Tiroler Künstler Wolfgang Wirth zeigt ovalen Möglichkeitsraum

Wolfgang Wirth verwandelt die Neue Galerie in sein sehr spezielles „Oval Office“.

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In Öl auf Leinwand gemalte Ovale von Wolfgang Wirt.
© Tiroler Künstlerschaft

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Dass es nicht immer auf die Größe ankommt, zeigt sich u. a. beim Oval Office des amerikanischen Präsidenten, dem ganze 75 Quadratmeter großen Zentrum weltlicher Macht. Ein weißes Oval mit identischem Grundriss hat der in Wien lebende Tiroler Künstler Wolfgang Wirth in die Neue Galerie gelegt, um auf diese Weise die drei galeristischen Räume zu verbinden. Als bewusst grenzüberschreitender Akt, der einen in alle Richtungen offenen Möglichkeitsraum in den realen einschreibt.

Dessen Zentrum Wirth der Bespielung durch KünstlerInnenschaft-Chefin Petra Poelzl überlässt. Die diesen Raum im Raum in eine kleine, mit politisch brisanter Literatur bestückte Bibliothek verwandelt hat. Michel Foucaults „Überwachen und Strafen“ findet sich da genauso wie Sophie Passmanns „Alte weiße Männer“ oder Stephan Bierlings „America First“. Daneben flirren Bildschirme, auf denen etwa Howardena Pindell vergeblich versucht, sich von einer Schwarzen in eine Weiße zu „häuten“. Sowie vom Alltagsrassismus erzählt, den sie in den USA erlebt hat – und das nicht heute, sondern 1980.

Wie effizient Musik als Medium psychologischer Manipulation, letztlich als effiziente Waffe, eingesetzt werden kann, führt Tony Cokes in seinem Video „Evil.16“ vor. Herba Y. Amins Fotografie „The Master’s Tools“ thematisiert dagegen die Problematik, die Zukunft der Menschen nach den Vorstellungen der Mächtigen zu gestalten. Durchdekliniert an dem Projekt „Operation Sunken Sea“, in dem es um die Idee der Trockenlegung des Mittelmeers geht, um einen Europa und Afrika vereinigenden Superkontinent zu schaffen. Suzanne Lacys „Making the Crystal Quilt“ ist wiederum das Video einer Performance, in der 430 Frauen an Tischen saßen, die wie eine klassische Patchworkdecke arrangiert waren. Alle zehn Minuten ändern die Frauen nach einer exakten Choreographie die Stellung ihrer Hände und somit das Design des Musters.

Raum 1 und 3 hat dagegen Wolfgang Wirth mit großen, in Rechtecke eingeschriebenen Ovalen behängt. Die als raffinierte Zwitter aus dekonstruierten klaren Symbolen weltlicher Macht und poetischen Denkräumen daherkommen, die in ihrer malerischen Durchlässigkeit so ziemlich alles offen lassen. Um in der Fahne, die vor der Galerie am Rennweg weht, zum freien Muster zu werden, in das in großen Buchstaben das Wort „Imagine“ eingeschrieben ist.

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