Im Schatten Bidens: Johnson will beim G7-Gipfel in die erste Reihe

Der britische Premier bleibt in den kommenden Tagen im Schatten Bidens. Doch Johnson will am G7-Gipfel mit seinem „Global Britain“ auftrumpfen.

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Auf dem G7-Gipfel will der britische Premier Boris Johnson sein Post-Brexit-Großbritannien in der ersten Reihe der Weltpolitik positionieren.
© AFP/Pugh

Von Christian Jentsch

London – In den kommenden sieben Tagen steht in erster Linie US-Präsident Joe Biden im Scheinwerferlicht. Mit seinem Amtsantritt im Jänner rief Biden nach der außenpolitischen Geisterfahrt seines republikanischen Vorgängers Donald Trump, der die Fundamente der liberalen westlichen Weltordnung ins Wanken brachte, die Wiederauferstehung des Westens aus. Seine erste Auslandsreise führt ihn deshalb auch nach Europa zu den „alten“ transatlantischen Verbündeten, die Trump im Regen stehen ließ. Biden will auf seinem Gipfelmarathon – vom G7-Gipfeltreffen von Freitag bis Sonntag im englischen Cornwall über den NATO-Gipfel und den USA-EU-Gipfel kommenden Montag und Dienstag in Brüssel bis hin zum Gipfeltreffen mit Kremlchef Wladimir Putin am Mittwoch in Genf – den wiedererstarkten Westen unter Führung der USA im Wettbewerb gegen China und Russland präsentieren.

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Im Schatten Bidens will freilich auch der britische Regierungschef Boris Johnson die Bühne nützen, um Großbritannien nach dem Brexit als wichtigen globalen Akteur in Szene zu setzen. Nachdem der US-Präsident und die First Lady bereits gestern Abend in Großbritannien landeten, trifft sich Johnson heute mit Biden im noblen Strandbad Carbis Bay. An der Küste von Cornwall im äußersten Südwesten Englands ist Johnson dann ab morgen bis Sonntag Gastgeber des G7-Gipfels und trifft dort die Lenker der Industrienationen der Westlichen Welt. Für den exzentrischen Johnson die Gelegenheit, Großbritannien nur wenige Monate nach dem Brexit als freiheits- und freihandelsliebendes Land zu präsentieren, als Motor künftiger Entwicklungen – und das auf Du und Du mit Biden, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel oder Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron.

Johnson will mit seinem Auftritt im Reigen der Großen die innenpolitischen Querelen und seine Fehler in der Corona-Krise rasch vergessen machen. Und auf der Weltbühne will der Brexiteer der ersten Stunde allen zeigen, dass das Post-Brexit-Großbritannien die Rolle des von ihm propagierten „Gobal Britain“ spielen kann. Die Briten sollen außerhalb der EU in der ersten Reihe der Weltpolitik mitspielen. Doch da ist wohl mehr der Wunsch Vater des Gedankens. So sind die Bande mit Europa nach dem irren Brexit-Theater geschwächt und auch das Verhältnis Johnsons zu US-Präsident Biden ist nicht gerade das beste. Und eine Weltmacht ist Großbritannien trotz allem Getöse längst nicht mehr.

Unterdessen fordern Parlamentarier aus den G7-Ländern ihre Staats- und Regierungschefs vor dem Gipfel auf, einen härteren Kurs gegen China einzuschlagen. Die EU will im Kreis der G7 250 Mio. Euro im Kampf gegen Hunger nach der Corona-Pandemie mobilisieren. Dies kündigte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen gestern im Europaparlament an. Die EU und die USA wollen ihre Handelsstreitigkeiten beim EU-USA-Gipfel dauerhaft beilegen.

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