„Austrian Doctors“: Tiroler Ärztin half im Armenviertel in Kenia

Die Allgemeinmedizinerin Eva Kuster (31) aus Hall in Tirol arbeitete im Frühling für sechs Wochen in einer Ambulanz der „Austrian Doctors“ in einem Slum in Kenia.

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Sechs Wochen lang arbeitete Eva Kuster in einem Medical Center am Rande eines Armenviertels im kenianischen Athi River.
© Austrian Doctors

Von Nikolaus Paumgartten

Athi River – Die Europäer haben die Uhren, die Afrikaner die Zeit. An dieses Sprichwort hat Eva Kuster während ihres sechswöchigen Einsatzes für die „Austrian Doctors“ in Kenia oft denken müssen – und festgestellt, dass da sehr viel Wahres dran ist.

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Im vergangenen Sommer hatte sich die gebürtige Hallerin bei der Organisation für einen Auslandseinsatz beworben. „Ich habe mir schon während des Studiums vorgenommen, dass ich das machen möchte, wenn alles gut gelaufen ist“, erzählt die 31-jährige Allgemeinmedizinerin. Es sei ihr darum gegangen, etwas zurückgeben zu können – nämlich an einem Ort, wo Hilfe dringend benötigt wird. Und so ging es heuer im März nach Kenia ins Fanaka Medical Center in Athi River, rund 30 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Naiobi. „Das ist eine Ambulanz am Rande eines Slums“, sagt Eva Kuster.

Wie sehr es dort an Infrastruktur und dem Notwendigsten fehlt, zeigt die Tatsache, dass sich im Schnitt etwa 100 Menschen eine Toilette teilen müssen. Sauberes Trinkwasser kommt nicht einfach aus der Leitung, sondern wird mit dem Lkw angeliefert und dann in 20-Liter-Kanistern für 50 Kenia-Schilling verkauft. Weil sich das aber viele der Armen nicht leisten können – 100 Kenia-Schilling entsprechen umgerechnet rund 80 Eurocent –, wird nicht selten das stark verschmutzte Wasser getrunken, was regelmäßig zu Erkrankungen führt.

Austrian Doctors

Organisation: Seit 30 Jahren gehen österreichische Ärztinnen und Ärzte unter dem Dach der Partnerorganisation „German Doctors“ in den medizinischen Einsatz. Der sechswöchige ehrenamtliche Einsatz führt in eines der Projekte auf den Philippinen, in Indien, Bangladesch, Kenia oder Sierra Leone.

Spenden: Die Organisation ist auf Spenden angewiesen: Raiffeisenbank Salzburg, IBAN: AT09 3500 0000 0816 0566; BIC: RVSAAT2S. Nähere Informationen sowie weitere Spendenmöglichkeiten unter www.austrian-doctors.at

Die Ambulanz ist darauf ausgerichtet, möglichst viele Leiden behandeln zu können – wenn auch mit im Vergleich zu Ambulanzen in Österreich stark reduzierten Mitteln. „Wir hatten dort ein ganz kleines Labor, wo wir beispielsweise Entzündungswerte feststellen oder ein Blutbild machen konnten“, erzählt die Tirolerin. Ansonsten hieß es oft improvisieren und den Patienten angesichts der eingeschränkten Möglichkeiten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. „Theoretisch hätte man auch an ein Krankenhaus überweisen können, aber das ist für die Menschen viel zu teuer“, sagt Kuster. Die Beschwerden reichten von Husten über Rückenschmerzen bis hin zu Verletzungen nach Unfällen oder Schlaganfällen. Behandelt werden mussten auch chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Im Schnitt besuchten täglich 130 Patienten die Ambulanz.

Corona war dabei nur am Rande ein Thema. „Ich habe immer gehört ‚Bei uns gibt es kein Corona‘“, erinnert sich die Ärztin. Das stimme natürlich nicht. Weil es aber kaum alte Menschen in Kenia gibt, dafür aber viel Armut und andere Krankheiten, spielt Corona dort nicht so eine große Rolle wie beispielsweise in Europa.

Was Eva Kuster neben Land und Leuten in Kenia außerdem kennen gelernt hat, ist eine gewisse Lockerheit. „Wenn man wollte, dass etwas ‚jetzt‘ passiert, dann konnte das auch erst in einer Stunde sein.“ Also habe sie sich gedacht: „Wenn ich das akzeptiere und da sechs Wochen lang mitmache, dann ist es viel entspannter.“ Und so hat es die 31-Jährige gelernt, weniger auf die Uhr zu schauen und mit mehr Gelassenheit auf die Zeit zu blicken.

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