Mit Applaus aus dem Gerichtssaal: Mord oder nicht? Raser muss erneut vor BGH

Zum zweiten Mal soll Deutschlands höchstes Strafgericht über einen Raser-Unfall urteilen, bei dem eine Unbeteiligte starb. Der Fahrer soll lebenslang in Haft, der BGH aber sieht Mord nicht erwiesen. Im neu aufgerollten Prozess verlässt der Mann das Gericht unter Applaus. Doch die Staatsanwaltschaft gibt nicht auf.

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Der 22-jährige Raser ging nach eigener Aussage davon aus, dass nichts passieren werde – weil er Vorfahrt hatte.
© dpa/Polizei Duisburg

Berlin – Im neu aufgerollten Prozess wegen eines tödlichen Autorennens in Moers am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) hat die Staatsanwaltschaft Revision gegen die deutlich gemilderte Strafe von vier Jahren für einen 24-Jährigen eingelegt. Das sagte eine Sprecherin der Behörde. Die Staatsanwaltschaft sei weiter der Meinung, dass der Angeklagte mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt habe. Zuständig ist nun der Bundesgerichtshof (BGH).

Der zur Tatzeit 22 Jahre alte Hauptangeklagte war am Ostermontagabend 2019 mit einem 600 PS starken Auto mit bis zu 167 Kilometern pro Stunde durch ein Tempo-50-Wohngebiet in Moers gerast. Eine 43 Jahre alte unbeteiligte Autofahrerin erlitt tödliche Verletzungen, als der hochmotorisierte Wagen des jungen Mannes gegen ihr Auto prallte.

Applaus für Verurteilten – „schwer erträglich"

Das Landgericht Kleve hatte den Mann im Februar 2020 zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Dieses Urteil hatte der BGH aufgehoben, weil die Bundesrichter nicht genügend Belege für einen Tatvorsatz gesehen hatten. Sie verwiesen seinerzeit auf eine Aussage des Angeklagten, dass er auf einer gut einsehbaren Vorfahrtsstraße unterwegs gewesen sei und deshalb darauf vertraut habe, dass es zu keinem Unfall kommen werde. Diese Aussage habe das Gericht bei seinen Überlegungen zu einem bedingten Tatvorsatz nicht ausreichend gewürdigt.

Am gestrigen Montag hatte eine andere Kammer des Landgerichts Kleve daraufhin ein deutlich milderes Urteil von vier Jahren wegen illegalen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge verhängt. Da der Mann bereits gut zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen hatte, sei nach dem Urteil der Untersuchungshaftbefehl aufgehoben worden, berichtete der Anwalt der Angehörigen der Frau, die als Nebenkläger an dem Prozess teilgenommen hatten. Der 24-Jährige habe unter lautem Applaus einiger Bekannter den Gerichtssaal als bis zum Antritt der Reststrafe – vorerst – freier Mann verlassen. Das sei „schwer erträglich", sagte der Anwalt.

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Der zweite Angeklagte und Kontrahent des aus dem Kosovo stammenden Hauptangeklagten bei dem Autorennen hatte drei Jahre und neun Monate Haft bekommen. Diese Strafe war beim BGH bestätigt worden. (dpa)


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