Mazda MX-30: Sparsam fährt am längsten

Städtischer Praxistest mit Mazdas Stromer MX-30: So viel Reichweitenplus lässt sich mit sanftem Drive einfahren.

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Spar-Duell: Der Mazda MX-30 beweist im Großstadt-Verkehr, wie effizient es sich mit E-Antrieb cruisen lässt.
© Mazda

Von Stefan Pabeschitz

Wien – Mazda gibt Gas – zumindest beim Neuwagenabsatz: Die Japaner liegen heuer beim Doppelten des 30-Prozent-Zuwachses, mit dem der sich gut erholende Automarkt bis dato insgesamt floriert. In den nächsten zwölf Monaten werden zwei Plug-in-Hybride und ein Vollhybrid die Palette ergänzen. 2022 startet außerdem eine neue Motorengeneration, mit der auch Fans der klassischen Antriebe Freude haben werden – sie wird einen Reihen-Sechszylinder-Benziner und -Diesel bringen.

Bevor es so weit ist, heißt es erst einmal die Möglichkeiten der Gegenwart ausschöpfen. Mazdas elektrisches SUV-Crossover MX-30 tritt an, um zu beweisen, wie weit sich der Stromverbrauch in der City mit einem Samt-Fuß am Pedal drücken lässt. Seit September letzten Jahres ist der kompakte Stromer dort aufgestellt, wo E-Mobilität Sinn macht und wofür sie am besten taugt: Im urbanen Großraum, der weder überbordende Leistung noch extreme Reichweiten verlangt, dafür aber Vielseitigkeit, Lifstyle und maximalen Alltagskomfort. Die dafür ausreichende Batteriekapazität von 35,5 kWh treibt das Fahrzeuggewicht nicht unnötig hoch, was erst wieder mehr Leistung und Verbrauch bedingen würde. 145 PS und 265 Newtonmeter Drehmoment reichen dem MX-30 daher, um in einem verbrennerähnlichen Leistungsspektrum unterwegs zu sein. 19 kWh beträgt der WLTP-Konsum, was etwa 200 Kilometer Reichweite ergibt. Im Stadtverkehr mit erhöhter Rekuperationsleistung aus den Bremsen sind laut Katalog bis zu 60 Kilometer mehr drin – hält dieses Versprechen in der Praxis?

Als Testgelände wurde die Wiener City auserkoren – der Großstadtverkehr mit viel Stop-and-go soll das Maximum an Energieeffizienz ausreizen. Womit ein großer Unterschied zu herkömmlichen Antrieben genannt ist: Bei ihnen erhöht sich der Verbrauch innerstädtisch, wogegen ein E-Fahrzeug genau hier seine Stärken ausspielen kann. Die Verbrauchsanzeige beim Start der Tour widerspricht dem erst einmal: Über 35 kWh mahnen zu friedfertigster Pedalbedienung – die sich aber rasch auszahlt.

Der Watt-Durst sinkt laufend und schärft zugleich die Aufmerksamkeit für topografische Feinheiten: Der bergab führende Schottenring ermöglicht sanftes Gleiten, schon purzeln wieder ein paar Kommastellen an der Anzeige, den ebenen Franz-Josefs-Kai entlang einige weitere. Dass Stuben- und Parkring leicht ansteigend sind, ist bisher nie aufgefallen – jetzt kostet es wieder ein bisschen des teuer ersparten Stroms. Unfair schleichen gilt aber nicht, das Tempolimit wird laufend gehalten. Nur die Klimaanlage, die normalerweise etwa 15 bis 20 Prozent des Gesamtverbrauchs ausmacht, bleibt aus – zumindest in diesem frischen Frühling kein Drama.

Rote Ampeln vorausschauend anzubremsen zahlt sich ebenfalls aus, eine grüne Welle ist für den Spargedanken dagegen eher hinderlich – wehe, die Verkehrsplaner kriegen das spitz! Regen ist auch schlecht – wegen des höheren Roll- und Luftwiderstandes, dazu saugt der Scheibenwischereinsatz zusätzlich Saft aus den Akkus. Am Ende pendelt sich der Verbrauch aber sehr beachtlich bei unter 12 kWh ein – gut 40 Prozent geringer als die WLTP-Angabe, der Bestwert liegt gar bei 10,6 kWh. Rechnerisch ergäbe das 280 bis 290 Kilometer City-Reichweite – für die meisten, die nur dort unterwegs sind, wohl eine gute Wochen-Distanz.

Einziger Wermutstropfen: Mazda hat den MX-30 mit vielen feinen Fahrdynamik-Talenten ausgestattet, die bei dieser Betriebsart gar nicht zum Einsatz kommen. Eine Runde auf dem fast leeren Ring bei Nacht könnte das ausgleichen, der Strom-Mehrverbrauch dafür lässt sich ja später wieder einsparen.


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