Innsbrucker Wochenendgespräche: Anregendes Kratzen an der Oberfläche

In Innsbruck wurde am Wochenende über die Beziehung von Film und Literatur diskutiert.

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Kathrin Resetarits, Händl Klaus und Kurt Palm debattierten bei den 43. Innsbrucker Wochenendgesprächen über Literatur und Film.
© Sunny Rabl

Innsbruck – Literatur und Film. Das war das Thema der Innsbrucker Wochenendgespräche, die am vergangenen Freitag und Samstag zum 43. Mal stattfanden. Corona-bedingt in Form von Livestreams. Ein einfaches Thema, möchte man meinen: Zwei Trägermedien für Geschichten; zwei Ansätze, mit der Welt zu Rande zu kommen; zwei Erfahrungsräume, die sich seit einem Jahrhundert gegenseitig Licht für ihre besonders dunklen Ecken spenden. Texte werden für Film und Fernsehen adaptiert. Und filmisch geschrieben wurde schon lange vor der Erfindung des Kinos. Auch darüber wurde geredet. Und über Film als Massenmedium für einen mitunter globalen Markt, als populäres, aber teures Kunstgewerbe und ideologischer Spielplatz, als Möglichkeit der Verlustierung und als Chance, sich zu finden. Kurzum: ein tückisches Thema für die Diskutantinnen und Diskutanten.

Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Kathrin Resetarits machte sich beherzt für ein Denken abseits plotgetriebener Schablonen stark, Clemens Aufderklamm ermöglichte Einblicke in die „Writer’s Rooms“ von Seifenopern; Herbert J. Wimmer zeichnete nach, wie Kunstkino sein Schreiben auf den Weg brachte – und beklagte Synchronisationssünden; Lorenz Langegger erzählt, wie man zufällig zum „Tatort“ kommt; Kurt Palm verlor über die Verfilmung seines Krimis „Bad Fucking“ keine bösen und über Andy Warhols „Empire“ wunderschöne Worte; Dimitré Dinev sinnierte über Übersetzung, Adaption – und Kunst als Brotberuf in Krisenzeiten. Händl Klaus, der für die Bühne und seine eigenen Filme schreibt, führte aus, was, warum jeder Stoff nach seiner eigenen Form sucht – und warum das Suchen nicht aufhört, wenn etwas gefunden wurde. Und Thomas Ballhausen – Dichter und Filmwissenschafter – half kundig aus, wenn die Begriffe Gefahr liefen, sich im Unscharfen zu verlieren.

Moderator Peter Stefan Jungk – Schriftsteller und Dokumentarfilmer – hakte nach, ruhig, beharrlich, bisweilen mit leise ironischen Spitzen. Auch deshalb kamen die Diskussionen auf anregende Abwege. An den schmucken Oberflächen des Naheliegenden wurde gekratzt – und weitergedacht. (jole)

Wochenendgespräche

Die Mitschnitte der 43. Innsbrucker Wochenendgespräche sind unter https://go.tt.com/3uzL663 abrufbar.

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