte der Angeklagte immer ungehaltener auf die Vorhalte. "Die ganze Anklage ist eine Fantasie", polterte er. Schließlich ließ ihn der Richter abführen - "zur Abkühlung", wie er betonte. Während dieses Zeitraums wurden erste Zeugen vernommen. Weitere werden beim nächsten Verhandlungstermin am 10. Juni befragt. Bis dahin will das Gericht klären lassen, ob die 82-Jährige vernehmungsfähig ist und damit für eine Zeugenaussage zur Verfügung steht. Auch der Angeklagte wird noch ein Mal ergänzt befragt werden. (APA)


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