Landespreis für zeitgenössische Kunst geht an Katharina Cibulka

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Cibulka arbeitet vornehmlich im öffentlichen Raum.
© Cibulka

Innsbruck – Der Preis für zeitgenössische Kunst, vergeben seit 1996 vom Land Tirol, geht 2021 an die Innsbrucker Künstlerin Katharina Cibulka. Der mit 5500 Euro dotierte Hauptpreis wird ihr im Herbst offiziell übergeben. Die diesjährigen Förderpreise (dotiert mit jeweils 2550 Euro) gehen an Margarethe Drexel, Annelies Senfter und Bernhard Hetzenauer. Mit der Preisvergabe unterstütze das Land Tirol „die Werdegänge von Kunstschaffenden und fördere damit auch den kritischen Diskurs“, so Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) anlässlich der gestrigen Preisbekanntgabe.

Katharina Cibulka, die ihr Studium u. a. bei Carola Dertnig in Wien absolviert hat, lebt und arbeitet heute vornehmlich in Tirol. Am liebsten im öffentlichen Raum: Ihre Interventionsreihe „Solange“, in Baustellen-Staubschutznetze geknüpfte, kritisch-feministische Botschaften, hingen schon am Innsbrucker Dom, in Rabat oder Ljubliana. (TT)

Kopf des Tages: Fragenstellerin im öffentlichen Raum

Ihre Kunst erscheine „als schöner Finger, der sich immer wieder auf Wunden legt, damit wir uns deren Ursachen endlich annehmen“, heißt in der Jurybegründung zum heurigen Hauptpreis für zeitgenössische Kunst des Landes Tirols. Vergeben wird dieser 2021 an die Innsbrucker Künstlerin Katharina Cibulka. Dass sie mit ihrem Œuvre eine konsequent feministische, politische Agenda verfolgt und ihre Werke auch unangenehme Fragen stellen, zeigt Cibulka aktuell: An der Medizinischen Universität prangt seit April ein pinker Schriftzug, in dem die fehlende Diversität in der Medizin formschön angeklagt wird.

Es ist bereits das 16. handbestickte Baustellen-Staubschutznetz, das aus Cibulkas Reihe „Solange“ hervorgeht. Initiiert hat sie das „Projekt über den Mythos der erreichten Gleichberechtigung“ schon 2016. Bereits vorher hatte sie den öffentlichen Raum als idealen Arbeitsraum entdeckt, Installationen wie ihr „Dürer Blick“ im Waltherpark, ein begehbarer Bilderrahmen, gehören längst zum heimischen Stadtbild.

Zur Kunst gekommen ist Cibulka eigentlich über den Film. Als Kamera- und Regieassistentin arbeitete sie im ORF u. a. bei Elizabeth T. Spiras „Alltagsgeschichte“ mit. Mit 29 dann der Start des Kunst­studiums in Wien, das sie bei der Tirolerin Carola Dertnig abschließt. Zurück in Innsbruck ist Cibulka auch im Vorsitz der Tiroler Künstler:innenschaft aktiv.

Aktuell ist die „Solange“-Reihe das zentrale „work in progress“ der Künstlerin. Seit gestern ist ihr erstes neuproduziertes Netz in Südtirol (an der Festung Franzensfeste) zu sehen. Ein weiteres folgt am Turm der Stadtpfarrkirche in Klagenfurt – eine durchaus mutige Botschaft, verrät Cibulka, die dieses Mal sogar direkt von der Kirche komme. „Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist“, stand 2018 am Innsbrucker Dom in 91 Zentimeter großen Lettern. Welche Botschaft Klagenfurt sendet, wird morgen enthüllt. (bunt)


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