Wolfsrisse in Tirol: Absage an Wunsch nach schnelleren DNA-Analysen

Das Land Tirol meldet mehrere Schafrisse in Umhausen. Die Auswertung der Proben wird auch in Zukunft mindestens zehn Tage dauern.

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Ein junger Wolf ist von Graubünden über Südtirol bis ins Pitztal gezogen. Ob er in Tirol Tiere gerissen hat, lässt sich noch nicht nachweisen. (Symbolfoto)
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Umhausen, Innsbruck –Es sind insgesamt zehn tote Schafe im Gemeindegebiet von Umhausen, die derzeit die Experten des Landes Tirol und das Labor der Veterinärmedizinischen Universität in Wien beschäftigen. Aufgrund der Anzahl der Risse sei davon auszugehen, dass ein Großraubtier dafür verantwortlich ist, heißt es in einer Aussendung des Landes. Gewissheit wird man allerdings erst haben, wenn die DNA-Auswertung in Wien abgeschlossen ist.

Nach jedem Riss mit Verdacht auf einen großen Beutegreifer werden mehrere Tupferproben von den gerissenen Tieren genommen. Ziel ist es dabei, Spuren von DNA zu erhalten, die auf den Verursacher schließen lassen. Im Zentrum des Interesses stehen dabei Zellreste aus der Maulschleimhaut, die der Beutegreifer an dem gerissenen Tier hinterlässt – zumindest hoffen die Spezialisten in Wien, diese zu finden und schließlich zuordnen zu können.

Kritik an langer Zeitspanne

Doch genau hier setzt die Kritik des Vereins „Alm ohne Wolf“ und der Tiroler Schaf- und Ziegenbauern an. Diese haben, wie berichtet, zuletzt gefordert, dass die DNA-Auswertung deutlich beschleunigt werden müsse, um früher zu wissen, ob sich ein Wolf in der Gegend aufhält. Die Dauer der Auswertung liegt derzeit bei zehn Werktagen ab Einlangen der Proben. Zeitlich hinzugerechnet werden muss außerdem noch die Dauer der Entnahme der Probe sowie die Zeit des Transports nach Wien.

„Wir würden uns auch wünschen, dass das schneller geht“, heißt es dazu aus dem Büro des für Landwirtschaft, Jagd und Veterinärwesen zuständigen LHStv. Josef Geisler (ÖVP). Wenn bei einem Riss ein Verdacht besteht, ein Wolf könnte der Verursacher sein, wird das auf der Homepage des Landes bzw. in der App kommuniziert. Was die Auswertung der Proben angeht, sei man aber auf das Labor in Wien angewiesen. Bestrebungen, die DNA-Auswertung in Tirol durchzuführen, habe es in der Vergangenheit zwar gegeben, man sei aber letztlich zum Schluss gekommen, dass eine zentrale Auswertung nach einheitlichem Schema für alle Bundesländer sinnvoller sei – zumal die Daten auch mit den zentralen Laboren in der Schweiz und in Deutschland abgeglichen und ausgetauscht werden. Außerdem sei das Labor in Wien auf diese Arbeit spezialisiert, der Aufbau einer ähnlichen Infrastruktur in Tirol wäre nur mit sehr viel Geld möglich.

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Neben der Nachricht von den Rissen in Umhausen wartet man in Tirol auch auf die DNA-Ergebnisse von Rissen in Nauders und Sölden. Laut Landesaussendung ist Ende Mai ein männlicher Jungwolf, der in Graubünden besendert wurde, von Südtirol ins Kaunertal gewandert und hat sich dann weiter ins hintere Pitztal bewegt. „Eine genaue örtliche Nachverfolgung des Tiers ist aufgrund der lückenhaften Daten sowie der Zeitverzögerung bei der Datenübermittlung nicht möglich.“ Hinweise, dass diesem Tier auf Tiroler Boden Nutztierrisse zuzuschreiben wären, liegen derzeit keine vor.

Keinen Nachweis eines Wolfs erbrachten die genetischen Untersuchungen von einem tot aufgefundenen Reh sowie der im Nahbereich eines toten Schafs aufgefundenen Losung im Gemeindegebiet von Hart im Zillertal. Noch kein Ergebnis liegt für die Proben von zwei toten Schafen in Fügenberg und einem toten Schaf in Rohrberg vor. (np)


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