Sports Austria Finals in Graz: 13.000 Hände für eine neue Heimat

Mit gut 6500 Sportlern, Helfern und Beteiligten sind die Sports Austria Finals eines der bisher größten Events Österreichs, das an fast allen Ecken in Graz zu spüren ist. Mitterwallner rast am Mountainbike Stigger davon.

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Die Tirolerin Mona Mitterwallner raste in Stattegg zum Meistertitel, die Basketballer am Hauptplatz um den Sieg.
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Aus Graz: Roman Stelzl

Graz – Die Drucker rauchen, der Boden ist gepflastert mit Hunderten Akkreditierungen, aufgeteilt in große Haufen mit roten, grünen, gelben Bändern. „Wir haben anfangs mit etwa 4000 Leuten gerechnet. Jetzt sind wir schon bei 6500“, sagt Julia, als sie im Pressezentrum im schicken Grazer Hotel einen neuen Namen für die Sports Austria Finals im Computer eintippt. Und sie ergänzt schmunzelnd und resignierend zugleich: „Morgen werden wir schon vor Öffnungsbeginn beim Laden stehen, gleich reinstürmen und das ganze Druckerpapier aufkaufen müssen.“

Die Wasserspringer kämpften in Eggenberg.
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Es spiegelt viel von dem wider, was sich bei der ersten Auflage des österreichischen Multisport-Spektakels abspielt. Als Idee im Vorjahr geboren, wuchs das Event mehr und mehr an – und gerade in einer nach Sport gierenden Zeit der Öffnungen hat das Sports Austria Finals eine Punktlandung hingelegt. Neben den gut 3000 Sportlern sind allerorts die mit ihren Leiberln unverkennbaren Volunteers am Weg – ein Gewusel an 16 Sportstätten, das in seiner Form eher an Olympische Festivals (wie EYOF oder YOG) erinnert.

Am Hauptplatz, wo die Basketballer nach der Olympia-Quali erneut den 3-gegen-3-Bewerb vorführen, spürt man das Flair am meisten. Gerade an diesem sommerlichen Fronleichnam, an dem sich das Thermometer der 30-Grad-Grenze nähert. Noch mehr Sport gibt es unter dem Schloss Eggenberg, wo sich die Leichtathleten aufwärmen, während nebenan die (Nachwuchs-)Wasserspringer ins Becken hüpfen und die Wasserballer in der „Auster“ dem Ball nachjagen.

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Weiter im Norden unter dem Schöckl, dem Grazer Hausberg, geht es ruhiger zu. Die Mountainbiker, die im „Garten der Stadtbewohner“ um die österreichischen Meistertitel fahren, sind gegenüber den Hobby-Radsportlern und Wanderern in der Unterzahl. „Es sind nur wenige da, deshalb müssen alle ein wenig mehr klatschen“, sagt der Moderator kurz vor dem Startschuss des Junioren-Rennens. Dennoch: Gerade hier im Cross Country wird wohl am meisten Weltklasse geboten. Bei den Damen noch mehr als bei den Herren, zählen die beiden Tirolerinnen Mona Mitterwallner und Laura Stigger doch zu den Besten ihrer Zunft.

Und unter der gleißenden Grazer Sonne liefern sich beiden Olympia-Kandidatinnen den lang ersehnten internen Vergleichskampf – mit überraschendem Ende. Die Silzerin Mitterwallner gewann in einer Zeit von 1:12:47,20 Stunden den österreichischen Meistertitel – satte 4:09 Minuten vor der Haimingerin Stigger, die für die Olympischen Spiele von Tokio (23.7.–8.8.) nominiert wurde. Rang drei ging mit Anna Spielmann ebenfalls an eine Tirolerin.

Der Tiroler Olympia-Mountainbiker Max Foidl gewann den Cross-Country-Meistertitel vor Charly Markt (l.) und Gregor Raggl (r.).
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Jener Mann, der Österreich bei Olympia vertritt, setzte sich indes bei den Herren durch. Max Foidl aus St. Johann in Tirol gewann gut eine Minute vor dem Haiminger Charly Markt, der Roppener Gregor Raggl wurde Dritter. Ein kleiner interner Vergleich, der Gewesenes quasi bestätigt. In der U23-Klasse distanzierte der Tiroler Mario Bair den Rest des Feldes.

Am Rückweg nach Graz wird das bunte Treiben wieder mehr. Und es gibt die Musik vor, die hier in der steirischen Landeshauptstadt bis zum Sonntag gespielt wird. Der österreichische Sport hat eine neue Heimat gefunden. Und geht es nach der Stimmung vieler hier, wird sie das für eine lange Zeit bleiben.


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