„Katja Kabanowa“: Bitteres Schicksal, zum Heulen schön

Spät, aber doch noch schaffte es „Katja Kabanowa“ vor Publikum ins Landestheater. Ein mitreißender Abend.

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Eine Liebe ohne Chance. Boris (Rafał Bartmin´ski) und Katja Kabanowa (Anna-Maria Kalesidis).
© TLT/Birgit Gufler

Von Markus Schramek

Innsbruck – Die ganze Lockdown-Malaise zeigt sich schmerzlich am Beispiel von „Katja Kabanowa“ am Tiroler Landestheater. Diese Oper von Leoš Janácˇek erlebte vor Urzeiten, letzten November, eine Geisterpremiere im leeren Großen Haus. Jetzt, nach dem späten Wiederaufsperren, kann nur noch eine größere Handvoll Karteninhaber an drei Abenden live dabei sein. Was für ein Jammer!

Donnerstagabend wurde „Katja Kabanowa“ in der Regie von Hermann Schneider, dem Intendanten des Landestheaters Linz, erstmals einem Publikum serviert – und zwar so: fesselnd, ergreifend, zu Tränen rührend.

Stofflich taugt Katjas Leidensgeschichte ja nicht gerade zum Stimmungsaufheller: Dramatik pur unterbrochen nur von kurzen Phasen trügerischen Glücks. Die verheiratete Katja verliebt sich in einen anderen, Boris, wohl auch als Folge jener Eiseskälte, die sie in ihrem biederen Zuhause erfährt. Ihr Angetrauter Tichon säuft und schlägt zu, aufgestachelt von seiner bösartigen Mutter Marfa, aus deren Fuchtel sich der Waschlappen-Sohn nicht befreien kann. Marfa traktiert ihre Schwiegertochter Katja auf das Gemeinste.

Als neutraler Zuseher kann man gar nicht anders, als für Katja Partei zu ergreifen. So ein elendes Leben hat niemand verdient. Nützt aber alles nichts. Natürlich fliegt die geheime Liebschaft auf. Boris macht sich auf ins ferne Sibirien. Statt Katja mitzunehmen, überlässt er sie ihrem (tragischen) Schicksal.

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Anna-Maria Kalesidis in der Titelpartie ist Katja zu 100 Prozent: hoffend und verängstigt, verzweifelt und ausgelassen, mit einem vielseitigen Sopran quasi für jede Lebenslage. Camilla Lehmeier ist ihr in der Rolle der Barbara eine Verbündete und Vertraute, als Pflegetochter im Hause Kabanowa schert sie sich wenig um Konventionen.

Tenor Rafał Bartmin´ski, ein Baum von einem Mann, wirbt feurig entflammt und fallweise ganz schön lautstark um die zögerliche Katja, wissend, dass diese Amour eine mit dem Zusatz „fou“ ist.

Susanna von der Burg, in der Komödie „Der süßeste Wahnsinn“ eben noch gut aufgelegt dahinblödelnd, kehrt als Schwiegermutter Marfa das Böseste hervor – wirklich furchteinflößend. Roman Payer als ihr Sohn Tichon macht, hin- und hergerissen, schließlich doch den Diener vor der Frau Mama.

Vorangetrieben wird das (böse) Treiben von der wunderbaren Musik von Herrn Janácˇek. Lyrische Momente mit süßem Streicherschmalz lassen glauben, dass alles doch noch gut werde. Ein paar Takte später ändert sich der Grundton auf Dunkelschwarz, unheilvoll (wie auch der wolkenverhangene Bühnenhintergrund). Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter Lukas Beikircher liefert als starke Einheit den perfekten Soundtrack eines Beziehungsdramas, das mitreißend gesungen – und auch geschauspielert wird.

Schade um die vielen entfallenen Aufführungen. Virus, sei in Zukunft bitte gnädig mit uns Opernfreunden.


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