Wacker-Vorstand wehrt sich gegen Vorwürfe und rechnet mit Investor ab

Nach der gestrigen Abberufung der drei Geschäftsführer Dennis Aogo, Jens und Dennis Duve ging der Vereinsvorstand des FC Wacker heute an die Öffentlichkeit. Eine weitere Zusammenarbeit mit Investor Matthias Siems sei nicht mehr vorstellbar.

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Über dem Tivoli-Stadion ziehen – wieder einmal – dunkle Wolken auf.
© gepa steiner

Innsbruck ‒ Die Vorstände des FC Wacker wehrten sich am Dienstag bei einem Pressetermin gegen die Vorwürfe von Seiten des Investors und den drei am Vortag ‒ die TT berichtete ‒ abberufenen Geschäftsführern Dennis Aogo, Jens und Dennis Duve. „Die letzten Tage waren nicht einfach“, erklärte Vorstandssprecher Felix Kozubek und sprach hochemotional von einer „Schmutzkübelkampagne.“

Aktuell schulde der Investor dem Verein einen hohen sechsstelligen Betrag. Der schwarzgrüne Vorstand will nun mit vier Maßnahmen reagieren: Der schon vollzogenen Abberufung der drei Geschäftsführer, ein Rücktrittsangebot des Vorstandes, unter der Voraussetzung, dass der Investor seinen Pflichten nachkommen würde, das Zulassen einer unabhängigen Wirtschaftsprüfung und juristische Schritte gegen die Vorwürfe von „finanziellen Unregelmäßigkeiten“.

Die Vorstandsstatements:

… zur generellen Situation:

„Wir möchten uns in aller Form bei den Fans und Mitgliedern des FC Wacker Innsbruck entschuldigen. Wir haben leider einen Investor an Bord geholt, der seit einem Jahr nicht pünktlich, nicht vollständig und nicht ausreichend bezahlt und damit seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. All das, trotz eines gültigen Vertrags. Stetige neue Ausreden und Forderungen, die erst erfüllt werden müssten, bevor Geld fließt, haben unseren Verein im Frühjahr in arge Bedrängnis gebracht. So stark, dass teilweise Gehälter von Spielern, Aufwandsentschädigungen für Nachwuchstrainer und offene Rechnungen nicht oder zu spät bezahlt werden konnten.

Wir haben uns für diesen Investor entschieden. Unsere Aufgabe ist es nun, sämtlichen finanziellen Schaden vom Verein abzuhalten und eine Lösung im Sinne einer gesicherten Zukunft für unseren FC Wacker Innsbruck herbeizuführen. Es geht nicht um Personen, sondern um nichts weniger als Vertragstreue und unseren einzigartigen Tiroler Traditionsverein."

… zur medialen Diskussion:

„Eine Schlammschlacht, wie sie in den letzten Tagen von der ehemaligen Geschäftsführung gestartet wurde, hat es bei unserem FC Wacker Innsbruck noch nicht gegeben. Dieser Stil ist schockierend. Wenn Vorwürfe ohne Beweise an die Öffentlichkeit getragen werden, dann ist das kein Wunsch nach Transparenz, sondern einzig und allein diffamierend und unprofessionell. Wir verstehen jeden Fan, der über diese Vorgehensweise, die den Namen seines Herzensvereins beschädigt, enttäuscht ist. Wir werden alles dafür tun, rasch eine Lösung herbeizuführen und dieses Spiel zu beenden.“

„Müssen uns bei Mitgliedern entschuldigen"

„Wir als Vorstand müssen uns bei den Mitgliedern entschuldigen, wir haben einen Investor, der so handelt, an Bord geholt“, meinte Kozubek. Und weiter: „Eine Zusammenarbeit mit diesem Herren können wir uns nicht vorstellen.“

Nun wird offenbar nach einer raschen Lösung gesucht. Als Zukunftsszenarien wurden drei Möglichkeiten genannt: dass der Investor seinen Verpflichtungen nachkomme, dass sich ein alternativer Partner finde und bis dahin eine Überbrückungsfinanzierung erfolgt, sowie eine drastische Budgetkürzung samt einer Gesundschrumpfung des Vereins.

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📽️ Video | Konflikt bei FC Wacker spitzt sich zu:

Aogo und Duve: Vorwurf der Schmutzkübelkampagne „absurd"

Das abberufene Geschäftsführung meldete sich am späten Dienstagnachmittag via einer Aussendung an die Medien zu Wort. „Wir haben am vergangenen Freitag volle Transparenz und schlicht eine Prüfung durch unabhängige Dritte gefordert. Dem will der Verein jetzt nachkommen. Damit ist unsere Forderung erfüllt", erklärte darin Aogo. Die Vorwürfe einer Schmutzkübelkampagne seien „absurd. Wir haben niemanden persönlich beschuldigt oder angeklagt. Tatsächlich wurden wir heute namentlich beschuldigt. Wir haben nur auf Aufklärung gepocht. Dass man direkt danach abberufen wird und sich solche Vorwürfe anhören muss, ist schon erstaunlich", erklärte Aogo.

