Ministerin Schramböck zu Besuch in Tirol: „Stärker aus der Krise kommen“

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck drängt auf entschiedeneren EU-Kurs zum Standort-Schutz.

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Die Familie Felder freute sich über den Besuch von Ministerin Margarete Schramböck (M.), LR Anton Mattle (2. v. l.) und Halls BM Eva Posch.
© TT/Müllner

Innsbruck, Hall – Firmenbesuche bei Felder in Hall sowie Holzknecht im Sellrain standen gestern auf dem Tirol-Besuchsprogramm der Ministerin. Ziel der Politik sei es gewesen, die Corona-Folgen abzufedern und dafür zu sorgen, dass Österreichs Wirtschaft sogar stärker aus der Krise herauskommen könne, so Schramböck gegenüber der TT. Neben anderen Hilfen sei vor allem die Investitionsprämie dafür ein besonders gutes Instrument. „Das Programm ist ein Renner und einzigartig in Europa, andere Länder beneiden uns darum.“

Alle förderwürdigen Anträge in Höhe von insgesamt 7,8 Mrd. Euro seien bearbeitet, davon entfallen allein 775 Mio. Euro auf Tirol, sagt Schramböck. 94 Prozent aller Anträge mit 80 Prozent des gesamten Förder-Wertes seien von Klein- und Mittelbetrieben gekommen. Ein Zukunfts-Schwerpunkt sei auch der Fachkräftemangel. Derzeit gebe es in Österreich 177.000 offene Stellen. Pro Lehrling gebe es zurzeit fünf bis sechs offene Lehrstellen, nur in Wien sei die Situation umgekehrt. Mit dem Lehrlingsbonus habe man auch 2700 Lehrstellen in Tirol gefördert. Einen Schwerpunkt will Schramböck (neben der Lehre mit Matura) vor allem für die Lehre nach der Matura setzen. „Das ist in verschiedensten Berufen eine Garantie für eine Karriere.“ In Deutschland würden 30 bis 40 Prozent der AHS-Maturanten eine Lehre beginnen, in Österreich ein verschwindend geringer Anteil. Dazu werden berufliche Kurse nach der Lehre unter der Marke „Höhere Berufsbildung“ neu gestaltet. Forcieren will die Ministerin auch neue Formen der hochschulischen Weiterbildung mit dem Abschluss Bachelor oder Master Professional. Die Lehre für Erwachsene (etwa im Pflegebereich) stehe ebenso auf der Agenda. Der Fachkräftemangel sei nicht nur mit Jungen lösbar. Alle ca. 200 Lehrberufe sollen spätestens alle fünf Jahre modernisiert werden.

Ministerin Margarete Schramböck plant eine Lehr-Offensive.
© Böhm

Gemeinsam mit der Wirtschaftsministerin besuchte auch Wirtschaftslandesrat Anton Mattle die Firma Felder. Dabei stand die Felder-Lehrwerkstätte im Fokus. „Mir geht es darum, dass die Lehre dieselbe Anerkennung erfährt wie die Schulbildung“, betonte Mattle. Denn überall dort, wo die duale Ausbildung angeboten werde, sei traditionell die Jugendarbeitslosigkeit niedrig. Wichtig sei für die Zukunft, dass die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Ausbildungswegen gegeben ist, so Mattle.

Die Trump-Jahre, der wachsende Einfluss Chinas und die Corona-Krise hätten die Bedeutung des Standort-Schutzes für Europa und Österreich noch verstärkt, betont Schramböck. Das reiche von IT, Pharma bis hin zu vielen Technologiebereichen. Die EU müsse hier „statt naiv noch viel entschiedener“ auftreten. Es müsse mehr europäische Lösungen wie beim fixierten Penicillin-Ausbau in Kundl geben. Österreich habe ein Investitions-Kontrollgesetz, um wichtige Bereiche zu schützen. Neue Staatsbeteiligungen sieht Schramböck kritisch, da gebe es wie bei der AUA bessere Lösungen wie Haftungen oder Stundungen. (va/hu)


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