Stadt in Angst: Hunderttausende auf der Flucht vor Vulkan Nyiragongo

In der Millionenstadt Goma spitzt sich die Lage am Vulkan Nyiragongo dramatisch zu. Fast eine halbe Million Menschen ist verzweifelt auf der Flucht. Viele Straßen und auch der Flughafen sind gesperrt - dazu droht eine tickende Zeitbombe im benachbarten Kivu-See.

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Der Vulkan Nyiragongo befindet sich im Virunga-Nationalpark, etwa 20 Kilometer nördlich der Großstadt Goma und nahe der Grenze zu Ruanda. Zuletzt brach er 2002 aus.
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Von Dido Kayembe und Ralf E. Krüger, dpa

Goma – Die Helferin Rachel Bernard ist verzweifelt. "Wir tun, was wir können, um jede Herausforderung zu meistern. Bei dieser Lage, die sich permanent ändert", seufzt die Leiterin des Internationalen Komitees vom Roten Kreutz (ICRC) in der Demokratischen Republik Kongo. Sie muss zugeben, dass die Situation in der Millionstadt Goma schwer zu meistern ist. Ein halbe Million Menschen ist auf der verzweifelten Flucht vor einem womöglich bevorstehenden Ausbruch des Vulkans Nyiragongo.

In gerade einmal 48 Stunden wurden nach ICRC-Angaben rund 550 Kinder in dem Fluchtchaos von ihren Familien getrennt. Diese hatten sich nach einem behördlichen Räumungsbefehl auf den Weg gemacht. Wohin? Einfach nur weg von der drohenden Gefahr - irgendwohin. Denn die Optionen sind nicht zahlreich: Der Flughafen gesperrt, eine wichtige Verbindungsstraße von der Lava blockiert - und der Seeweg über den benachbarten Kivu-See hochriskant. Denn am Boden schlummert hochgiftiges Methangas, das von der glühenden Lava freigesetzt zu werden droht. Eine solche Giftwolke wäre tödlich für alles, was sich im Umkreis befindet. Zudem werden die Erdstöße immer heftiger.

Ein halbe Million Menschen ist auf der verzweifelten Flucht vor einem womöglich bevorstehenden Ausbruch des Vulkans Nyiragongo.
© GUERCHOM NDEBO

"Die Gefahr einer erneuten Eruption ist real und die Angst greifbar: Alle fünf Minuten kann man Erdstöße in der Stadt spüren", berichtete der Rotkreuz-Manager Raphaël Tenaud. Und einige davon hatten es in sich.

Die Behörden vermuten, dass sich die Lava unterirdisch einen Weg unter die Stadt bahnt und bei jedem Erdstoß herausbrechen kann. Der Vulkan befindet sich im Virunga-Nationalpark, etwa 20 Kilometer nördlich der Großstadt und nahe der Grenze zu Ruanda. Zuletzt brach er 2002 aus. Lava zerstörte damals große Teile Gomas, rund 250 Menschen wurden getötet, 120.000 obdachlos.

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Eine Millionenstadt in Angst: Sollte der Vulkan erneut ausbrechen, droht eine Mega-Katastrophe mit verheerenden Auswirkungen. Selbst wenn sie vermieden wird: Die Frage, wie es nach der Flucht weitergehen soll, beschert den Mitarbeitern der Hilfsorganisationen schon jetzt ernste Sorgenfalten. Knapp tausend Häuser wurden zerstört, die Stromversorgung ist unterbrochen, und einer halben Million Menschen fehlt nach Rotkreuzangaben das Trinkwasser. Die Gefahr eines Cholera-Ausbruchs ist unter diesen Umständen groß.

Knapp tausend Häuser wurden zerstört, die Stromversorgung ist unterbrochen, und einer halben Million Menschen fehlt nach Rotkreuzangaben das Trinkwasser.
© MOSES SAWASAWA

Nach Angaben der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) werden noch immer Dutzende Menschen vermisst. Die Schließung der Flughäfen der betroffenen Grenzstadt Goma sowie der Nachbarstadt Bukavu erschwerten humanitäre Hilfsmaßnahmen. Drei Dörfer und ein Vorort von Goma wurden von der Lava zerstört. Zudem bleiben viele Kinder orientierungslos zurück. "Unsere Teams stoßen in den Unterkünften auf unbegleitete Kinder – Mädchen und Buben, die Gefahr laufen, missbraucht oder ausgebeutet zu werden, wenn sich niemand um sie kümmert", warnte der Länderdirektor der Kinderhilfsorganisation Save the Children, Amavi Akpamagbo.

Nach der Eruption des Vulkans am vergangenen Samstag hatten Einwohner ihre Häuser in Panik verlassen und waren über die Grenze ins benachbarte Ruanda geflohen. Ein Teil der Lava hatte sich Richtung Goma gewälzt, stoppte dann aber 300 Meter vor dem Flughafen der Grenzstadt.

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"Diese jüngste Krise übt noch mehr Druck auf die ohnehin schon angespannten Ressourcen der Regierung und der Hilfsorganisationen in der Demokratischen Republik Kongo aus", meint Akpamagbos Kollege Niyonzima. Immerhin verzeichnet die Demokratische Republik Kongo mit rund 5,2 Millionen Binnenvertriebenen die höchste Vertriebenenzahl in einem Land auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Lage sei völlig unübersichtlich. "Aber bereits jetzt müssen wir gerade Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen unter die Arme greifen, da sie sich nicht allein versorgen können und die staatlichen Strukturen mit der derzeitigen Situation überfordert sind", sagte der Leiter der Afrikaabteilung von Malteser International, Roland Hansen, laut Kathpress.


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