Große Premieren im Akademietheater: Rot glänzend, in erhabenen Tönen

Vorhang auf am Burgtheater mit Thomas Bernhards „Die Jagdgesellschaft“ und Oscar Wildes „Bunbury“.

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Die Jagdgesellschaft schießt scharf mit den Worten des „österreichischen Nestbeschmutzers“ Thomas Bernhard.
© Susanne Hassler-Smith

Von Bernadette Lietzow

Wien – Genau genommen geht der Vorhang für die großen Premieren bis Ende Juni im Akademietheater hoch, da das Burgtheater umbaubedingt geschlossen ist. Dem „Hurra! Wir spielen wieder!“, zu lesen auf der Homepage, tut das keinen Abbruch.

Ein in begeistertem Applaus sich äußerndes „Hurra!“ gab es auch beim Publikum von Thomas Bernhards Drama „Die Jagdgesellschaft“, das am Mittwoch seine Premiere feierte. Zwei Stunden begibt man sich, zunehmend fasziniert, ganz tief hinein in Bernhards Kosmos, gehüllt in ein aufregend bizarres Gewand: Die deutsche Regisseurin Lucia Bihler, Jahrgang 1988, taucht Bernhards Sprachmacht in grelles Rot, ohne Kompromisse.

Die Jagdgesellschaft residiert in einem knallroten Puppenhaus mit zentralem Salon und Nebenräumen, von Badezimmer bis zu Schlachtraum (Bühne: Pia Maria Mackert). Hinter den hohen Fenstern des Hauses schneit es, Schaukelpferdchen, Gewehre und (lebende!) weiße Kaninchen sorgen für die Einfühlung in gediegene Ländlichkeit.

Hier residieren die Generalin (Maria Happel) und ihr Gatte. Der seit Stalingrad einarmige, unheilbar erkrankte und nahezu blinde General und Politiker (Martin Schwab) soll vor der Tatsache, dass sein riesiger Wald wegen Borkenkäferbefalls abgeholzt werden muss, geschützt werden. Während der General und seine gegen ihn intrigierenden Minister das unselige Mauschel-Österreich repräsentieren, teilt die Hausherrin mit dem omnipräsenten Dichter (Markus Scheumann) die Sehnsucht nach Höherem – und auch nach einander.

Frühbarocke Üppigkeit und roter Latex bestimmen die exquisiten Kostüme (Laura Kirst), eine Ästhetik, die an Caravaggio denken lässt. Eine Bewegungschoreografie irgendwo zwischen spanischem Hofzeremoniell und schrägem Ballett bebildert Bernhards ebenso wüste wie zärtliche Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Verfall.

Bihler steht ein fabelhaftes Ensemble zur Verfügung, das jeden Wort-Sinn auskostet. Zu erwähnen sind unbedingt Jan Bülow als unheimlicher, axtschwingender Holzknecht Asamer und Dunja Sowinetz in der Rolle der finsteren Köchin Anna. Großartig!

Weniger gelungen ist hingegen Oscar Wildes „Bunbury“ (Premiere am Montag, die TT besuchte die Folgevorstellung). Der italienische Regisseur Antonio Latella hat Wildes wunderbar vieldeutige Konversationskomödie rund um das Doppelleben der zwei Junggesellen Algernon (Tim Werths) und Jack (Florian Teichtmeister) in seinen teilweise durchaus amüsanten Einfällen gleichsam ertränkt.

Ferngesteuerte Ratten, edle bis schrille Kostüme (Graziella Pepe) und allerlei sportliche bis elegische Schritt- und Tanzeinlagen verlieren schnell ihren Reiz, die unzähligen Wiederholungen lassen den pointierten Text verblassen. Natürlich bekommen neben den Hauptdarstellern auch Regina Fritsch als Lady Bracknell sowie Andrea Wenzl (Cecily) und Mavie Hörbiger (Gwendolen) ihre Momente und darf Mehmet Atesçi eine ganz andere Gouvernante Miss Prism sein. Alles in allem aber ermüden Auge und Ohr sehr schnell. Schade.


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