"overgrown" in Telfs: Kunst, wilde Natur, künstliche Landschaft

Junge heimische Kunst und die Natur: Mit „overgrown“ startet ein neuer Telfer Kunstverein eine Ausstellungsreihe.

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Maria Walchers Soundinstallation „Ohm“ lädt in die „Waldarena“. Die Arbeiten von vier heimischen Kunstschaffenden sind für ein Jahr in freier Wildbahn zu sehen.
© Walcher

Buchen – Dass sich Kunst und Landschaft mitunter wunderbar ergänzen, auch außerhalb des urbanen Raums, versucht das Land-Art-Projekt „Smach“ im Südtiroler Gadertal in seiner nunmehr fünften Ausgabe aktuell wieder klarzumachen. In Südtirol ist „Smach“ nur eine von mehreren Initiativen, die in Sachen Kunst bewusst den Weg in die Natur wählen – auch um das Publikum für Kunst und Umwelt zu aktivieren.

Diesseits des Brenners gibt man sich, was Kunst am Berg betrifft, verhaltener, das ist auch Kuratorin Nadja Ayoub aufgefallen. Und sie erhob schon 2013 in ihrem ersten Projekt „urban spricht kunst“ bewusst bisher unbespielte Orte am Innsbrucker Franziskanerplatz zu Ausstellungsorten – eine ähnliche Vorgehensweise wie auch bei der Biennale Innsbruck International. Es geht um das Entdecken von bisher übersehenen Synergien von Ort und Werk.

Mit „overgrown“ startet Ayoub heute eine neue Initiative, in der es um Kunst in der Landschaft geht, um die Auflösung klassischer Vorstellungen von Raum. „overgrown“ ist der Auftakt der Ausstellungsreihe „inside out“, die der frisch gegründete Kunst- und Kulturverein Telfs-Buchen organisiert. Wie der Name schon sagt, ist der Gang von innen nach außen Programm. Bespielt wird im Rahmen von „overgrown“ das Gebiet rund um den Ropferhof in Buchen inmitten eines Wandergebiets. Ein Jahr lang wird man sich dort nicht mehr nur in der Natur bewegen, sondern an mehreren Stellen auch junge heimische Kunst sehen: Ayoub hat Gabriele Edlbauer, Matthias Krinzinger, Sophia Mairer und Maria Walcher eingeladen, sich Gedanken über das Zusammenspiel von Kunst, wilder Natur und künstlich erschaffener Landschaft zu machen.

Arbeiten durften die Kunstschaffenden direkt vor Ort, die Ropferstub’m wurde dafür zur temporären Residency-Stätte. Entstanden sind dort Arbeiten, die das Umfeld mitdenken und den Veränderungen, die Wind und Wetter mit sich bringen werden, offen gegenüberstehen.

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Bei Matthias Krinzingers „Würfelboccia“ etwa wurde eine alte Bocciabahn neu aktiviert, die langsam von der Natur wieder zurückerobert, überwachsen (also „overgrown“) werden wird. Bis dahin kann sich das Publikum aber partizipativ einbringen.

Auf Beteiligung angelegt ist auch „Ohm“ von Paul-Flora-Preisträgerin Maria Walcher. Ihre Sitzsäcke in der neu bespielten „Waldarena“ laden zum Verweilen und Zusammenkommen – und das nach einer Zeit, in der „Walk“ und „Work“ den Rhythmus der Menschen in der Pandemie vorgaben.

Weiter in den Wald vorwagen muss man sich für Gabriele Edlbauers zoomorphe Skulptur „Drei Bier“, eine humoristische Anspielung auf toxische Männlichkeit, sowie Sophia Mairers zarte Malereien. Mit ihnen baut sie Portale, die Vergänglichem bzw. Veränderungen offen stehen.

Den Einfluss der Natur auf die Kunst genau zu studieren, ist nicht nur für die KünstlerInnen ein zentrales Element, auch die Kuratorin will die Arbeiten ein Jahr lang auf unterschiedlichste Weise vermitteln. Geplant sind neben einem umfangreichen Kinderprogramm u. a. Mondscheinführungen oder Winterlesungen.


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