Verschwörungstheorien durch Corona extremer, Chance für Rechtsextreme

Insbesondere Rechtsextreme würden Verschwörungstheorien und Ängste, die aus verschiedensten Teilen der Gesellschaft kommen, für sich nutzen, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag. Gegen den gefährlichen Trend ist nun unter anderem eine Informationsoffensive geplant.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Manuel Scherscher, Leiter der Initiative Gemeinsam.Sicher im Bundeskriminalamt, Innenminister Karl Nehammer, Kanzleramtsministerin Susanne Raab und Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sektenfragen informierten am Montag über „Das Phänomen Verschwörungstheorien in Zeiten der COVID-19-Pandemie".
© HERBERT-PFARRHOFER

Wien – Verschwörungstheorien sind seit der Corona-Krise nicht nur häufiger, sondern sie werden auch extremer und irrationaler. Diesen Befund gab Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sektenfragen bei einer Pressekonferenz Montagvormittag. Aktuell werden vor allem Gefahren für Kinder thematisiert. Kanzleramtsministerin Susanne Raab (ÖVP) warnte davor, die Entwicklung nicht zu unterschätzen. Laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sehen Rechtsextreme eine Jahrhundertchance.

📽️ Video | Statement von Ulrike Schiesser (Bundesstelle für Sektenfragen):

Abstruse Theorien mit häufig antisemitischem Kern

„Besonders gefährlich" ist die Entwicklung für Raab auch, weil „abstruse Theorien" etwa zu Impfungen, Masken und Testungen „häufig mit antisemitischem Kern" versehen seien. Die Erstürmung des Kapitol in den USA zeige ebenso, wie ernst man die Sache zu nehmen habe, wie auch die Pläne einer ausgehobenen Gruppe in Österreich, Angriffe auf die Polizei zu starten.

📽️ Video | Statement von Kanzleramtsministerin Susanne Raab:

TT-Geburtstag: Jetzt eine von 76 Torten gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet automatisch.

Innenminister Nehammer versicherte, dass man entschlossen gegen entsprechende Bewegungen vorgehen werde. Die entsprechenden Gruppen würden identifiziert und infiltriert. Manuel Scherscher, Leiter der Initiative Gemeinsam.Sicher im Bundeskriminalamt, kündigt auch eine Informationsoffensive an. Diese beinhalte eine Aufklärungskampagne in Sozialen Medien, Sicherheitsstammtische mit Bürgerbeteiligung, eine Broschüre, die in allen Polizeistellen aufliege, und eine intensivierte Zusammenarbeit mit der Wissenschaft in Sachen Fake News.

📽️ Video | Statement von Manuel Scherscher (Leiter der Initiative Gemeinsam.Sicher im Bundeskriminalamt):

Verschwörungstheoretiker „aus der Mitte der Gesellschaft."

Zum Stand der Dinge erläuterte Schiesser, dass die Gruppe der Verschwörungstheoretiker sich durch Heterogenität auszeichne: „Menschen, die an Mythen glauben, sind aus der Mitte der Gesellschaft." Darunter seien auch viele Personen, die aus dem unpolitischen oder links-alternativen Sektor stammten. Manchmal gebe es auch eine Affinität zur Esoterik.

Nehammer verwies darauf, dass sich alte und neue rechtsextreme Gruppen dieser Ängste bemächtigten. Raab hält es für besonders gefährlich, wenn solche Verschwörungstheorien auch noch von politischen Parteien befeuert werden. Es würden Zweifel an Wissenschaft, demokratischen Organen und etablierten Medien gesät. Hier würden die Grundsäulen der Demokratie angegriffen.

📽️ Video | Statement von Innenminister Karl Nehammer:

Was es schwierig mache, mit den Verschwörungstheoretikern umzugehen, sei, dass es sich um ein pseudo-religiöses Weltbild handle, das durch Argumente nicht angreifbar sei, erläuterte Schiesser. Für den Umgang mit diesen Personen empfiehlt sie einen menschlichen Zugang zu erhalten. Gleichzeitig gelte es aber, ganz klar Position zu Mythen und Rechtsextremismus zu beziehen.

Dabei ist für Schiesser nicht jede Skepsis in der Krise gleich eine Verschwörungstheorie. Wer etwa wegen eines erst vor kurzem entwickelten Impfstoff Sorge habe, gehöre nicht in diese Gruppe.

FPÖ nimmt Corona-Maßnahmen-Kritik in Schutz

Die FPÖ rückte flott aus, um die Corona-Maßnahmen-Kritiker in Schutz zu nehmen. „Wer Kritiker der Corona-Maßnahmen zu Leugnern, Spinnern, Rechtsextremen und Neonazis abstempelt, offenbart damit sein eingeschränktes Verständnis von Demokratie und Meinungsvielfalt", erklärte Verfassungssprecherin Susanne Fürst in einer Aussendung. Einziges Ziel sei es offenbar, die Kritiker der Regierungslinie mundtot zu machen. (APA)


Kommentieren


Schlagworte