Mühsamer Weg zum Schafwoll-Museum: Unikat kehrte nach Ried zurück

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Die Kardiermaschine aus der Gründerzeit kehrte zurück nach Ried/Frauns, wo sie vor mehr als 100 Jahren entstand. Rainer und Rupert Pischl, Gabriel und Michael Schöpf (v. l.) sind stolz auf das renovierte Exponat.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Ried im Oberinntal – Wahrscheinlich vergessen, verstaubt und im Schrotthandel gelandet wäre der Maschinenpark der ehemaligen Loden- und Deckenfabrik im Rieder Ortsteil Frauns. Michael Schöpf ist es zu verdanken, dass 20 historische Geräte – Webstühle, Kardiermaschinen und ein so genannter Wolf – der Nachwelt erhalten bleiben. Der unermüdliche Handwerker, Enkel des Obergrichter Textilpioniers Anton Schöpf, hat sie in unzähligen Arbeitsstunden restauriert und funktionstüchtig gemacht. Angetrieben wird das wuchtige Arbeitsgerät nicht mit Strom. Ein Kraftwerk am nahe gelegenen Bach liefert Transmissionsenergie für alle Maschinen.

Jüngstes Exponat in der stillgelegten Fabrikshalle ist eine rund 800 Kilogramm schwere Kardiermaschine. „Typenschild habe ich keines gefunden“, erzählt der Selfmade-Restaurator, „aber wahrscheinlich ist sie vor dem Ersten Weltkrieg gebaut worden. Und zwar hier in Frauns.“ Es handle sich „auf jeden Fall um ein Unikat“, stellt Schöpf fest. Einzelne Bauteile, etwa eine Bandkette, seien heute europaweit nirgendwo zu bekommen. „Also muss man sie selbst reparieren.“ Fehlende Holzteile habe er selbst nachgebaut.

Für Laien ist die Funktion der Maschine schwer ersichtlich. „Man lässt rohe, gewaschene Baumwolle durch die Walzen laufen. Am Ende ist Vlies bzw. Filzwolle herausgekommen“, klärt der Restaurator auf. Um 1970 war die Maschine längst museumsreif. Sie kam nach Telfs zur damaligen Textilproduktion der Familie Pischl und sollte als Museumsstück dienen.

Weil aber die Pläne nicht realisiert werden konnten, trat das schwere Gerät als Leihgabe heuer im Februar „die beschwerliche Heimreise“ nach Ried an. Mit den Pischls stehe man in freundschaftlicher Beziehung, sagte der Restaurator.

So kam es, dass die früheren Pischl-Chefs Rupert und Rainer kürzlich auch zu einer inoffiziellen Präsentation des frisch restaurierten Exponats eintrafen. „Zu dieser unglaublichen Leistung von Michael Schöpf können wir nur gratulieren“, hoben die beiden Telfer hervor. Das Ziel der Familie Schöpf, ein Tiroler Textilmuseum aufzubauen, werde man gerne unterstützen. „Wir haben noch einige mehr als 100 Jahre alte Geräte, die in Ried in besten Händen wären.“ Ihre eigenen Pläne, ein Museum in Telfs einzurichten, habe man „nach wenig motivierenden Gesprächen mit der Politik“ in die Schublade gesteckt.

Dass ein offizielles Museum, das alle nötigen Richtlinien erfüllt, für seine Familie und für den 2020 gegründeten Verein „Museum Schafwollfabrik Ried-Frauns“ ein „eigenes Megaprojekt“ bedeutet, habe er zu Beginn seiner Restaurierungen nicht geahnt, räumte Michael Schöpf ein. Pläne für einen Erweiterungsbau der alten Fabrikshalle hat er bereits skizziert. Möglicherweise gebe es einen Einspruch, weil der Standort zu nahe am Bach liegen soll. Man sei auf „professionelles Projektmanagement“ angewiesen, „das wir derzeit aber noch nicht haben“.

Einblick in das Haus mit den historischen Maschinen und ein Erlebnis „mit dem Charme der Pionierzeit gibt es trotzdem schon jetzt: Montag bis Freitag 18 bis 20 Uhr, Samstag 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr. Internet: www.museum-schafwollfabrik.at


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