Jens Duve betonte die Notwendigkeit einer schnellen Klärung der Vorstandsfrage. „Eine außerordentliche Mitgliederversammlung, wo die Mitglieder einen neuen Vorstand wählen können, dem sie den nächsten großen Schritt zutrauen, ist wohl für alle das Beste", wurde Duve zitiert. „Aber es geht auch darum, jetzt wieder schnell arbeitsfähig zu werden." (tw, TT.com)

Die vier Maßnahmen des FC Wacker

1.Abberufung Geschäftsführung der FC Wacker Innsbruck GmbH

Die drei, vom Investor gewünschten Geschäftsführer, Jens Duve, Dennis Duve und Dennis Aogo wurden per Gesellschafterbeschluss vom 30.05.2021 von der Geschäftsführung der FC Wacker Innsbruck GmbH abberufen. Die Gründe dafür lauten:

  • Handlungsfähigkeit: Da die Kommunikation zwischen Vorstand und Geschäftsführung in den letzten Wochen ausschließlich via Anwalt möglich war und mehrere operative Meetings von der Geschäftsführung abgesagt wurden, war das komplette operative Geschäft blockiert. Wichtige Entscheidungen wie ausstehende Zahlungen an Lieferanten oder Kaderplanung waren nicht mehr möglich.
  • Gefahr in Verzug: Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über die FC Wacker Innsbruck GmbH würde dem Investor den sofortigen Ausstieg aus dem Investitionsvertrag ermöglichen. Da in den letzten Wochen längst überfällige Rechnungen von Lieferanten nicht beglichen wurden, war Gefahr in Verzug, dass eine mögliche Insolvenz schlagend geworden wäre.
  • Interessenskonflikt: Seit der Berufung in die Geschäftsführung erweckten einige Handlungen der drei Geschäftsführer den Eindruck, dass eher die Interessen des Investors, anstatt jene der FC Wacker Innsbruck GmbH vertreten wurden (u.a. offene Zahlungen des Investors wurden nicht eingeholt, trotz Aufforderung)

2.Rücktritt des Vorstands, wenn Gelder besichert vorliegen

Der aktuelle Vereinsvorstand hat dem Investor des FC Wacker Innsbruck via Anwaltsschreiben seinen statutenkonformen Rücktritt bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung angeboten. Dieser Rücktritt erfolgt, wenn der Investor seinen vertraglich und schriftlich gesicherten Leistungen nachkommt.

Das heißt im Detail, der Rücktritt erfolgt, wenn

  • … sämtliche offenen Zahlungen innerhalb einer Siebentagesfrist,
  • … die anstehenden Zahlungen bis zur ordentlichen Generalversammlung termingerecht geleistet werden
  • … und für die vertraglich bzw. schriftlich zugesicherten Zahlungen, die zeitlich darüber hinaus gehen (Anm. Zahlungen für laufendes Geschäft und Trainingszentrum) mittels Bankgarantie oder Überweisung auf ein Wacker-Konto eingehen.

Insgesamt geht es dabei um eine Summe im zweistelligen Millionenbereich. Sowohl für das laufende Geschäft als auch in Sachen Trainingszentrum.

3.Wirtschaftsprüfung

Eine Wirtschaftsprüfung, wie von der alten Geschäftsführung in einer Pressekonferenz gefordert, wird selbstverständlich eingesetzt. Die von der alten Geschäftsführung, ohne Beweise, angeführten Vorwürfe sollten damit schnellstmöglich entkräftet werden. Der Verein wird jährlich mehrmals geprüft. Seit Jahren wird der Vereinsführung dabei ein gutes Zeugnis ausgestellt.

4.Juristische Prüfung

Die von der alten Geschäftsführung initiierte Schmutzkübelkampagne, die sowohl den Namen des FC Wacker Innsbruck als auch jenen der handelnden Personen diffamiert und beschädigt, wird zur Stunde geprüft. Rechtliche Schritte wegen Rufschädigung sind dabei nicht ausgeschlossen.

Zukunftsszenarien

  • Der Investor kommt seinen Verpflichtungen nach und beweist, dass er es mit dem FC Wacker Innsbruck ernst meint
  • Es finden sich alternative Partner. Sollte dies nicht zeitnahe möglich sein, braucht es eine Überbrückungsfinanzierung
  • Das Budget muss drastisch gekürzt werden und der Verein, wie nach dem Abstieg, gesundschrumpfen

📽️ Video | Die Pressekonferenz des FC Wacker


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